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Schleswig-Holstein Red Bull verbietet Oldesloer Basketballteam Name und Logo
Nachrichten Schleswig-Holstein Red Bull verbietet Oldesloer Basketballteam Name und Logo
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11:30 31.05.2019
Wie die beiden Coaches Alexander Schmitt (l.) und Jörg Söhl berichten, zwingt Red Bull das Oldesloer Basketballteam, seinen Namen zu ändern und die Trikots zu vernichten. Quelle: Dorothea von Dahlen
Bad Oldesloe

Ein Namensstreit überschattet den erfolgreichen Aufstieg einer neu gegründeten Basketballabteilung des VfL Oldesloe. Der Brausehersteller „Red Bull“ hat den jungen Amateursportlern untersagt, den aus Sicht des Unternehmens ähnlich klingenden Namen „Blue Bulls“ und das dazugehörige Logo zu verwenden und andernfalls sogar ein Gerichtsverfahren angedroht.

Neue Abteilung vor einem Jahr gegründet

„Uns sind die Flügel gestutzt worden“, sagt Coach Alexander Schmitt. Für ihn und seinen Co-Trainer Jörg Söhl war das wie ein Schlag in die Magengrube. Mit viel Herzblut hatten die beiden Oldesloer Väter, die selbst leidenschaftliche Basketballer sind, die neue Abteilung des VfL vor einem Jahr aufgebaut. Der Funke sprang schnell über. Immer mehr Jugendliche wollten gern Teil des coolen Teams werden. „Der Verein hatte durch uns gleich einen Mitgliederzuwachs von 37 Prozent“, sagt Schmitt. Der Erfolg zeigte, dass das Projekt keine Eintagsfliege werden würde und es galt, ein passendes Logo und einen eingängigen Namen zu finden. Die Farbe des VfL sollte darin vorkommen und wehrhaft sollte er auch klingen. „Schließlich sind wir auf Blue Bulls gekommen. Die Kinder haben selbst darüber abgestimmt“, erzählt der Coach.

Von Null auf 100: Das Oldesloer Basketballteam U 14 des VfL Oldesloe ging als Sieger bei den Bezirksmeisterschaften hervor. Quelle: hfr/privat

Stolz auf die neuen Trikots

Als die frisch bedruckten Trikots eintrafen, die dank finanzieller Unterstützung vieler Sponsoren aus Bad Oldesloe und Umgebung angeschafft werden konnten, waren alle „stolz wie Bolle“, trugen die Shirts sogar in der Schule. Und dann der Durchbruch: Bei der Bezirksmeisterschaft des Basketball-Verbandes Schleswig-Holstein erkämpfte sich das U 14-Team mit 1122 Körben in 14 Spielen den ersten Rang. Der Erfolgskurs schien ungebrochen.

Aggressiver Bulle deutet auf Brausehersteller hin

Bis die E-Mail von Red Bull in der Geschäftsstelle des VfL Oldesloe eintraf. In der Mail, die den Lübecker Nachrichten vorliegt, erklärt die für Europa zuständige Markenschutzmanagerin, es bestehe eine Namensähnlichkeit und somit die Gefahr, dass die Oldesloer Basketballer mit dem Hause „Red Bull“ in Verbindung gebracht oder sogar verwechselt werden könnten. „Auch sehen wir die Gefahr der Rufausbeutung und Verwässerung der bekannten Red-Bull-Marke“, fügt sie hinzu. „Darüber hinaus verwenden sie einen aggressiven Bullen, der ebenfalls unmittelbar auf unser Haus hindeutet.“

