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Schleswig-Holstein Erpressungen mit Daten nehmen zu
Nachrichten Schleswig-Holstein Erpressungen mit Daten nehmen zu
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08:00 05.08.2019
Von Niklas Wieczorek
Cybercrime kann jeden Treffen: Viele Unternehmen gehen laut LKA noch zu sorglos mit ihren Daten um. Quelle: Silas Stein
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Kiel

 Für die Ermittler im Dezernat Cybercrime des Landeskriminalamts stellen diese Fälle inzwischen das „dominante Delikt“, so Chef Alexander Hahn.

Zwar bleibe die absolute Zahl krasser Fälle im Jahr noch im einstelligen Bereich, so Hahn weiter. Weil digitale Erpressungen aber nicht gesondert statistisch erfasst, im LKA lediglich die komplexeren Delikte behandelt werden und er von einem „großen Dunkelfeld“ ausgeht, sagt Hahn bereits jetzt: „Das gezielte Vorgehen wird ein Markt mit enormen Schadenssummen.“ Zuletzt wurde der Millionen-Fall des Juweliers Wempe aus Hamburg bekannt.

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IHK: Bewusstsein für Gefährdung steigt

Wirtschaftsvertretern ist das Phänomen nur zu vertraut: „Wir nehmen wahr, dass das Bewusstsein für die Gefährdung steigt und dass man sich schützen muss und kann“, sagt Martin Kruse von der Industrie- und Handelskammer zu Kiel. Diese Entwicklung begrüßt er und kündigt an, dass die IHK ihre Angebote in dem Bereich ausweiten wolle.

Unternehmen treffen nur wenig Vorkehrungen

Hahn sieht vor allem die Unternehmen selbst in der Pflicht: „Wir wissen um unsere Abhängigkeit von Daten.“ Cyber-Security müsse Chefsache in den Unternehmen sein. Das wollten aber viele nicht wahrhaben. So schlagen die Ermittler „regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen“, wenn sie zur Bestandsaufnahme bei Opfern sind – und merken, wie wenig Vorkehrungen gegen solche Angriffe getroffen wurden.

LKA rät: Virenschutz aktuell halten

Simpelste Regeln gegen feindliche Systemeinfälle per E-Mail-Anhang, Link oder auf Datenträgern könnten dagegen schon helfen, so Hahn: System und Virenschutz aktuell halten sowie regelmäßige Backups anfertigen, die aber auch physisch vom Netzwerk getrennt werden.

Unbedingt zu verhindern sei der einmalige Einfall ins PC-System des Unternehmens. Die Hacker schauten sich dort um und veranschlagten auch, wie viel mit einem Erpressungsfall vom einem Unternehmen zu holen sei, so Hahn.

Lösegeld sollte nicht gezahlt werden

Und dann komme die Mail, in der es hieße: „Herzlichen Glückwunsch. Sie sind Teil einer großen Familie. Zahlen Sie oder leiden Sie.“ Hahn weiß: „Die Opfer sind so verzweifelt, dass sie über Zahlungen nachdenken.“

Dabei rate das LKA dringend davon ab, wie auch die Landesdatenschützerin Marit Hansen: „Wir raten bei Lösegeldforderungen, die Polizei einzuschalten.“ Auch wenn Hahn darauf hinweist, dass die Ermittler keinesfalls die Daten wiederherstellen, sagt er zumindest: „Wir haben auch schon Täter ermittelt.“

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