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Schleswig-Holstein Unter besonderer Beobachtung
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10:07 25.05.2020
Von Frank Behling
Die Korvette "Soobrazitelny" am Donnerstag mit einem „Heizergruß vor Fehmarn.
Die Korvette "Soobrazitelny" am Donnerstag mit einem „Heizergruß vor Fehmarn. Quelle: Frank Behling
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Kiel

Die wuchtige schwarze Rauchwolke aus dem Schornstein der Korvette „Soobrazitelny“ war am Vatertag auch an den Stränden Fehmarns mit bloßem Auge zu sehen. Was bei einer deutschen Korvette für einen Feueralarm gesorgt hätte, war bei der russischen Korvette der normale Start der Dieselmotoren zur Beschleunigung. Die „Soobrazitelny“ rauschte nach kurzem Stopp durch den Fehmarnbelt und dann durch die dänischen Meerengen zur Nordsee. Wenige Stunden später kehrte eine der modernen „Buyan M“-Korvetten von einer Nordsee-Patrouille zurück.

Russische Aktivitäten werden genau beobachtet

Die dauerhafte Präsenz von russischen Korvetten mit Marschflugkörpern in der Nordsee hat die Nato zur Kenntnis genommen. Der Befehlshaber der russischen Marine legte am Donnerstag auch gleich nach. Beim Festtag der Baltischen Flotte kündigte er den Neubau von sechs weiteren Korvetten für die Ostsee an. Gleichzeitig lobte er die Leistungen seiner Soldaten. 2019 habe die Ostseeflotte 120 Übungen auf See ausgeführt. Die Kriegsschiffe absolvierten fast 400 Schießübungen und Waffeneinsätze. Kriegsschiffe legten dabei 170000 Seemeilen zurück. Die Seepräsenz der Einheiten aus Kronstadt und Baltiysk stieg gegenüber 2018 um 15 Prozent auf 900 Tage.

War das Auslaufen der „Soobrazitelnyy“ am Donnerstag eine Ablösung für eine Einheit in der Nordsee? Die deutsche Marine äußert sich zu den Ergebnissen der eigenen Aufklärung nicht. Beobachtet werden die russischen Aktivitäten allerdings genau. Am Montag endet in Eckernförde die geheime Aufklärungsmission des U-Bootes „U 33“. Wo genau das deutsche U-Boot in den vergangenen zwölf Wochen war, unterliegt der Geheimhaltung. Bekannt wurde nur, dass es überwiegend in der Ostsee im Einsatz war und dabei auch vor die russischen Gewässer kam.

Verantwortung für die Sicherheit der Allianz

Die Erkenntnisse und Daten, die die 30 U-Bootfahrer dabei aufgenommen haben, wurden mit der Nato geteilt. Während des Einsatzes hatte die Marine das Boot dem maritimen Nato-Kommando Marcom in Northwood bei London unterstellt. Von dort werden alle Bewegungen der Seestreitkräfte der Nato zwischen der Arktis und dem Schwarzen Meer koordiniert.

„Wir tragen in der Ostsee besondere Verantwortung für die Sicherheit der Allianz. Unsere Partner erwarten von uns eine Führungsrolle“, sagt Flottillenadmiral Christian Bock (50), Kommandeur der Einsatzflottille 1 in Kiel. Zu seiner Flottille gehören die sechs deutschen U-Boote des 1. U-Bootgeschwaders. Die Ostsee sei die Verlängerung der Nordflanke des Verteidigungsbündnisses. „Für unsere Alliierten in Polen und im Baltikum ist die Ostsee eine Lebensader mit natürlichem Zugang“, so Bock.

Aufklärungsschiffe „Alster“ und „Oste“ auf der Ostsee

Deshalb steht auch die Beobachtung der Bewegungen der russischen Marine auf der Tagesordnung. Zum Auftrag der Marine gehöre es, zu wissen, wer sich wann, wo und mit welchen Absichten auf der Ostsee bewegt, erklärt Bock. Neben „U 33“ sind in den vergangenen Tagen auch die Aufklärungsschiffe „Alster“ und „Oste“ auf der Ostsee gesehen worden.

Unter besonderer Beobachtung stehen die U-Boot-Aktivitäten der russischen Marine. Derzeit befinden sich mehrere neue russische U-Boote in der Erprobung. Außerdem wurde im April das U-Boot „St. Petersburg“ von Murmansk in die Ostsee verlegt. „Eine der Hauptaufgaben der baltischen Flotte besteht darin, neue Kriegsschiffe und diesel-elektrische U-Boote zu testen, die von der United Shipbuilding Corporation in St. Petersburg gebaut wurden“, teilte der russische Marinebefehlshaber Admiral Nikolai Yevmenov gegenüber der Nachrichtenagentur Tass mit.

Heike Stüben 25.05.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 25.05.2020