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Schleswig-Holstein Renate Paul kämpft für abgeschobene Familie
Nachrichten Schleswig-Holstein Renate Paul kämpft für abgeschobene Familie
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00:01 12.12.2012
Von Sarah Dettmer
Renate Paul: couragiert im Einsatz für Flüchtlinge. Quelle: Philipp von Dithfurth
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Hoya

Eine ausgeprägte soziale Ader hatte Renate Paul schon immer. Sie arbeitet im Kirchenvorstand, leitet ehrenamtlich die Diakonie und die Sozialstation im niedersächsischen Hoya. Seit kurzem engagiert sich die 61-Jährige auch in der Jugendarbeit. Paul liebt die Herausforderung, rumsitzen ist nicht ihr Ding. Sie sei kein „Kaffeeklatsch-Häkel-Typ“. „Ich muss einen Sinn in dem sehen, was ich tue.“

 Das Leben habe es stets gut mit ihr gemeint, deshalb sehe sie es als ihre Pflicht an, Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Wenig verwunderlich erscheint da Pauls hingebungsvoller Einsatz im Abschiebedrama um die Hoyaer Familie Nguyen. Diese war im November 2011 nach 19 Jahren in Deutschland nach Vietnam abgeschoben worden. Nur die damals 20-jährige Tochter hatte bleiben dürfen. Die Vorgehensweise der Behörden hatte in Niedersachsen breite Empörung hervorgerufen, weil die Familie in Hoya gut integriert war. Dank des Einsatzes zahlreicher Unterstützer aus dem gesamten Ort, konnten Vater, Mutter sowie deren ein und neun Jahre alten Kinder nach vier Monaten nach Deutschland zurückkehren.

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 Bei Paul liefen während dieser Zeit die organisatorischen Fäden zusammen. Sie führte Telefonate, schrieb Briefe und E-Mails, vereinbarte Treffen mit Behörden. Eine schwere Zeit, in der sie viele Rückschläge in Kauf nehmen musste. Doch Paul ließ sich nicht unterkriegen. „In einer solchen Situation entwickelt man Biss, Hartnäckigkeit und Ehrgeiz“, sagt die 61-Jährige. Jeden zweiten Tag rief sie in Vietnam an und gab den Nguyens Anweisungen, um an Visa und Pässe zu gelangen. Mit „Gefühlsduselei“ kann die 61-Jährige nicht viel anfangen, sie wollte ihre Freunde vielmehr stärken und aus ihrer Lethargie herausholen.

 Das Erlebte hat Paul und die Nguyens zusammengeschweißt. Die Freundschaft, die bereits vor der Abschiebung bestand, ist heute umso enger. „Wir sehen uns alle zwei Wochen und natürlich zu Geburtstagen“, sagt die Kirchenvorsteherin. Dann gebe es immer leckeres vietnamesisches Essen in rauen Mengen. Vater Tuong koche leidenschaftlich gern und viel. So viel, dass Paul oft mit tütenweise Frühlingsrollen bepackt nach Hause geht.

 „Sie wollen mir immer noch zeigen, wie dankbar sie sind, aber für mich brauchen sie das nicht“, sagt Paul. Den Vorschlag, ihren Garten zu pflegen, habe sie dankend abgelehnt. Gern habe sie aber zugestimmt, als Tuong Nguyen anbot, für Kinder aus Weißrussland, die zu Besuch in der Kirchengemeinde waren, zu kochen.

 Eines steht für Paul fest: Trotz der vielen Höhen und Tiefen, die sie durchmachen musste, um der Familie zu helfen, hat sie bis heute nichts bereut. „Ich würde das alles genauso wieder tun“, sagt die Hoyaerin.

Bis zum Freitag stellen wir ihnen alle Kandidaten für die Wahl zum Helden des Jahres 2012 vor. Ab Sonnabend, 15. Dezember, können Sie dann ihre Stimme für ihren Favoriten abgeben.

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