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Schleswig-Holstein Drogengeschäfte aus der Psychiatrie?
Nachrichten Schleswig-Holstein Drogengeschäfte aus der Psychiatrie?
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21:45 18.10.2019
Von Thomas Geyer
Monatelang hatten Drogenfahnder gegen die Dealer in der Psychiatrie ermittelt. Im April kam der Zoll ins Haus. Quelle: Uwe Zucchi
Kiel/Schleswig

Alle sechs Beschuldigten, darunter eine Ehefrau und eine Ex-Partnerin der untergebrachten Psychiatrie-Insassen, kamen nach Aufdeckung der Drogengeschäfte in Haft. Gemeinsame Quelle ihrer selbst zusammengebrauten Mixturen soll eine Apotheke in Norderstedt (Kreis Segeberg) gewesen sein.

Die Zutaten für die Säfte kamen aus einer Apotheke

Eine Mitarbeiterin der Apotheke wird beschuldigt, den Tätern Medikamente als Zutaten geliefert zu haben. Sie soll mit dem Ehepaar befreundet gewesen sein, das sich demnächst in einem eigenen Prozess vor dem Landgericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Angeklagten sind selbst drogenabhängig

Die beiden jetzt in Kiel vor Gericht stehenden Angeklagten sind 29 und 23 Jahre alt und einschlägig vorbestraft. Sie müssen erneut mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Der Ältere verbrachte wegen Drogendelikten schon knapp zehn Jahre hinter Gittern. Gegen ihn hatte das Landgericht im April 2018 eine Therapie-Maßregel in der forensischen Psychiatrie verhängt. 

Der Aufenthalt dort soll den 29-Jährigen nicht von der Organisation weiterer Drogengeschäfte abgehalten haben. Zur Klärung der Frage, ob die selbst abhängigen Angeklagten zur Tatzeit der 18 angeklagten Fälle zwischen August 2017 und Januar 2019 schuldfähig waren, nimmt ein psychiatrischer Sachverständiger am Prozess teil.

Die beiden Freunde teilten sich zeitweise eine gemeinsame Wohnung am Kieler Ostring. Hier stellte die Polizei neben Drogen auch einen Elektroschocker, eine Schreckschusspistole und ein Springmesser sicher. Die Waffen im Drogenlabor waren laut Anklage „zur Verletzung von Personen bestimmt“.

LKA warnt vor Verharmlosung als Partydroge

Durch den Verkauf von vier Kilogramm „Speed“ und rund 30 Liter Codein-Saft ("Lean", "Purple Drank") sollen das Duo rund 65.000 Euro eingenommen haben. Drogenexperten des Landeskriminalamts wenden sich gegen eine Verharmlosung der neuen Partydroge als „Hustensaft“. Konsumenten mixten die häufig lila eingefärbte Flüssigkeit gerne mit alkoholischen Getränken.

Ermittler von Staatsanwaltschaft und Zoll warnen vor nicht nachvollziehbaren Inhaltsstoffen. Unkontrollierbare Dosierungen führten zu einem unberechenbaren Drogenmix. Ob der aktuelle Anstieg der Drogentoten in Schleswig-Holstein auf ein neues Zehn-Jahres-Hoch den Codein-Säften zuzuschreiben ist, lasse sich indessen noch nicht sagen.

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