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Schleswig-Holstein Lichtmanagement macht Windräder teuer
Nachrichten Schleswig-Holstein Lichtmanagement macht Windräder teuer
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12:25 11.06.2019
Von Anne Holbach
Das rote Warnlicht an Windrädern soll nicht mehr die ganze Nacht leuchten, sondern nur noch dann, wenn Flugzeuge darüber fliegen. Quelle: Jens Büttner
Kiel/Berlin

Die Bundesregierung hat im Energiesammelgesetz festgelegt, dass Windanlagen bis Mitte 2020 eine „bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung“ – kurz BNK – haben müssen. Das Warnlicht soll nur dann angehen, wenn sich wirklich ein Flugzeug oder ein Hubschrauber nähert. Der Landesverband Windenergie hält die Umsetzungsfrist für unrealistisch.

Radar-Systeme sind teuer, Transponder-Lösung nicht erlaubt

Rechtlich zugelassen sind bis jetzt nur Radar-Lösungen. Laut Umfragen des Wirtschaftsministeriums in Berlin kostet deren Installation rund 100.000 Euro pro Anlage.

Deutlich günstiger wäre es Transpondersignale zu nutzen, die durch günstige Antennen empfangen werden können. Dafür müssten Betreiber nur etwa 30.000 Euro in die Hand nehmen. Obwohl das System aber schon über Jahre in Wiemersdorf (Kreis Segeberg) in einem Feldversuch erprobt wurde, ist es wegen Sicherheitsbedenken derzeit nicht erlaubt.

Bundesregierung hat Gutachten in Auftrag gegeben

Weil Luftfahrzeuge im taktischen Flugbetrieb unerkannt bleiben sollen, sind Polizei und Verteidigungsministerium skeptisch. Ihre Sorge: Bei der Transponder-Lösung könnten Flugspuren nachverfolgt werden.

Aktuell wartet die Regierung auf ein Gutachten mit Sicherheitsbewertung, heißt es in einer Antwort von Energiestaatsekretär Andreas Feicht auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Betreiber rüsten nur zögerlich um

„Die Unsicherheiten rund um den Transponder führen dazu, dass einige Betreiber nur zögerlich in die Umrüstung gehen“, sagt Jana Lüth, Sprecherin des Bundesverbands Windenergie (BWE) in Schleswig-Holstein.

Dabei müssen sie bis in zwei Jahren für die bedarfsgerechte Befeuerung gesorgt haben, sonst bekommen sie für ihren eingespeisten Strom keine EEG-Marktprämie mehr ausgezahlt. Laut der Fachagentur Windenergie an Land müssen bundesweit knapp 17.500 Windanlagen nachgerüstet werden, davon 1830 in Schleswig-Holstein.

Nur in Mecklenburg-Vorpommern schon Pflicht

Bislang ist das Beleuchtungsmanagement in Deutschland freiwillig, nur in Mecklenburg-Vorpommern ist es schon seit vier Jahren verpflichtend. Schleswig-Holstein hat ein Anreizsystem etabliert, bei dem Betreiber neuer Anlagen weniger Ersatzgeld für die Eingriffe ins Landschaftsbild zahlen müssen, wenn sie BNK-Technik einsetzen.

Rund um Langenhorn (Kries Nordfriesland) sind schon seit 2015 die Windparks nachts dunkel, solange kein Flieger in der Nähe ist. Der Windparkentwickler Denker & Wulf aus Sehestedt hat im vergangenen Jahr angekündigt, bis 2021 sukzessive auf bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung umzustellen.

Ausnahmen nur für kleine Windparks

Das Energiesammelgesetz sieht vor, dass die Bundesnetzagentur nur im Einzelfall insbesondere für kleine Windparks Ausnahmen zulassen kann, wenn für diese die Nachrüstung wirtschaftlich nicht zumutbar ist.

„Die Kosten hängen natürlich stark von der Größe der Projekte ab“, sagt Lüth. Außerdem sei maßgeblich, wie viele Anlagen in einem Park von einem Radar erfasst werden können.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass sich die Kosten für die Stromerzeugung bei neuen Anlagen um weniger als 0,08 Cent pro Kilowattstunde erhöhen, bei bestehenden um bis zu 0,4 Ct/kWh.

Verband: Frist im Jahr 2020 ist nicht zu halten

Die Frist zum 1. Juli 2020 nennt der BWE sehr ambitioniert. Sie sei angesichts einiger offenen Fragen nicht zu halten. Im Gesetz heißt es beispielsweise, die Pflicht könne „durch eine Einrichtung zur Nutzung von Signalen von Transpondern von Luftverkehrsfahrzeugen erfüllt werden“.

Reicht Umrüstung auf Transponder-Systeme?

Damit bleibe unklar, ob eine Umrüstung auf Transponder-Systeme ausreiche, um den Förderanspruch nicht zu verlieren, so Lüth, auch wenn die Technik noch keine Zulassung habe.

Dagegen spricht die Antwort Feichts auf die Grünen-Anfrage: „Die entsprechende Pflicht kann nur mit Systemen erfüllt werden, die auch luftverkehrsrechtlich zugelassen sind.“

Die Bundesnetzagentur kann die Frist verschieben, sofern am Markt nicht ausreichend technische Einrichtungen verfügbar sind. Der Verband setzt sich für eine Verlängerung ein. Ein entsprechendes Schreiben an die zuständigen Ministerien sei schon verfasst.

Diese technischen Möglichkeiten gibt es

Bislang gibt es auf dem Markt zwei von der Flugsicherung zugelassene Systeme: Ein Aktivradar-System (im Bild) sendet elektromagnetische Impulse, die von Flugzeugen reflektiert werden. Aus den Echos kann die Flugroute errechnet werden und das Warnlicht angeschaltet werden, wenn sich eine Maschine nähert. Hierfür wird aber eine Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur benötigt. Angeboten wird das System von Dark Sky (Airspex) und Quantec.

Passivradar-Systeme wie von Parasol nutzen vorhandene Fernseh- und Mobilfunkwellen. Befindet sich im Luftraum ein Flugzeug, werden die Reflexionen deren Signale erfasst, um zu ermitteln wie es sich nähert. Das System wird beispielsweise im Windpark Reußenköge eingesetzt.

Bislang nicht erlaubt sind Transponder-Systeme. Viele Flugzeuge haben an Bord einen Transponder, der mindestens alle 0,8 bis 1,2 Sekunden Signale versendet. An den Windrädern können Empfangsgeräte installiert werden, die diese Signale empfangen, so dass die rote Beleuchtung bei Bedarf angeschaltet werden kann. Die Lanthan GmbH aus Bremen hat gemeinsam mit Enercon ein entsprechendes System entwickelt.

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