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Schleswig-Holstein Mutter darf ihren Sohn besuchen
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16:55 20.02.2019
Von Bastian Modrow
Als Zeuge sollte Robin F. in Bayern in einem Strafprozess aussagen. Jetzt sitzt er selbst seit einer Woche in Untersuchungshaft. Quelle: Privat
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Kiel/Bamberg

Die Staatsanwaltschaft Bamberg unterstellt dem Auszubildenden Robin F. aus Kiel, im Prozess als Zeuge falsche Angaben gemacht und sich angeblich mit einem anderen Zeugen abgesprochen zu haben.

Wegen möglicher Verdunkelungs- und Fluchtgefahr hatten die Ankläger erfolgreich einen Haftbefehl gegen Robin F. beantragt. Aus diesem Grund durfte auch die Mutter des Kielers, Juliana F., ihren Sohn bislang nicht besuchen.

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Das soll sich nun ändern: "Ich habe am Mittwoch um 16 Uhr einen Besuchsschein erhalten", sagte sie KN-online. Am Donnerstag will sie ihren Sohn mit dessen Freundin in der JVA Bayreuth besuchen.

Robin F. in Bayern in Haft: Hoffnung bei Familie und Freunden

Jetzt wächst die Hoffnung bei Angehörigen und Freunden, dass Robin F. möglicherweise bald freikommen könnte. "Wenn in dem Prozess die letzten Zeugen gehört worden sind, dürfte ja auch für die Staatsanwaltschaft keine Verdunkelungsgefahr mehr bestehen, so dass Robin frei kommen müsste", sagt Juliana F.

Die 51-jährige Lehrerin aus Flensburg ist seit Anfang der Woche in Bamberg, beobachtet heute den Verlauf des Prozesses. Sie gibt sich kämpferisch: "Ich bleibe so lange in Bamberg, bis Robin in meinem Auto sitzt und wir nach Hause nach Kiel fahren können."

Vierte Festnahme im Sandstraßen-Prozess in Bamberg

Am Mittwoch saß sie als Zuschauerin im Strafprozess: "Der Staatsanwalt hat eine weitere Zeugin festnehmen lassen wegen angeblicher Falschaussage. Man hat ihr die Worte im Mund umgedreht. Was ich hier erlebe, das lässt mich am Rechtsstaat zweifeln."

Kurzfristig wurde sie auch in den Zeugenstand berufen. Sie hatte in einem Fernsehinterview angedeutet, von Robin über die Ereignisse dieser Nacht telefonisch informiert worden zu sein. Juliana F. machte jedoch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Die Festnahme am Mittwoch ist die mittlerweile vierte Verhaftung im laufenden Sandstraßen-Prozess von Bamberg. Auch der Zeugin wirft Staatsanwalt Otto Heyder uneidliche Falschaussage vor. Die Frau hatte laut "infranken.de" unter anderem in ihrer ersten Aussage vor der Polizei verschwiegen, dass sie nach den Gewalttaten in den Morgenstunden des 30. Juli 2017 noch einmal zum Tatort zurückgekehrt ist, was auch ein Überwachungsvideo belegt. Am Donnerstag soll sie dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Staatsanwaltschaft Bamberg prüft, ob Verdunkelungsgefahr weiter besteht

Ob die von der Staatsanwaltschaft befürchtete Verdunkelungsgefahr mit der letzten Zeugenaussage erlischt, "das wird ein Sachbearbeiter prüfen", sagte Matthias Bachmann von der Staatsanwaltschaft Bamberg auf Anfrage von KN-online. Unterdessen hat der Anwalt von Robin F. rechtliche Schritte gegen die Inhaftierung eingeleitet.

Lesen Sie auch:Anwalt von Robin F. spricht von Justiz-Willkür und Freunde von Robin F. demonstrieren in Kiel für Freilassung

Niklas Wieczorek 20.02.2019
Frank Behling 20.02.2019