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Schleswig-Holstein Freispruch: Durch Drogen schuldunfähig
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14:45 23.03.2018
Mit einer handfesten Überraschung ist in Lübeck der Prozess gegen einen 30-Jährigen wegen eines tödlichen Familiendramas zu Ende gegangen. Quelle: Markus Scholz
Lübeck

Mit einer handfesten Überraschung ist in Lübeck der Prozess gegen einen 30-Jährigen wegen eines tödlichen Familiendramas zu Ende gegangen. Die Richter sprachen den Angeklagten vom Vorwurf des Totschlags und des versuchten Totschlags am Freitag frei und wiesen ihn stattdessen in eine Entziehungsklinik ein. Der 30-Jährige hatte gestanden, im Juli 2017 seine Mutter erstochen und seine Großmutter schwer verletzt zu haben. 

Die Zuhörer im voll besetzten Gerichtssaal - darunter auch Angehörige und Freunde der Opfer - machten ihrer Enttäuschung über das ihrer Meinung nach zu milde Urteil durch Murren und Murmeln Luft. "Seien Sie bitte ruhig, sonst müssen Sie den Saal verlassen", rief die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, Helga von Lukowitz, die Zuschauer zur Ordnung. 

Später erläuterte sie die Entscheidung des Gerichts. "Unser Rechtssystem setzt für eine Verurteilung eine Schuld des Angeklagten voraus. Die war hier nicht gegeben, weil der durch einen sogenannten atypischen Rauschzustand zur Tatzeit nicht schuldfähig war", sagte von Lukowitz. Statt ins Gefängnis muss der 30-Jährige jetzt auf zunächst unbestimmte Zeit in eine Entzugsklinik

Der Angeklagte hatte in dem Prozess gestanden, seine Mutter im Streit mit einer Geflügelschere erstochen zu haben. Als seine 79 Jahre alte Großmutter dazwischen ging, um ihrer Tochter zu helfen, stach er auch auf sie ein. Die 79-Jährige konnte ihren Enkel zwar noch mit einer Bratpfanne niederschlagen. Gleichwohl ist die alte Dame seit der Attacke des 30-Jährigen auf einem Auge blind. 

An das genaue Tatgeschehen habe er keine Erinnerung mehr, hatte der Angeklagte im Prozess mehrfach erklärt. "Ich hatte kurz vor der Tat ein Medikament gegen Fieber eingenommen und einen Joint geraucht. Danach fühlte ich mich ungewohnt schlecht", hatte der drogenabhängige 30-Jährige ausgesagt. 

Dieses Zusammenspiel von Drogen und Medikamenten könnte durchaus dazu geführt haben, dass der Angeklagte seinen Rausch anders und heftiger als sonst erlebt habe, hatte eine toxikologische Sachverständige in der Hauptverhandlung ausgesagt. Die Polizisten, die als erste am Tatort waren, hatten vor Gericht ausgesagt, dass vier Beamte den Angeklagten kaum bändigen konnten. Seine Großmutter hatte ausgesagt, ihr Enkel habe «wie im Rausch zugestochen».

Der Angeklagte und sein Verteidiger reagierten erfreut auf das Urteil. Für die Staatsanwaltschaft, die zwölf Jahre Haft gefordert hatte, kam der Freispruch dagegen völlig überraschend. "Wir werden prüfen, ob wir Revision beantragen»" sagte Staatsanwältin Ann-Sofie Portius.

Von lno

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