Konzern droht mit langem Rechtsstreit

Schmitt nahm unverzüglich Kontakt zu einem Rechtsbeistand auf, um prüfen zu lassen, wie ernst dieses Schreiben zu nehmen sei. Immerhin hatte er die Marke auf seinen Namen eintragen lassen, und war damit rückwirkend betrachtet ein großes Risiko eingegangen. „So wie er den Fall einschätzt, hätten wir gute Chancen gehabt, bei einem Rechtsstreit zu gewinnen. Das Logo ist keinesfalls identisch mit unserem und auch der Name nicht, zumal der Begriff ,Bulls’ von vielen Basketball-Teams verwendet wird“, sagt Schmitt. Doch eine Entwarnung stellte diese Information letztlich nicht dar. Der Oldesloer hätte ungeachtet eines Prozesserfolgs erst einmal 5000 Euro hinterlegen müssen. „Und dann hätte Red Bull eine einstweilige Verfügung erwirkt, dass wir weder den Namen noch die Trikots bis zur endgültigen Entscheidung verwenden dürfen“, erläutert der Coach.

Sponsor nur für Extremsportarten?

Um dies zu verhindern und weiteren Problemen aus dem Weg zu gehen, setzten Schmitt und Söhl auf Kompromissbereitschaft. In einem Telefonat mit dem Anwalt habe die Markenmanagerin nämlich anklingen lassen, dass Red Bull als ausgewiesener Sponsor von Extremsportarten „die Kleinen nicht zerstören“ wolle. So keimte in den beiden die Hoffnung auf, dass der Weltkonzern den Oldesloer Basketballern finanziell unter die Arme greift, da sie ihre Trikots künftig nur noch „unten drunter“ tragen dürfen, ihre Trainingsanzüge ausmustern, ein neues Logo entwickeln und freilich auch ihre Homepage umgestalten müssen.

Doch wie sich herausstellen sollte, blieb der Getränkehersteller aus Österreich hart. Die Gebühr für eine Neuanmeldung der Marke will Red Bull demnach übernehmen, alle anderen Kosten bleiben an den Oldesloern hängen. Auf Nachfrage der Lübecker Nachrichten, ob der Konzern keine Negativschlagzeilen befürchte, reagierte die Unternehmenssprecherin knapp: „Vielen Dank für Ihre Anfrage, die sich allerdings aus unserer Sicht schon erledigt hat. Herr Schmitt war im Rahmen einer gütlichen Einigung einverstanden, den Namen abzuändern“, heißt es in der Mail an die LN.

Bis zum Jahresende alles vernichten

Kopfschütteln ruft das Verhalten des Getränkeherstellers mit einem Jahresumsatz von 5,5 Milliarden Euro auch bei anderen Sportsfreunden in Stormarn hervor. Adelbert Fritz, Vorsitzender des Kreissportverbands, etwa stellt dem Weltkonzern ein Armutszeugnis aus. „Ich bin natürlich kein Experte in Markenrecht und kann nicht beurteilen, ob die Forderung rechtens ist. Aber ich frage mich, was einen Riesenkonzern stören könnte, wenn eine relativ kleine Basketballgruppe sich ähnlich nennt. Das ist wenig verständlich. Das tut doch keinem weh“, sagt er.

Die afrikanischen Blue Bulls

Verwunderlich ist die harsche Reaktion des Weltkonzern Red Bull, da es bereits im internationalen Sport eine Mannschaft mit Namen „Blue Bulls“ gibt. Dabei handelt es sich um ein führendes südafrikanisches Rugby-Team. Der 1938 gegründete Traditionsclub hieß zunächst Northern Transvaal bevor er 1998 in „Blue Bulls“ umgetauft wurde. Da der Getränkehersteller „Red Bull“ seit 1987 in Österreich firmiert, hätte es Gelegenheit gegeben, auch diese Sportler zur Namensaufgabe zu zwingen. Ob es Anstrengungen in diese Richtung gab, ist allerdings nicht bekannt.

Auf Schmitt kommt demnächst die nächste unangenehme Aufgabe zu. „Ich darf unseren Sponsoren jetzt mitteilen, dass wir die mit ihrer Hilfe angeschaffte Kleidung mit dem Logo nicht mehr verwenden dürfen. Bis zum Jahresende müssen wir alles vernichten“, sagt er. Doch den begeisterten jungen Basketballern zuliebe will er nicht aufgeben. Blaue Bullen geben sich schließlich nicht so leicht geschlagen.

Dorothea von Dahlen/LN

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