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Schleswig-Holstein Virus-Alarm: Wie gut ist Schleswig-Holstein vorbereitet?
Nachrichten Schleswig-Holstein Virus-Alarm: Wie gut ist Schleswig-Holstein vorbereitet?
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12:17 25.01.2020
Von Heike Stüben
Isolierstation im UKSH: Steffen Ochs, Pflegerischer Teamleiter in der Inneren Medizin, Haus K3. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Das Gesundheitsministerium verfolgt die Entwicklungen zum Thema Corona-Virus sehr aufmerksam und ist diesbezüglich in engem Kontakt mit dem Robert Koch-Institut und den anderen Ländern“, sagt Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) in Kiel. Das RKI stuft das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland als gering ein. Das sieht auch Prof. Helmut Fickenscher, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel so.

Er tauscht sich regelmäßig in einer Bund-Länder-Gruppe zu dem Thema aus. „Die Situation kann sich allerdings täglich ändern“, betont Fickenscher und sieht als wahrscheinlichstes Einfallstor den Flughafen Frankfurt. „An allen großen Flughäfen legt man fest, wie mit Flugpassagieren umzugehen ist, die Symptome aufweisen. Auch das Personal in Krankenhäusern wird informiert“, sagt Fickenscher. In Schleswig-Holstein hält das Gesundheitsministerium die Kliniken über die Entwicklung auf dem Laufenden.

Auf Hygiene achten

Allein aufgrund der beginnenden Grippesaison sollte auf Handhygiene geachtet werden, bei Erkältungen immer in die Armbeuge niesen und husten. Erkrankungen mit dem neuen Corona-Virus verlaufen bei gesunden Menschen meist ohne auffällige Symptome oder mit milden grippeähnlichen Symptomen. Bei schweren Verläufen kommt es zu einer Lungenentzündung mit akutem Atemnotsyndrom.

Einige asiatische Länder testen Reisende aus China inzwischen auf Fieber, um infizierte Personen zu erkennen. Auch in Rom wurden 200 Flugpassagiere untersucht. Sie kamen direkt aus Wuhan, jener Elf-Millionen-Metropole, in der das neue Corona-Virus Ende Dezember erstmals auftrat: Besucher hatten sich auf einem Fisch- und Geflügelmarkt wahrscheinlich an Tieren infiziert. Von diesen Personen verbreitete sich das Virus in der zentralchinesischen Region von Mensch zu Mensch aus. Dort wurden inzwischen mehrere Städte mit insgesamt 43 Millionen Menschen abgeriegelt, Bus-, Bahn- und Flugverkehr wurden gestoppt, viele Sehenswürdigkeiten geschlossen. Bis Freitag wurden 900 Infektionen und 29 Todesfälle in China bestätigt. Durch Reisende aus dem Infektionsgebiet wurde das neue Corona-Virus in andere Länder verschleppt.

„Das Wichtigste in solch einem Fall ist es, die Betroffenen so schnell wie möglich zu identifizieren und dann sofort zu isolieren“, erklärt Fickenscher. „In Schleswig-Holstein waren wir auf solch eine Situation noch nie so gut vorbereitet wie heute. In den neuen UKSH-Zentralkliniken in Kiel und Lübeck sind Isolierungen räumlich deutlich besser möglich als bisher und es gibt eine optimale Ausstattung.“

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So stehen auf den Intensivstationen im neuen Kieler Zertralklinikum zehn Einzelzimmer als Isolierräume mit einer Schleuse zur Verfügung, erklärt Steffen Ochs, Pflegerischer Teamleiter im UKSH. Die Schleusen sind wichtig, damit sich das Personal dort umziehen anlegen und nach der Behandlung und Versorgung des Patienten sofort infiziertes Material und Schutzkleidung entsorgen kann. Nur so kann die Verteilung von Keimen und Viren auf der Station verhindert werden.

„Wir haben aus der Keimkrise 2014/15 gelernt“, sagt Steffen Ochs. Damals infizierten sich im UKSH in Kiel 31 Patienten mit dem multiresistenten Keim „Acinetobacter baumannii“. 19 Menschen starben. Damals konnten die Patienten mangels Kapazitäten nicht schnell genug isoliert werden. Seither werden in einem Interimsbau der Inneren Medizin 16 Isolationszimmer vorgehalten. „Käme es heute zu Corona-Infektionen, würden die Patienten in die Innere Medizin kommen und in diesen Isolationszimmern behandelt und versorgt werden“, sagt Steffen Ochs. „Diese Zimmer können wir dafür jederzeit kurzfristig bereitstellen.“

Fickenscher ist „vorsichtig optimistisch“, dass das neue Virus nicht so aggressiv wie das verwandte SARS-Virus ist. Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, ist dieser Meinung. „Wir gehen davon aus, dass nur wenige Menschen von anderen angesteckt werden können.“ Bisher hätten sich hauptsächlich Personen infiziert, die direkten, ungeschützten Kontakt mit Erkrankten hatten.

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