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Schleswig-Holstein „Wir brauchen heute Entscheidungen“
Nachrichten Schleswig-Holstein „Wir brauchen heute Entscheidungen“
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11:28 29.10.2014
Bjarne Matze, Leo Naujeck und Robert Habeck (v.r.). Quelle: Michael Kaniecki
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Kiel

Herr Habeck, meinen Sie, dass es den Klimawandel wirklich gibt, und wenn ja, ist er schon da?

Ja, es gibt ihn und es gab ihn auch schon immer. Das Problem ist, dass er jetzt besonders schnell kommt. Davor hatten die Menschen immer Zeit, sich anzupassen. Jetzt ist der Anstieg der Temperatur so schnell, dass wir Menschen uns nicht mehr rechtzeitig anpassen können.

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Müsste es nicht Energieverbrauchswandel heißen, denn es geht ja darum, dass die Menschen sich ändern müssen?

Das hast du völlig richtig erkannt. Wir machen bei der Energiewende den Umstieg auf erneuerbare Energien, also eigentlich den zweiten Schritt vor dem ersten. Es wäre natürlich eigentlich viel klüger, die Menschen würden weniger Strom verbrauchen. Das tun sie zwar auch, aber dafür gibt es auch immer wieder Neues – heutzutage haben beispielsweise alle ein Handy, vor 10 Jahren gab es das noch nicht.

Wie sparen Sie und die Landesregierung Energie?

Wir haben zu Hause schon ganz früh alle Glühlampen ausgetauscht, und ich habe bei allen Computern Steckdosen eingebaut, sodass man den Strom ausmachen kann und die Standby-Lampen nicht andauernd leuchten. Mit meinen Kindern – ich habe vier Jungs – streite ich mich dauernd, weil sie nicht immer das Licht ausmachen. Auch wenn wir ein Gerät neu kaufen, achte ich darauf, dass es wenig Strom verbraucht. Und die Landesregierung macht das auch, nur im großen Maß.

Was können wir Kinder tun?

Am besten führen die Kinder erst mal genau diese Diskussion mit ihren Eltern. Ich glaube, dass der Klimawandel so richtig krass kommt, wenn ihr erwachsen seid. Und krass heißt, dass wir dann wahrscheinlich Regionen haben werden, wo Wasser ein echtes Problem sein wird. Wir müssen den Menschen und anderen Politikern heute klar machen, dass ihr für euer Leben Entscheidungen haben wollt, sodass die Probleme irgendwie beherrschbar bleiben. Ihr müsst eure Eltern zwingen, solche Fragen zu beantworten. Und dann könnt ihr natürlich im privaten Bereich darauf achten, dass es Maßnahmen gibt, die das Klima schützen – wie beispielsweise das Pflanzen eines eigenen Schulwalds oder das Organisieren eines Spendenaufrufs.

Wenn Sie entscheiden könnten, wie sollten die Menschen dann elektrische Energie erzeugen?

Also, am liebsten möchte ich, dass die Menschen dann Strom verbrauchen, wenn es sehr viel davon gibt und die Sonne scheint. Das geht natürlich nicht immer. Wenn du eine elektrische Zahnbürste hast, kommt sie halt morgens um 7 Uhr zum Einsatz und nicht irgendwann. Aber bei vielen Geräten geht es auch anders: Wäschetrockner kann man auch nachts anmachen, wenn der Stromverbrauch allgemein sehr niedrig ist. Bei den erneuerbaren Energien ist es ja so: der Strom kommt immer in Wellen, da der Wind mal weht und dann wieder nicht. Und wenn der Wind weht, ist die Stromherstellung sehr groß. Dann müsste möglichst viel Strom verbraucht werden und dieser müsste auch unterschiedliche Preise haben. Im Moment zahlen eure Eltern für den Strom immer das gleiche, nämlich 22 Cent pro Kilowattstunde. Das müssen wir ändern! Wenn der Strom verschieden teuer ist, würde sich automatisch der Stromverbrauch anpassen und wir bräuchten weniger Kohle- oder Atomkraftwerke.

Wie stellen Sie sich das Jahr 2025 vor?

Ich glaube, dass wir noch ein paar Windkraftanlagen mehr in Schleswig-Holstein bauen, besonders Offshore-Anlagen im Meer. Bis dahin haben wir viele Autos mit Elektromotoren, die den Strom verbrauchen und wir haben keine Atom- und Kohlekraftwerke mehr in Schleswig-Holstein. Dann sind wir ein Land, das mit Wind- und Solarenergie die Versorgung sicherstellt.

Das Interview führten Bjarne Malze und Leo Naujeck, Klasse 7c, Humboldt-Schule Kiel.