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Schleswig-Holstein Es geht nicht allein um den Transport
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09:09 03.07.2019
Von Christian Hiersemenzel
Kürzlich hatte sich der Agrarausschuss des Landtags mit dem Thema Rinderexporte befasst und Experten zur Anhörung eingeladen. Im Anschluss änderte auch die CDU-Fraktion ihren Kurs. Quelle: Eyesonanimals/Animalwelfare Foundation
Kiel

Die Tiere müssten unter klimatischen Bedingungen leben, für die sie vollkommen ungeeignet seien. Und das Personal habe oftmals „keine Ahnung“, wie man mit Rindern adäquat umgeht. „Da beginnt Tierschutz bereits.“ Vor allem aber würden die Rinder nicht nach europäischem Standard betäubt und geschlachtet.

Die Rinder erlebten das Schächten, bei dem mit einem großen Schnitt Blutgefäße, Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, damit das Tier möglichst vollkommen ausblutet, bei vollem Bewusstsein. „Der Todeskampf dauert bei einem schlechten Schnitt fünf bis zehn Minuten, weil die Blutzufuhr des Gehirns über das Rückenmark läuft und es die ganze Zeit weiter versorgt wird.“ Oftmals gebe es noch nicht einmal eine Fixierung. Dinter: „Das Tier wehrt sich, sodass ein sauberer Schnitt gar nicht möglich ist. Es ist ein Riesengesäbel. Das ist absolut zu verurteilen.“

CDU will Kreisen eine "politische Antwort" geben

Kürzlich hatte sich der Agrarausschuss des Landtags mit dem Thema befasst und Experten zur Anhörung eingeladen. Im Anschluss änderte auch die CDU-Fraktion ihren Kurs. Die Kreise bräuchten endlich eine politische Antwort. Rendsburg-Eckernförde hatte im Februar Rindertransporte in Drittländer gestoppt, weil dort noch nicht einmal Mindeststandards eingehalten würden – und bezweifelt, dass es ernsthaft darum gehe, die Zucht hochleistender Tiere aufzubauen. Kreisveterinärin Manuela Freitag merkte in unserer Zeitung an, dass Marokko und Algerien „seit zig Jahren“ solche Tiere importierten. „Eigentlich müssten dort zahlreiche Tiere gehalten werden. Aber das ist nicht der Fall. Die Anzahl der Tiere sinkt, die Zahl der Schlachtungen nimmt zu.“

Schlachtungen laufen hohen deutschen Standards zuwider

Die Fachleute hätten den Abgeordneten „glaubhaft dargelegt, dass die Haltung und spätere Schlachtung häufig unseren hohen deutschen Tierschutzanforderungen zuwiderlaufen“, stellte der Unions-Agrarexperte Heiner Rickers fest. Da sich die Tiertransportgenehmigungen der Kreise ausschließlich auf Transportstandards beschränken müssten, seien Veterinäre gezwungen, auch weiterhin entsprechende Papiere auszustellen. Jamaika unterstütze die Forderung, „Transportgenehmigungen zu versagen, wenn nicht sichergestellt ist, dass am Zielort mit den Tieren vernünftig umgegangen wird“. Das Thema dürfe auf Bundes- und EU-Ebene nicht länger verschleppt werden. Einstweilen seien Landwirte angehalten, von Exporten außerhalb der EU freiwillig abzusehen.

FDP regt zertifizierte Betriebe an

Zumindest in diesem Punkt rückte der Koalitionspartner FDP von der CDU gestern ab. „Wir brauchen klare und rechtssichere Standards des Bundes und der EU, aber keine freiwillige Selbstverpflichtung der Landwirte“, sagte der Abgeordnete Oliver Kumbartzky. Er regte stattdessen an, Unternehmen nach EU-Standards zu zertifizieren. „Landwirte können die Bedingungen in Drittländern nur schwer überprüfen, das ist Aufgabe staatlicher Stellen.“ Diesen Punkt unterstützt auch der Landesbauernverband. „Der Staat muss selbst genau hinschauen und darf sich nicht auf Tierschutzverbände verlassen“, sagte Vizepräsident Klaus-Peter Lucht.

Rinderzucht-Verband spricht von "Top-Betrieben" in Marokko

Matthias Leisen, Geschäftsführer beim Verband Rinderzucht Schleswig-Holstein, warnte unterdessen vor Pauschalurteilen. „Ich maße mir nicht an, der Welt vorzuschreiben, was sie zu tun und was zu lassen hat. Das wäre Diskriminierung.“ Er kenne sowohl in der Türkei als auch in Marokko „Top-Betriebe“. Leisen reagierte auch auf den Vorwurf, dass es beim Zuchtvieh am Ende doch um Schlachtvieh gehe. „Liebe Leute, das ist alles Schlachtvieh.“ Jede Kuh lande nach ihrer Nutzung in der Milchproduktion in der Lebensmittelwirtschaft. „Das ist in Deutschland nicht anders – mal nach drei Jahren, mal nach zweieinhalb.“ 

Kommentar zum Thema: Christian Hiersemenzel zum Tiertransport

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