Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Serientäter soll Bullis gestohlen haben
Nachrichten Schleswig-Holstein Serientäter soll Bullis gestohlen haben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:05 23.09.2019
Von Thomas Geyer
In Schleswig-Holstein gestohlen und nach Polen verschoben: Für die unauffällige Überführung hochwertiger VW-Busse (das Symbolbild zeigt ein T1-Modell) soll der Angeklagte (69) auch eine Bekannte als Fahrerin eingesetzt haben. Quelle: Thomas Geyer
Kiel

Es geht dabei um sechs Fälle besonders schweren Diebstahls und Hehlerei. Tatorte waren Kiel, Neumünster und drei Gemeinden im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Als Mitglied einer internationalen Autoschieberbande war der 69-Jährige bereits vom Hamburger Landgericht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach der Verbüßung soll sich der Senior mit der polnischen und deutschen Staatsbürgerschaft auf die Kultobjekte der Baureihe T5 spezialisiert haben. In seinem Geburtsjahr begann die Erfolgsgeschichte des auch bei Langfingern besonders beliebten Fahrzeugs: 1950 ging der VW-Bus Typ 1 offiziell als „Bulli“ (Bus und Lieferwagen) in Serie.

Ein wohnsitzloses Endsechziger mit Althippie-Frisur

Den Angeklagten kann man sich gut am Steuer eines Wohnmobils vorstellen. Doch seit seiner Festnahme in einem gestohlenen Camper mit gefälschtem Kennzeichen bei Cottbus (Brandenburg) 20 Kilometer vor der polnischen Grenze sitzt der wohnsitzlose Endsechziger mit der Althippie-Frisur in U-Haft. Für die unauffällige Überführung gestohlener Fahrzeuge soll er auch eine Freundin und deren Tochter eingespannt haben.

Während Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger nach Verlesung der Anklage eine mögliche Verständigung über einen Deal ausloten, kann sich der 69-Jährige kaum bremsen: „Ich habe noch nie ein Auto aufgebrochen“, ruft er ungefragt in die Runde. Und wird von seinem Anwalt energisch zum Schweigen gebracht. Für die Aufklärung des Sachverhalts hat die Strafkammer sieben Verhandlungstage terminiert.

Die Autos wurden nach Polen verschoben

Einen Zeitwert von 60000 Euro hatte der VW Bus T5, den der Angeklagte im Mai 2018 in Neumünster am Straßenrand aufgebrochen und gestohlen haben soll. Wie in anderen Fällen habe er sich dem Objekt nachts genähert, sich Einlass verschafft und habe dann die elektronische Wegfahrsperre überwunden, so der Vorwurf. Anschließend wurde das Fahrzeug in Richtung Polen gefahren. Die Polizei stellte es mithilfe einer GPS-Ortung noch vor der Grenze sicher.

Im Fall eines im Juni 2018 entwendeten VWCalifornia Beach“ aus dem Raum Bordesholm sichteten Fahnder das Fahrzeug kurzzeitig in Frankfurt/Oder. Nach einer Verfolgungsjagd konnte der Fahrer flüchten. Die Besitzerin des Fahrzeugs trat noch am selben Tag in die Facebook-Gruppe „VW Bus gestohlen“ ein. Hier teilen 4000 Betroffene ihre Trauer und Wut über den Verlust des „geliebten Bullis“.

Auto-Diebstahl direkt vor der Haustür

„Nun hat es uns auch erwischt!“, gab die Bestohlene bekannt. Ihr auf 30000 Euro geschätztes Fahrzeug wurde nachts in einer verkehrsberuhigten Kleinsiedlung in Wattenbek gestohlen – direkt vor der Haustür. Die mit Fotos illustrierte Meldung wird rund 600 Mal geteilt und 17 Mal kommentiert. Beileidsbekundungen kommen aus Flintbek, Flensburg, Stormarn und Köln.

Im Netz nimmt die Bulli-Gemeinde regen Anteil an jedem gemeldeten Fall, informiert über Exportwege („Heute gestohlen, morgen in Polen“) und fachsimpelt über technische Sicherungseinrichtungen. Gelegentlich führt der Appell eines Diebstahlopfers an die Community („Haltet mal die Augen offen!“) tatsächlich zum Wiederauffinden des Fahrzeugs.

VW-Busse besonders diebstahlgefährdet

Nach Statistiken über besonders diebstahlgefährdete Kfz-Typen sind VW-Busse Objekte besonderer Begierde. Demnach wurden 2016 allein von den Baureihen „T4 Multivan“ und „T5 California“ von 1000 Exemplaren jeweils zwischen fünf und sieben gestohlen.

Mit dem Volksbegehren zum Schutz des Wassers können die Schleswig-Holsteiner direkt Einfluss auf die Politik nehmen. Miriam Schmidt aus Kiel wollte diese Chance der direkten Demokratie nutzen. Doch das war schwieriger als erwartet. Auch ein Test von KN-online zeigt: Es hakt beim Volksbegehren.

Heike Stüben 23.09.2019

Im Prozess gegen den ehemaligen Leiter der Opferschutzorganisation Weißer Ring in Lübeck sind am Montag die Schlussplädoyers gehalten worden. Dazu wurde die Öffentlichkeit wiederum von der Verhandlung ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft fordert drei Monate Haft auf Bewährung.

23.09.2019

Im Lübecker Prozess um einen tödlichen Giftanschlag auf einen 56-Jährigen in Lütjensee (Kreis Stormarn) mit dem Pflanzengift E605 hat der Staatsanwalt am Montag neun Jahre Haft wegen Mordes für den Hauptangeklagten gefordert.

23.09.2019