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Schleswig-Holstein Religionsunterricht: Fachfremde Lehrer nicht erwünscht
Nachrichten Schleswig-Holstein Religionsunterricht: Fachfremde Lehrer nicht erwünscht
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09:52 25.09.2019
Von Ulf Billmayer-Christen
Im vergangenen Schuljahr haben in Schleswig-Holstein 170.000 Schüler den Religionsunterricht besucht. Quelle: Friso Gentsch
Kiel

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass zahlreiche Religionslehrer hinwerfen. Das Schulministerium will die Entwicklung beobachten und gegebenenfalls „nachsteuern“.

Nordkirche gibt klare Vorgaben

Die Nordkirche begründet die neue Regelung mit dem Recht aller Schüler „auf eine authentische religiöse Bildung“. Auf der sicheren Seite sind Lehrkräfte, die Theologie studiert und eine kirchliche Beauftragung (Vokation) in der Tasche haben. Die Zahl solche Lehrkräfte reiche aber oft nicht aus, um den Religionsunterricht nach Stundentafel zu erteilen, berichtet Kirchensprecher Stefan Döbler. In der Praxis würden deshalb viele Schulen fachfremde Kräfte ohne Vokation einsetzen.

Einen Kommentar von Ulf Christen lesen Sie hier.

Genau diese Gruppe nimmt die Nordkirche ins Visier. Sie sollen erstens ihre Mitgliedschaft in einer evangelische Kirche nachweisen und sich zweitens fortbilden. Wer bereits mindestens zwei Jahre ohne Segen der Kirche im Einsatz ist, soll einen achtstündigen Vokationstag besuchen. Lehrkräfte ohne Praxis sollen eine Fortbildung im Umfang von 30 Stunden absolvieren. Geschieht das bis Mitte 2022 nicht, dürfen sie keine Religionsstunde mehr geben.

Praxisferne Sichtweise

Die Vize-Landesvorsitzende der GEW, Katja Coordes, schüttelt über „die praxisferne Sichtweise“ der Kirche den Kopf. Fachfremder Unterricht sei gerade an den 400 Grundschulen in Schleswig-Holstein Alltag, weil es an Lehrkräften für Mathe, Englisch, Musik oder eben Religion mangele. „Ich gehe davon aus, dass viele fachfremde Religionslehrer sich nicht fortbilden wollen“, sagt Coordes. Und: Kein Schulleiter könne eine Lehrkraft zwingen, Religion zu unterrichten oder sich in einem Kirchen-Institut fortbilden zu lassen. Die Gewerkschafterin erwartet deshalb, dass die Kirche mit ihren neuen Vorgaben den Mangel an Religionslehrkräften verschärft und nebenbei eine ganz andere Debatte anstößt. „Wir müssen prüfen, ob es eine Alternative zum Religionsunterricht gibt.“

Religionsunterricht: Fachlehrer fehlen

Bei einer solchen Alternative war Schleswig-Holstein bundesweit Vorreiter. Seit 2010 können Schüler bereits in der Grundschule zwischen Religion und Philosophie wählen. Allerdings fehlen auch hier Fachlehrer. Im Wettstreit liegt Religion weiter vorn. Im vergangenen Schuljahr haben in allen Schularten in Schleswig-Holstein rund 170000 Schüler (etwa 62 Prozent) den Religionsunterricht besucht und wurden von gut 4000 fachkundigen wie fachfremden Lehrkräften unterrichtet.

Schulministerin Karin Prien (CDU) verweist auf den Staatsvertrag mit der evangelischen Kirche. „Der Vertrag regelt klar die Kompetenz der Kirchen, Voraussetzungen zu definieren, unter denen Lehrerinnen und Lehrer Religion unterrichten dürfen, wenn sie kein theologisches Studium haben.“ Die neue Regelung mit der Übergangsphase sei ein guter Rahmen, damit fachfremde Lehrkräfte auch weiterhin Religionsunterricht erteilen dürfen.

Ganz sicher, dass die Rechnung der Kirche aufgeht, ist sich die Ministerin aber offenbar nicht: „In der Übergangsphase bis 2022 werden wir beobachten, ob das neue Verfahren gut angenommen wird und ob wir gegebenenfalls nachsteuern müssen.“

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