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Schleswig-Holstein CDU ruft Bauern zum Stopp auf
Nachrichten Schleswig-Holstein CDU ruft Bauern zum Stopp auf
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09:20 03.07.2019
Von Christian Hiersemenzel
Bislang fußen die Tiertransportgenehmigungen der Kreise ausschließlich auf den Standards beim Transport – wie in Marokko, dem Iran oder Ägypten mit den Rindern umgegangen wird, spielt keine Rolle. Quelle: Ulrich Perrey
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Kiel

Auch Zuchtrinder sollten nicht mehr in Drittländer exportiert werden. Bei Schlachtrindern ist der Export seit 2017 verboten. „Verantwortungsvolle Bauern wollen, dass es ihren Tieren gut geht“, sagte Rickers. „Das ist eine Frage der Ethik.“ Nicht nur der Transport müsse tiergerecht sein und überwacht werden. Auch die Haltung der Tiere beim späteren Empfänger sowie eine spätere Schlachtung müssten den hiesigen Grundsätzen entsprechen. „Wenn da Bedenken angebracht sind, sollte man auf ein vermeintlich gutes Geschäft lieber einmal verzichten. Es muss eine Selbstbeschränkung geben – auch in Schleswig-Holstein.“

SPD fordert eine gesetzliche Lösung

Rickers’ SPD-Kollegin Kirsten Eickhoff-Weber bezweifelte, dass die Tiere überhaupt zu Zuchtzwecken gekauft würden, und forderte eine gesetzliche Lösung. „Wir haben ein Deklarationsproblem. Kein Zuchtrind darf mehr in Drittländer exportiert werden. Schluss damit!“

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Rickers’ Vorstoß wird von der Landesregierung unterstützt. „Ich würde jede freiwillige Selbstverpflichtung seitens der exportierenden Unternehmen ausdrücklich begrüßen“, sagte Agrarminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Dies habe er im Februar bereits im Rahmen eines Spitzengesprächs angeregt – „leider mit wenig Resonanz“. Entscheidend sei daher ein Vorstoß der Länderagrarminister, die Anforderungen der EU-Tiertransportverordnung im Sinne des Tierschutzes zu verschärfen und in Abkommen mit den Zielländern bessere Kontrollmöglichkeiten und Mindeststandards zu verankern. Der Impuls stamme aus Kiel. „Nun muss Bundesagrarministerin Julia Klöckner handeln.“

Bauernverband lehnt Selbstbeschränkung ab

Schleswig-Holsteins Bauernverband lehnt eine Selbstbeschränkung ab. „Haltungs- und Schlachtbedingungen müssen den unseren irgendwann angeglichen werden“, räumte Vizepräsident Klaus-Peter Lucht ein. „Aber das ist politisch von der EU zu lösen und nicht auf dem Rücken der Landwirte. Wenn wir nicht liefern, werden das andere machen.“ Als Beispiel nannte Lucht Brasilien.

Nach Angaben des Verbandes Rinderzucht wurden im vergangenen Geschäftsjahr etwa 2500 Zuchtrinder aus Schleswig-Holstein in problematische Drittstaaten exportiert. Dazu gehören die Türkei, Jemen, Libanon, Marokko, Algerien, Ägypten, Aserbaidschan, Syrien, Jordanien, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan. Pro Tier erhalten Landwirte etwa 1300 Euro. Veterinäre kritisieren, dass die Exporteure die verschärften Bestimmungen in Schleswig-Holstein umgehen, indem sie über Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen ausweichen.

Kommentar zum Thema: Christian Hiersemenzel zum Tiertransport

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