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Schleswig-Holstein Müssen weitere Opfer aussagen?
Nachrichten Schleswig-Holstein Müssen weitere Opfer aussagen?
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21:00 04.07.2019
Von Bastian Modrow
Für den Angeklagten wird es eng: Obwohl Verteidiger Oliver Dedow (r.) scharf protestierte, wurden zwei weitere mögliche Opfer von Detlef H. im Verfahren befragt.  Quelle: Daniel Bockwoldt
Lübeck

Das Verfahren könnte trotzdem sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant: Der Verteidiger des 74-Jährigen und die Staatsanwaltschaft stellten eine Vielzahl weiterer Beweisanträge.

Zum Auftakt des dritten Verhandlungstages kassierte Verteidiger Oliver Dedow aber zunächst seinen eigenen Antrag, die Ehefrau seines Mandanten in den Zeugenstand berufen zu wollen. Ursprünglich wollte Dedow sie vor Gericht bestätigen lassen, dass ihr Mann keine weiße Feinripp-Unterwäsche trage. Dies hatte das vermeintliche Opfer Dora M. in ihrer Vernehmung bei der Polizei behauptet. Vor Gericht hatte die heute 41-Jährige an dieses Detail nicht mehr erinnern können.

"Sehr ausführliche" Aussage 

Ganz anders die beiden Kieler Polizeibeamtinnen Katharina S. und Katrin L.: Die Ermittlerinnen des Kommissariats 11 erinnerten sich noch genau an die Aussage der Zeugin. "Sehr ausführlich" habe Dora M. bei der Polizei beschrieben, was ihr im April 2016 im Büro des Weißen Rings in Lübeck widerfahren sei.  

Detlef H. habe vor der damals schwangeren Frau, die Opfer häuslicher Gewalt geworden war, unvermittelt die Hose geöffnet und der Hilfe suchenden Mutter von drei Kindern seinen nicht erigierten Penis gezeigt und sie aufgefordert, diesen zu berühren.  

Beide Zeuginnen beschrieben sehr genau, woran sich Dora M. in der Vernehmung besonders erinnerte. "Sie sagte, als er seinen Penis rausholte, habe dieser nach Urin und altem Mann gerochen", beschrieben die Ermittlerinnen. Beide hätten das vermeintliche Opfer auch schon damals gefragt, weshalb sie nach dem Vorfall weiter Kontakt zu Detlef H. gehalten habe. "Sie sagte, sie sei in einer Notlage gewesen, außerdem habe sich H. noch am selben Abend bei ihr entschuldigt", gaben die Kieler Polizistinnen zu Protokoll.

Richterin befragt weitere Geschädigte

Richterin Andrea Schulz hatte zwei weitere Frauen geladen, die vorgegeben hatten, von Detlef H. bedrängt worden zu sein. Eine von ihnen sagte aus, Hilfe beim Weißen Ring gesucht zu haben. Im Gespräch mit dem damaligen Leiter habe dieser sehr detaillierte Fragen zu einem sexuellen Missbrauch gestellt, dem sie zum Opfer gefallen war.

Dabei habe er seine Hände in den Hosentaschen gehabt und offenbar an seinem Penis gerieben. Die zweite Zeugin - eine Mitarbeiterin der Polizei Lübeck - berichtete, dass Detlef H. sie gedrängt habe, Fotos ihres Dekolleté aufnehmen zu dürfen.

Staatsanwältin will weitere Frauen befragen

Verteidiger Dedow kritisierte die Befragung der Zeuginnen scharf, wurde von Richterin Schulz aber in die Schranken gewiesen. Ihr gehe es darum, "mögliche Verhaltensmuster des Angeklagten aufzuzeigen, die der Beschuldigte in Abrede stelle".

Ein Ziel, das offenkundig auch Staatsanwältin Magdalena Salska verfolgte: Sie stellte den Beweisantrag, vier weitere mögliche Opfer befragen zu wollen sowie eine Frau, mit der Detlef H. von 2001 bis 2003 eine heimliche Beziehung geführt habe, die den 74-Jährigen als "frauensüchtig" bezeichne und ihm ein "ausgeprägtes Selbstbewusstsein als Mann" attestiere.

Diesen Antrag lehnte die Richterin ab - ebenso wie die Forderung des Verteidigers, wiederum 13 Frauen zu laden, die bestätigen könnten, von dem damaligen Opferschutz-Chef nicht belästigt worden zu sein. Über Dedows weitere Anträge, Zeugen wie den Ex-Mann von Dora M. laden zu wollen, um die Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin in Frage zu stellen, will Schulz später entscheiden. Gleiches gilt auch für die von der Staatsanwaltschaft beantragte Befragung der vier möglichen Opfer.  

Der nächste Verhandlungstermin findet am 15. Juli statt. 

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