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Schleswig-Holstein 135 junge Seeadler flügge – doch es lauern neue Gefahren
Nachrichten Schleswig-Holstein 135 junge Seeadler flügge – doch es lauern neue Gefahren
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18:06 15.10.2019
Ein Seeadler gleitet durch die Lüfte. In Schleswig-Holstein gab es 2019 alleine 108 Brutpaare. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Schleswig/Eutin

Der Bestand an Seeadlern in Schleswig-Holstein erholt sich immer mehr. Doch den majestätischen Fliegern drohen jetzt neue Gefahren. Ausgerechnet die vermeintlich umweltfreundlichen Windkraftanlagen und der Zugverkehr dezimieren den Bestand, warnt der Naturschutzbund Nabu.

135 flügge Jungtiere erhoben sich in die Lüfte

Es ist eine Rekordmeldung, die die „Projektgruppe Seeadlerschutz“ dieser Tage verlautbaren konnte. 135 Seeadlerjungen seien in diesem Jahr von Ende Juni bis Anfang Juli flügge geworden. Dabei galten die Vögel in Deutschland vor wenigen Jahrzehnten schon als fast ausgestorben. In Schleswig-Holstein etwa brüteten gerade mal noch vier Paare. 2019 gab es 108 brütende Seeadlerpaare. 87 davon waren erfolgreich. Im Schnitt machten sie 1,56 Jungtiere groß. 2018 brüteten 103 von 112 Paaren, 77 mit Erfolg. Es gab am Ende 133 flügge Jungtiere.

DDT-Abstinenz rettete den Wappenvogel

„Das ist ein toller Erfolg für den Naturschutz, wie wir ihn in anderen Bereichen leider nicht haben“, sagt Schleswig-Holsteins Nabu-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski. Möglich machten ihn vor allem geänderte Rahmenbedingungen. So werde das Pflanzenschutzmittel DDT nicht mehr verwendet, das seit den 70er Jahren am Ende der Nahrungskette viele Greifvögel umbrachte. Die Akzeptanz des Vogels sei allgemein gestiegen und die Tiere selber hätten mit der Zeit ihre Scheu vorm Menschen verloren. Sie seien auch an den Brutplätzen nicht mehr so empfindlich, würden die Brut bei Störungen längst nicht mehr so schnell verlassen.

Windkraftanlagen und Züge werden weiter zur Todesfalle

Gerade für Jungvögel würden allerdings Windkraftanlagen immer häufiger zur Todesfalle werden, warnt Ingo Ludwichowski. Und das gelte für alle Greifvogelarten. Die Seeadler-Population sei bei einzelnen Verlusten jetzt zwar nicht mehr so in ihrer Existenz bedroht wie früher. Der Bestand etwa des Rotmilans aber nehme dort „drastisch ab, wo es Windkraftanlagen gibt“, sagt der Nabu-Mann. In Brutgebieten, beim Seeadler vor allem in den Kreisen Plön und Herzogtum Lauenburg, sollten solche Rotoren daher weiterhin nicht errichtet werden dürfen. Leider gebe es von Windbranche und Politik derzeit die Tendenz, diesen Schutz aufzuweichen.

Ein Seeadler, unser Wappentier, einer der größten Greifvögel in Deutschland – Windkraftanlagen und Züge werden seinem Nachwuchs immer öfter zum Verhängnis, sagt der Naturschutzbund Nabu. Quelle: Stefan Sauer/dpa

Ein großes Problem für die Vögel sei zudem, dass die Bahn immer mehr hohe Bäume entlang ihrer Schienen fällt – um zu verhindern, dass die Gleise blockiert sind, wenn Bäume bei Sturm auf die Gleise stürzen. „Diese hohen Bäume verhindern nämlich, dass die Greifvögel die Gleise niedrig überfliegen und von Zügen erfasst und getötet werden“, sagt Ludwichowski. Erst vor wenigen Tagen etwa sei bei Preetz ein junger Seeadler auf diese Art zu Tode gekommen. Kurz zuvor waren dort hohe Pappeln in Gleisnähe gefällt worden. „Die Bahn sollte dazu übergehen, die Bäume nur zu köpfen“, sagt der Naturschützer.

Minister-Dank an ehrenamtliche Helfer

Insgesamt gab es 2019 in Schleswig-Holstein 118 besetzte Seeadlerreviere, rechnet die Projektgruppe vor. Im Vergleich zu 2018 gab es sechs Neuansiedlungen, von denen drei Paare erfolgreich gebrütet haben. Die meisten Seeadlerpaare leben demnach im Kreis Plön (25), gefolgt von den Kreisen Rendsburg-Eckernförde (18) und Ostholstein (16). „Vor 50 Jahren galt der Seeadler in Schleswig-Holstein als vom Aussterben bedroht.

Partnerwechsel mindert den Bruterfolg

Was damals undenkbar schien, ist nun aber eingetreten: Die Population hat sich bestens erholt“, sagt auch Kiels Grüner Umweltminister Jan Philipp Albrecht. Sein Dank gelte der Projektgruppe Seeadlerschutz „und vielen ehrenamtlichen Bewachern der Horste“. Tatsächlich wurden in diesem Jahr nur in einem Revier durch Menschen verursachte Störungen rund um den Horst als mögliche Ursachen für den Abbruch der Brut registriert. Ein Horst stürzte bei Sturm ab. In anderen Revieren seien aber schlicht Paar-Probleme die Ursache dafür gewesen, dass nicht mit der Brut begonnen wurde, heißt es – die Vögel vollzogen kurz vorher noch schnell einen Partnerwechsel.

Der Bestand an Seeadlern hat sich dank intensiver Schutzmaßnahmen in Schleswig-Holstein erholt, nachdem Ende der 1960er nur noch vier Brutpaare hier lebten.

Von Wolfram Hammer

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