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Schleswig-Holstein Nach Exhibitionismus-Vorwürfen: Freispruch für Detlef H.
Nachrichten Schleswig-Holstein Nach Exhibitionismus-Vorwürfen: Freispruch für Detlef H.
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16:48 26.09.2019
Von Bastian Modrow
Freispruch für Detlef H.: Am Donnerstagnachmittag fiel das Urteil im Prozess um Exhibitionismusvorwürfe gegen den ehemaligen Leiter des Weißen Rings. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa (Archiv)
Lübeck

Der ehemalige Leiter des Weißen Rings, Detlef H., der sich wegen Exhibitionismus vor dem Lübecker Amtsgericht verantworten musste, ist am Donnerstagnachmittag freigesprochen worden.

„Es gab erhebliche, nicht bloß theoretische Zweifel“, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Das Gericht argumentierte, zahlreiche Widersprüche und Unschärfen in den Aussagen der Zeugin festgestellt zu haben. Bei der Schilderung des konkreten Tathergangs habe es Abweichungen beschriebener Ereignisse gegeben. "Überdies gab es Unschärfen bei Details, an die sich das Opfer einer Straftat erinnern würde", argumentierte die Amtsrichterin. Sie attestierte der Belastungszeugin die Fähigkeit, sehr überzeugend aussagen zu können, ohne dabei stets "vollständig wahrheitsgemäße Angaben zu machen". Auch vor Gericht habe sie falsche Angaben gemacht. 

Verfahren gegen Detlef H. lief mehr als drei Monate

Mehr als drei Monate lief das Verfahren vor dem Amtsgericht gegen Detlef H. - wegen einer einzigen Tat, die zur Anklage vorgebracht worden war. Anfang 2018 war noch von deutlich mehr Fällen die Rede gewesen. Fast 30 Frauen hatten H. beschuldigt, sie belästigt zu haben, darunter neben Hilfesuchenden beim Weißen Ring auch eine Polizistin sowie eine Mitarbeiterin der Opferschutz-Organisation.

Die Lübecker Staatsanwaltschaft hatte ermittelt - unterm Strich wurde nur ein Fall zur Verhandlung wegen möglichen Exhibitionismus zugelassen. Detlef H. soll im April 2016 bei einem Beratungsgespräch mit einer schwangeren Frau seine Hose geöffnet und seinen Penis herausgeholt haben. Zudem habe er sie aufgefordert, ihn zu berühren und ihm ihre Scham und ihre Brüste zu zeigen, hatte die heute 41 Jahre alte Frau ausgesagt. 

Detlef H. beteuerte stets seine Unschuld

H. hatte dies von Anfang an bestritten. Auch während der Verhandlungstage hatte er stets seine Unschuld beteuert. 

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag drei Monate Haft auf Bewährung gefordert. Der Vertreter der Nebenklage war dem Antrag gefolgt. Zuvor hatte er vergeblich gefordert, H. wegen einer möglichen psychischen Erkrankung begutachten zu lassen. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Obwohl mehrere Frauen vor Gericht als Zeuginnen nach Ansicht der Richterin überzeugend Übergriffigkeiten von H. beschrieben hatten, seien Zweifel an der Aussage der Hauptbelastungszeugin nicht auszuräumen gewesen und der 74-Jährige letztlich freizusprechen. Ausdrücklich betonte die Richterin, dass es in dem Verfahren ausschließlich um den Vorwurf einer exhibitionistischen Tat gegangen sei.

Anders als die Amtsrichterin hält die Staatsanwaltschaft Lübeck das vermeintliche Opfer für glaubwürdig. Sprecherin Ulla Hingst kündigte unmittelbar nach Sitzungen an, in Berufung gehen zu wollen. Nun muss das Landgericht entscheiden. 

Leitartikel von Tanja Köhler: Das Urteil macht keinen Mut

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