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Schleswig-Holstein Pastor spähte Whatsapp-Chat von Polizei-Gewerkschafter aus
Nachrichten Schleswig-Holstein Pastor spähte Whatsapp-Chat von Polizei-Gewerkschafter aus
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18:06 16.10.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Polizei-Seelsorger Volker S. im Gespräch mit einem Beamten. Quelle: Olaf Malzahn
Kiel

Volker S. soll bei einer Feierstunde einen Smartphone-Chat Nommensens mit KN-Reporter Bastian Modrow ausgespäht haben. Laut offiziellen Papieren, die unsere Redaktion einsehen konnte, ging es bei der Razzia um die Frage, wie eng die Beziehung zwischen Nommensen und den Journalisten ist, und ob der Gewerkschafter in zwei Fällen unerlaubt polizeiinterne Informationen weitergegeben hat.

Eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen spielt Polizei-Pastor S. Der Mitarbeiter der Nordkirche hatte Ende Mai bei der Amtseinführung des Kieler Polizeichefs Jürgen Funk im Rathaus neben Nommensen gesessen und auf dessen Handy gespäht.

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LKA nimmt Journalisten gezielt ins Visier

Weil er dabei einen Austausch per Whatsapp mit Modrow beobachtet hatte und Emojis (zum Beispiel Smileys) und einen hämischen Kommentar Nommensens erkannt zu haben glaubte, wandte er sich an Landespolizeidirektor Michael Wilksen. Die Zeugenaussage des Seelsorgers begründet nach Ansicht der Ermittler den Verdacht, dass Nommensen verbotenerweise Informationen weitergab.

Das Landeskriminalamt suchte schon vor der Razzia nach Indizien, die eine besondere Nähe zwischen Nommensen und den Reportern belegen sollten. Dabei nahm das LKA die Journalisten gezielt ins Visier und analysierte diverse Artikel in beiden Zeitungen. Mitte Juli stellten die Ermittler in einem Vermerk fest, dass wiederholt polizei-kritische Beiträge der Redakteure auf der Internetseite der DPolG verbreitet wurden. Das LKA studierte auch das private Facebook-Profil des KN-Reporters und wertete Likes („Gefällt mir“) als Indiz für enge Beziehungen zu dem Gewerkschafter.

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Polizeiführung: Suche nach Informationen

In den vergangenen Jahren hatten exklusive Recherchen der KN die Polizeiführung massiv verstimmt, die daraufhin die Suche nach den Informanten verstärkte. Der Vorwurf des Geheimnisverrats gegen Nommensen bezieht sich auf unseren Bericht im Juni über einen Eutiner Polizeischüler, der mit Nazi-Symbolen posierte und entlassen wurde, und auf Online-Berichte von KN und LN über die Geiselnahme im Lübecker Gefängnis.

Nommensens Anwalt hat inzwischen Widerspruch gegen die Durchsuchung beim Landgericht Kiel eingelegt. Bis zur Entscheidung ist eine Auswertung der beschlagnahmten Daten nicht erlaubt.

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Ein Auslöser der Durchsuchung beim stellvertretenden Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Thomas Nommensen, war eine Aussage des evangelischen Polizei-Seelsorgers. Der Pastor spähte bei einer Feierstunde einen Smartphone-Chat Nommensens mit einem Reporter von KN-online aus.

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