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Schleswig-Holstein Fibromyalgie-Patienten im Austausch
Nachrichten Schleswig-Holstein Fibromyalgie-Patienten im Austausch
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11:35 04.02.2019
Von Niklas Wieczorek
"Was hilft bei Fibromyalgie?" Das fragten sich rund 450 Patienten und deren Angehörige und Begleiter – und füllten am Sonnabend den Audimax der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Wenn Sarah Thomsen aus Rieseby von ihrer Fibromyalgie berichtet, hört die 30-Jährige oft: "Es kann doch nicht so schlimm sein: Geh doch einfach los." Doch nicht nur gegen das Losgehen wehrt sich ihr Körper. Die Schmerzen können morgens an einer anderen Stelle als abends auftreten.

Patienten werden sie nie los. Fibromyalgie ist chronisch. Sarah Thomsen war mit zwölf Jahren zum ersten Mal deswegen beim Orthopäden: "Da wusste ich ja nicht, was los ist", sagt sie. Auch ihre Mutter Karin leidet seit 2006 an Fibromyalgie.

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Unterstützung und Aufklärung

Beide erhofften sich am Sonnabend Information, Unterstützung und Aufklärung: Mit vier Fachvorträgen zu Verhalten, Ernährung, traditioneller chinesischer Medizin sowie Cannabis erläuterten Wissenschaftler und Fachärzte, was Patienten tun können. Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion mit Betroffenen und Ärzten.

Eingeladen hatte die Rheuma-Liga Schleswig-Holstein, deren Schatzmeisterin Gerda Fröhlich sagte: "Heute sind überwiegend die Patienten hier, die sich seit Jahren Mühe geben, in eine Behandlungsschiene hereinzukommen." Leicht sei das aber nicht.

Viel Eigenleistung gefordert

Das liegt einerseits daran, dass die etwa 15 internistischen Rheumatologen landesweit ausgelastet sind – ohne Überweisung müsse mit acht Monaten Wartezeit gerechnet werden – sondern auch, dass die Behandlung von Fibromyalgie viele Eigenleistung der Patienten erfordert.

Bewegung sollte nicht komplett vermieden werden, das soziale Umfeld und eine intakte Partnerschaft sei extrem wichtig – diese Ratschläge gab Dr. Reinhard Mario Fox aus Lübeck.

Nichtsdestotrotz erkannte er den Leidensdruck: In der Regel dauere es 8,5 Jahre, bis die Krankheit diagnostiziert ist. Bei 30 bis 80 Prozent der Betroffenen gehe sie mit psychischen Störungen einher.

"Mit Optimismus aus der Opferrolle"

Um mit diesem Krankheitsbild umzugehen, waren den Patienten im Audimax Ratschläge wichtig. "Was der Psychologe gesagt hat, ist entscheidend", sagte Maria Kettmann. Das eigene Empfinden bestimme den Umgang mit der Krankheit. Die 58-Jährige aus Quickborn sagte: "Man sollte nicht nur jammern, sondern mit Optimismus und Humor aus der Opferrolle herauskommen."

Informationen zu Angeboten der Rheuma-Liga finden Sie hier.

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