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Schleswig-Holstein SPD-Vize strebt nun doch an die Spitze
Nachrichten Schleswig-Holstein SPD-Vize strebt nun doch an die Spitze
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21:25 14.08.2019
Von Christian Hiersemenzel
Neben Ralf Stegner (Foto) haben auch Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (an der Seite von Bautzens Bürgermeister Alexander Ahrens) und die Geesthachter Bundestagsabgeordnete Nina Scheer (an der Seite des Bundestagsfraktionsvizes Karl Lauterbach) Ambitionen angemeldet. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Während die Nachricht von seiner Kandidatur um den SPD-Bundesvorsitz wie ein Lauffeuer die Runde machte, saß Fraktionschef Ralf Stegner am Mittwochmittag seelenruhig im Vorzimmer seines Büros im Kieler Landeshaus. Was ihn bewogen habe, an der Seite von Gesine Schwan seinen Hut in den Ring zu werfen? „Kein Kommentar“, antwortete er, um sich gemeinsam mit seiner Chefsekretärin wieder dem Kalender zuzuwenden.

Die Terminverschiebungen dürften erheblich sein. Dass der Bundesvize und die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission eine gemeinsame Kandidatur sondiert hatten, war schon seit Längerem bekannt gewesen. Bislang hieß es allerdings, die 76-Jährige und der 59-Jährige seien übereingekommen, im Team zu alt zu sein. Nun also haben sie sich umentschieden. Die ursprünglich von „Spiegel online“ verbreitete Meldung wurde dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Kreisen der SPD-Führung bestätigt.

Mehrere Frauen hatten Stegner einen Korb gegeben

Stegner soll bei mehreren jüngeren Sozialdemokratinnen angefragt haben, ob diese für eine Doppelkandidatur an seiner Seite bereitstünden. Offenbar lehnten die Frauen dankend ab. Schwan wiederum hatte sich bereits im Juni selbst als Kandidatin ins Spiel gebracht und öffentlich über eine Doppelspitze mit Kevin Kühnert räsoniert. Der Juso-Chef soll ebenfalls kein Interesse gezeigt haben. In der Not tun sich Schwan und Stegner jetzt zusammen. Damit haben bereits vier Paare ihre Bewerbung erklärt, außerdem gibt es mehrere Einzelbewerbungen.

Bemerkenswerte Karrieren

An Intellekt fehlt es dem Duo Stegner/Schwan nicht. Parteivize Stegner erwarb seinen Masterabschluss an der US-Elite-Uni Harvard. Später promovierte er an der Uni Hamburg mit einer Arbeit über das Theatralische in der US-Politik. Stegner war in Schleswig-Holstein Finanz- und Innenminister, außerdem acht Jahre lang SPD-Vorsitzender. Im März hatte er nicht wieder kandidiert. Am Chefposten der Landtagsfraktion, den er seit 2008 hat, wollte er vorerst weiter festhalten.

Gesine Schwan, Chefin der SPD-Grundwertekommission, blickt auf eine beeindruckende akademische Karriere zurück. Die Politikwissenschaftlerin lehrte seit den späten 70er-Jahren als Professorin am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und wurde dort Anfang der 90er-Jahre Dekanin. Später leitete sie neun Jahre lang die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Schwan wurde deutschlandweit bekannt durch ihre (erfolglosen) Kandidaturen als Bundespräsidentin bei den Wahlen 2004 und 2009.

Midyatli äußert sich nur schriftlich

SPD-Landeschefin Serpil Midyatli wollte sich zur Personalie am Mittwoch nur schriftlich äußern. „Wer den Parteivorsitz übernehmen möchte, muss in erster Linie die Mitglieder überzeugen, und dazu gehört ein klares sozialdemokratisches Profil“, teilte sie mit. Neben Stegner haben auch Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (an der Seite von Bautzens Bürgermeister Alexander Ahrens) und die Geesthachter Bundestagsabgeordnete Nina Scheer (an der Seite des Bundestagsfraktionsvizes Karl Lauterbach) Ambitionen angemeldet. Eine vierte Bewerbung aus dem Raum Lübeck gilt als chancenlos.

Breitner reagiert schockiert

Die Resonanz im Landesverband fiel unterschiedlich aus. „Stegner hat den Landesvorsitz gerade freiwillig aufgegeben“, wunderte sich Kiels OB Ulf Kämpfer. Der Eckernförder Bundestagsabgeordnete Sönke Rix freute sich dagegen, „dass jetzt auch Menschen aus der ersten Reihe“ zur Auswahl stünden. Ähnlich äußerte sich die Kieler Kreisvorsitzende Gesine Stück: „Wir brauchen Kandidaten mit bundesweiter Erfahrung, die sich in Berlin durchsetzen.“ Ex-Innenminister Andreas Breitner dagegen war schockiert. „Stegner und Schwan sind Figuren von gestern. Die können nicht für eine Politik von morgen stehen.“ Der Kieler Landtagsabgeordnete Bernd Heinemann bezeichnete die Auswahl von gleich drei möglichen Kandidaten aus dem Norden als mutig. „Im Bund dürfte es allerdings Kopfschütteln auslösen.“

Stegner, Lange und Scheer wollen sich diesen Sonnabend dem Landesvorstand vorstellen. Ob dieser eine Empfehlung ausspricht, ist offen. Eine Nominierung des Landesverbandes oder von fünf der 15 Kreisverbände wäre für eine Kandidatur die Voraussetzung. Die SPD im Herzogtum Lauenburg und in Segeberg unterstützt das Team Scheer/Lauterbach.

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