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Schleswig-Holstein Führte eine Handy-Nutzung zum Unfall?
Nachrichten Schleswig-Holstein Führte eine Handy-Nutzung zum Unfall?
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19:48 06.02.2020
Von Thomas Geyer
War der Angeklagte am Steuer durch sein Smartphone abgelenkt? Dem Verteidiger ist das schriftliche Gutachten zur Dokumentation der Handydaten zu unkonkret. Quelle: Monika Skolimowska/dpa (Symbolfoto)
Neumünster/Kaltenkirchen

Dass der Auszubildende im VW-Transporter den schweren Unfall am 16. Juli 2019 auf der rechten Fahrspur der A7 in Richtung Norden verursachte, bezweifelt im Gerichtssaal niemand: Ein Kfz-Sachverständiger bestätigte am Donnerstag im Amtsgericht Neumünster, der Transporter sei mit 140 bis 150 km/h von hinten auf den Kleinwagen des Opfers aufgefahren.

Handy-Prozess: Angeklagter schweigt vor Gericht

Der bei dem Unfall getötete Fahrer (49) eines Renault Twingo war laut Gutachten nur mit 100 bis 110 km/h unterwegs. Der ihm auf gerader und trockener Strecke folgende Angeklagte habe erst wenige Meter vor dem Aufprall gegen 22.30 Uhr eine ruckartige Lenkbewegung nach links ausgeführt, konnte aber nicht mehr ausweichen.

Auf Anraten seines Verteidigers schweigt der Angeklagte zur Sache. Im Prozess geht es vor allem um das Ausmaß seiner Fahrlässigkeit. Laut Staatsanwaltschaft war der bei seinen Eltern lebende Heranwachsende vor dem Unfall mit dem Display seines iPhones beschäftigt. Gegenüber einem Polizeibeamten (36), der ihn kurz nach dem Crash ansprach, konnte er sich „nicht erklären, wie es dazu kommen konnte“.  

LKA-Experte soll Einschätzung zur Smartphone-Nutzung geben

Das schriftliche Gutachten zur Dokumentation der Handydaten ist dem Verteidiger zu unkonkret. Jetzt soll ein LKA-Experte zu der Frage Rede und Antwort stehen, ob der damals 19-Jährige wirklich „durch die Einbindung eines Headsets abgelenkt“ war, wie es in der Anklage heißt. Nach Einschätzung der Verteidigung steht auch eine Bedienung des Autoradios über Bluetooth zur Debatte.

Der Kfz-Sachverständige brachte als mögliche andere Unfallursache ein Einschlafen des Angeklagten ins Spiel. Das Wegnicken in den Sekundenschlaf könnte sich im Strafmaß möglicherweise günstiger auswirken als der bewusste Griff zum Handy am Steuer, bei dem der Fahrer die Gefährdung billigend in Kauf nimmt. Mit einem Urteil der Jugendrichterin wird am 18. Februar gerechnet.

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