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Schleswig-Holstein 458.938 Euro für Familien in Not
Nachrichten Schleswig-Holstein 458.938 Euro für Familien in Not
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12:00 13.06.2020
Von Christian Longardt
Medienhaus und Diakonie freuen sich über eine höchst erfolgreiche Kooperation: Claudine Klöhn, Leiterin Vertrieb und Marketing bei den KN (v. li.), Landespastor Heiko Naß, Christine Noack, Bernd Hannemann (alle Diakonie), Chefredakteur Christian Longardt und Lena Näthke (Diakonie) präsentieren die Spendensumme. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel/Rendsburg

„Wir sind überwältigt von diesem Ergebnis“, sagt Diakonie-Vorstand und Landespastor Heiko Naß. Die Spenden haben schon viele akute Sorgen verkleinert, sie sollen Familien mit Kindern nun aber auch langfristig durch schwere Zeiten helfen.

Die Corona-Krise habe enorme Belastungen für viele Familien gebracht, sagt der Landespastor. „Die Folgen werden in den nächsten Monaten immer deutlicher werden, sowohl die finanzielle Not als auch Zukunftssorgen oder Konflikte.“ Umso wichtiger sei es, dass dank der vielen Spenden schnell und unkompliziert geholfen werden könne.

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Durchschnittlicher Spendenbetrag von 137 Euro

Dass bei der Mitte April sehr kurzfristig zwischen unserer Redaktion und der Diakonie verabredeten Hilfsaktion am Ende 458.938 Euro zusammenkommen würden, hatten auch erfahrene Spendensammler der Diakonie nicht erwartet. „Sensationell“ nennt Bernd Hannemann, der fürs Fundraising verantwortliche Vorstand der Diakonie-Stiftung, das Ergebnis. Rechnet man zwei Großspenden im Gesamtvolumen von 200.000 Euro heraus, liegt der durchschnittliche Spendenbetrag bei 137 Euro – deutlich mehr als bei vergleichbaren Aktionen der Vergangenheit.

Auch für unsere Zeitung ist das Ergebnis ein Spendenrekord. „Diese Aktion hat die Menschen erreicht“, sagt Hannemann, und Pastor Naß ergänzt: „Wir danken allen Spenderinnen und Spendern von Herzen für diese unglaubliche Summe.“

50.000 Euro bereits ausgezahlt

Lena Näthke sitzt seit Wochen am eigens eingerichteten Diakonie-Spendentelefon, kennt die Nöte der Menschen also aus erster Hand. Viele hätten über Nacht ihre Arbeit verloren, erzählt sie. Anrufer schildern, dass sie ihre Miete oder Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, dass Ersparnisse mittlerweile aufgebraucht sind – und manchmal reicht es nicht einmal mehr für die Dinge des täglichen Bedarfs.

So wurden durch die „Corona-Familienhilfe“ unter dem Dach unseres Projekts #SHbleibtstark in den vergangenen Wochen Lebensmittelgutscheine im Wert von 25.000 Euro vor Ort verteilt, dazu kamen Gutscheine für Kinderkleidung und elektronische Geräte für insgesamt rund 5000 Euro. 44 Laptops wurden angeschafft, damit Kinder am digitalen Schulunterricht teilnehmen können. „Und täglich kommen neue Anfragen aus ganz Schleswig-Holstein“, berichtet Hannemann. Man habe „großzügig und schnell“ geholfen, aber auch immer die Anliegen geprüft. Insgesamt wurden seit Beginn der Aktion Hilfen in Höhe von rund 50.000 Euro ausgezahlt, weitere 15.000 Euro sind zugesagt.

Viele Anrufer seien wirklich verzweifelt, sagt Lena Näthke. „Die Leute hatten vor Dankbarkeit Tränen in den Augen, wenn sie Gutscheine bekommen haben, weil ihnen damit die erste Last genommen wurde“, berichtet Diakonie-Referentin Christine Noack. Die Spender wiederum hätten oft betont, dass sie Zeitung und Diakonie das Geld gern anvertrauten, weil es in der Region bleibe und man sicher sei, dass es auch wirklich ankomme.

Zwei Drittel für nachhaltige Projekte

Der Plan für die weitere Vergabe der Spenden sieht so aus: Etwa ein Drittel der Gesamtsumme will die Diakonie bis Jahresende für individuelle Hilfen verteilt haben. Rund zwei Drittel sollen in nachhaltige Projekte fließen. Als Beispiele nennt die Diakonie Freizeiten für Mütter und Kinder in Familienbildungsstätten, „ein kleiner Urlaub“ von den belastenden Situationen zu Hause; spezielle Lernangebote für Schüler aus benachteiligten Familien, um Rückstände aufzuholen; oder ein Nachmittagstreff, um Schüler „aufzufangen, bei denen daheim dicke Luft herrscht“. Pastor Naß: „Es geht nicht nur um die Bewältigung von Lerndefiziten, sondern darum, Orte zu schaffen, wo Schüler ihre Erlebnisse mit sozialpädagogischer Hilfe verarbeiten können.“

Denn wegen der ökonomischen Krise spitzten sich in vielen Familien die Konflikte zu. So wurde im Rahmen der Aktion in einem Fall einer Mutter und ihren Kindern durch die Anmietung einer Wohnung geholfen, um Schlimmeres – sprich: gewalttätige Übergriffe – zu verhindern (wir berichteten).

Langfristige Hilfen für Familien nötig

Die Diakonie richtet sich darauf ein, dass die Pandemie langfristige Hilfe für Familien nötig machen wird. So habe man die Planung von vornherein auf etwa zwei Jahre ausgelegt. „Die Situation wird sich in den nächsten Monaten verändern, aber für viele Familien wird sie nicht besser werden“, sagt Landespastor Naß. Und sein Kollege Hannemann verspricht allen Spendern: „Wir werden die Familien nicht allein lassen.“

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