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Schleswig-Holstein Robin F. saß 8 Tage unschuldig in Haft
Nachrichten Schleswig-Holstein Robin F. saß 8 Tage unschuldig in Haft
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14:00 21.03.2019
Von Bastian Modrow
Robin F. reiste als Zeuge nach Bamberg - und landete in Untersuchungshaft. Der Fall des 23-jährigen Kielers machte vor sechs Wochen bundesweit Schlagzeilen. Quelle: Privat
Kiel/Bamberg

Als Augenzeuge einer brutalen Schlägerei im Jahr 2017 war Robin F. Mitte Februar zu einem Strafprozess gegen zwei 23 und 29 Jahre alten Männer ins bayerische Bamberg gereist. Noch am selben Abend fand er sich in Untersuchungshaft wieder – wegen angeblicher Falschaussage und drohender Fluchtgefahr. Der Haftrichter hatte einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft zugestimmt. Ein Einzelfall war Robin F. – drei weitere Zeugen landeten in U-Haft.

Ermittlungen gegen neun Zeugen

Gegen insgesamt neun Personen leitete die Strafbehörde Ermittlungen ein. Der Vorwurf: falsche uneidliche Aussage und versuchte Strafvereitelung. „Uns liegen Informationen aus Whats-App-Verkehren vor, in denen sich Zeugen der körperlichen Auseinandersetzung vor ihrer Aussage abgesprochen haben, was vor Gericht gesagt werden sollte und was besser nicht“, argumentierte Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann im Februar gegenüber KN-online.

Robin F. war in keiner Whats-App-Gruppe

Fünf Wochen später kann Robins Anwalt bestätigen, was sein Mandant schon unmittelbar nach seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft beteuert hatte: „Robin ist nicht Mitglied dieser Whats-App-Gruppe gewesen und auch in der Ermittlungsakte finden sich dazu keine Anhaltspunkte“, sagt Jan Smollich. Abgesehen davon habe der Schleswig-Holsteiner die Täter und die übrigen Zeugen – mit Ausnahme einer jungen Frau, die er in Bamberg besucht hatte – auch gar nicht gekannt.

Der Jurist sagt, einen vergleichbaren Fall in mehr als 30 Jahren noch nicht erlebt zu haben. „Abgesehen davon, dass die Kopie der Akte offenkundig per Esel von Bayern nach Schleswig-Holstein transportiert wurde, so lang wie das gedauert hat, verstehe ich nicht, weshalb angeblich falsche Aussagen anderer Zeugen in den Unterlagen meines Mandanten zu finden sind“, berichtet der Anwalt.

„Echt heftig“ aber sei, dass sich die Angaben des 23-Jährigen vor Gericht nur in Nuancen von denen unterscheiden würden, die der Koch-Azubi Robin F. vor eineinhalb Jahren bei der Polizei gemacht hatte. „Das kann nach einem so langen Zeitraum schon einmal vorkommen und ist Alltag bei Prozessen in ganz Deutschland“, betont der Flensburger Anwalt.

Anwalt von Robin F.: "Haft war für meinen Mandanten traumatisierend!"

Der Kieler Robin F. kann sich zurzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Die Staatsanwaltschaft in Bamberg führt noch immer ein Strafverfahren gegen den Schleswig-Holsteiner. „Für ihn waren die acht Tage in Untersuchungshaft traumatisierend, er ist immer noch geschockt“, berichtet Smollich.

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Robin F. habe in der Justizvollzugsanstalt Bayreuth immer wieder geweint. „Dass er sich in der ersten Nacht bis auf die Unterhose entkleiden musste und in einer unbeheizten Zelle untergebracht wurde, grenzt an Beugehaft und den Versuch, ihn weichzukochen“, empört sich der Anwalt.

Anwalt will Entschädigung für acht Hafttage

Gewissheit haben Robin F. und seine Familie zumindest schon einmal in einem Punkt: Der Haftbefehl war unbegründet. „Das Landgericht teilt die Auffassung meiner Haftbeschwerde, dass weder Verdunklungs- noch Fluchtgefahr bestand. Die Kosten trägt der Freistaat Bayern“, berichtet Smollich.

Für die Hafttage will der Anwalt für seinen Mandanten zumindest die Entschädigung von 18 Euro pro Tag durchsetzen. „Überdies prüfen wir, ob wir Strafanzeige gegen den Staatsanwalt wegen Freiheitsberaubung im Amt erstatten“, kündigt der Strafverteidiger an.

Die Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bamberg waren seit Montag telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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