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Schleswig-Holstein Stegner rechnet sich Chancen aus
Nachrichten Schleswig-Holstein Stegner rechnet sich Chancen aus
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11:00 21.08.2019
Von Christian Hiersemenzel
Ralf Stegner bewirbt sich gemeinsam mit Gesine Schwan um den Bundesparteivorsitz der SPD. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Herr Stegner, erst meldete sich keiner, und plötzlich ist das Personalangebot kaum noch überschaubar. Warum ist die Suche nach einer neuen SPD-Spitze so chaotisch?

Ralf Stegner: Ich weiß gar nicht, ob sie chaotisch ist. Wir haben eine zweimonatige Bewerbungsfrist, und die fällt in die Sommerpause. Man muss bedenken, dass in Bayern und Baden-Württemberg noch Ferien sind. Und zum ersten Mal wirft man nicht allein seinen Hut in den Ring, sondern in den meisten Fällen als Tandem. Privat habe ich meine Partnersuche vor über 30 Jahren glücklicherweise abgeschlossen, eine politische Partnersuche muss man neu lernen.

Das hat nichts mit Liebe zu tun.

Nein, Liebe ist für das Private reserviert. Da kommen also auch Leute zusammen, die sich nur ein bisschen kennen, aber nicht intensiv, weil man ja nicht jemanden aus seinem unmittelbaren Umfeld wählt.

Hier sehen Sie weitere Momentaufnahmen der Karriere von Ralf Stegner (SPD). 

Ausgerechnet am Freitag hat auch Finanzminister Olaf Scholz seinen Führungsanspruch angemeldet. War das Berechnung, um Ihnen in die Parade zu fahren?

Das müssen Sie ihn fragen. Wir haben am Freitag gesehen, dass allein unsere Bewerbung so viel Schwung ins Verfahren gebracht hat, dass es manche sehr hektische Darstellung gegeben hat. Ich lese jetzt von Konservativen, wen sie an der Spitze der SPD für geeignet halten. Das ist doll. Am Ende entscheiden aber unsere Mitglieder, und deshalb bin ich sehr fröhlich und entspannt.

Erst im Frühjahr haben Sie Ihren Chefposten der Nord-SPD abgegeben. Warum meinen ausgerechnet Sie, die Sozialdemokratie retten zu können?

Ich habe den Landesverband zwölf Jahre geführt. Das gab es in der Geschichte der SPD Schleswig-Holstein bislang nur ein einziges Mal, nämlich mit Günther Jansen. Ich habe mich aber nicht aus der Politik zurückgezogen und bin nicht auf dem Weg aufs Altenteil, sondern habe im Gegenteil noch eine Menge Power und Energie. Es braucht die Leidenschaft für die SPD, eine klare inhaltliche Position. Und ich bin jemand, der als stellvertretender Parteivorsitzender in den letzten Jahren in der ganzen Bundesrepublik sehr intensiv auch bei kleinen Parteiveranstaltungen unterwegs gewesen ist. Das braucht unsere Partei.

Sie wissen aber, dass Sie nicht gerade als Sympathieträger der SPD gelten.

Ich habe zum Teil hämische Kommentare gelesen. Die Häme im innerparteilichen Umgang sagt immer mehr über denjenigen aus, der sie äußert, als über den, dem sie gilt. Aber sie berührt mich nicht. Partei heißt parteilich sein – mit aller Leidenschaft und Kraft. Wenn man profiliert ist und führt, kann man es nicht jedem recht machen, das war nie mein Ziel. Aber wer mich auf mein heiteres Wesen reduziert, hat nur einen Teil meiner Persönlichkeit erfasst. Ich bin ein bisschen skeptisch gegenüber der PR-Entwicklung in der Politik: Das ist heute der Guttenberg, morgen der Lindner, übermorgen der Habeck, die fraglos gute PR machen. Aber Politik ist kein Produkt, das man verkauft wie Margarine oder Cabrios. Am Ende geht es um politische Substanz.

Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Ein solcher Wettbewerb ist etwas, womit man der Partei dient und bei dem man weiß, dass am Ende nur ein Team gewinnen kann. Fakt ist, dass Gesine Schwan und ich eher unterschätzt werden. Das würde ich als Vorteil betrachten.

Warum haben Sie Gesine Schwan als Tandem-Partnerin?

Sie ist eine der klügsten Frauen, die ich kenne. Sie hat zu manchen Kleinkariertheiten in der Politik eine angenehme Distanz. Und sie ist innerhalb der Partei über alle Grenzen hinaus respektiert. Sie hat den Seeheimer Kreis mitbegründet, kommt also eigentlich aus der konservativen Ecke, und ist heute links. Ich kenne sie seit vielen Jahren, wir harmonieren gut miteinander.

Ein 59-Jähriger an der Seite einer 76-Jährigen. Kann ein solches Tandem die SPD in die Zukunft führen?

Altersangaben sind biologisch und biografisch richtig, sagen aber ansonsten wenig aus. Wir sind ein richtiges Powerduett. Die SPD hat ein Durchschnittsalter von 61 Jahren. Und gerade deshalb müssen wir für Jüngere deutlich attraktiver werden. Erneuerung ist aber keineswegs, alles neu zu machen und alle Menschen über 50 aus den Ämtern zu vertreiben. Das Radikalste kann manchmal sein, darauf zu bestehen, dass das, was wir beschlossen haben, endlich geschieht! Keine Frage, dass zur Erneuerung in der Parteispitze auch jüngere Leute gehören, aber das Spitzenteam darauf zu reduzieren, fände ich verkürzt.

Soll die SPD die GroKo aufkündigen?

Diese Frage muss man daran messen, ob wesentliche Zukunftsfragen mit der Union noch gehen, zum Beispiel mit einer Grundrente, einem sozialverträglichen Klimaschutzgesetz oder deutschen Abrüstungsinitiativen. Die SPD darf sich nicht kleinmachen und über Koalitionen definieren. Die GroKo hat unsere Krise verschärft, aber sie ist nicht die Ursache. Gesine Schwan und ich sprechen uns für ein rot-rot-grünes Bündnis aus. Dafür müssen wir aber erst mal selbst wieder stark werden.

Sie fordern einen handlungsfähigeren Staat mit höheren Mindestlöhnen, einer Bürgerversicherung und einer starken öffentlichen Daseinsvorsorge. Haben Sie sich in der GroKo so wenig durchsetzen können?

Mit zuletzt 20 Prozent können Sie in einer Koalition nicht dieselbe Politik machen wie mit 40 Prozent. Man muss den Menschen sagen: Wenn ihr eine starke Sozialdemokratie wollt, müsst ihr uns auch wählen. Das Angebot von Gesine Schwan und mir ist eine deutliche Programmatik. Wir scheuen uns auch nicht zu sagen, dass wir die Vermögensteuer haben wollen und in der digitalen Zukunft eher eine 30-Stunden-Woche brauchen, damit Beruf und Familie vereinbar sind. Und wir wollen den Spitzensteuersatz auf 50 Prozent erhöhen. Die SPD muss Politik für die Vielen machen, nicht für die Mächtigen. Das geht nicht mit Kuschelkurs. Wir sind nicht die CDU in nett.

Den Spitzenjob trauen sich neben Ihnen noch zwei weitere Schleswig-Holsteiner zu.

Simone Lange kommt aus Thüringen, Nina Scheer aus Baden-Württemberg und ich aus Rheinland-Pfalz. Getroffen haben wir uns in diesem wunderbaren linken Landesverband, den zu führen ich zwölf Jahre die Ehre hatte. Dass sich diese Aufgabe mehrere zutrauen, ist doch eine gute Sache. Am Ende entscheiden die Mitglieder, was sie wollen.

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