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Schleswig-Holstein Toter Säugling: 35-Jähriger vor Gericht
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15:47 17.06.2019
Ab Montag muss sich ein 35-jähriger Mann aus Wilster vor dem Landgericht in Itzehoe verantworten. Er soll den zwei Monate alten Säugling seiner damaligen Lebensgefährtin misshandelt und zu Tode geschüttelt haben. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Itzehoe/Wilster

"Geschüttelt", sagte er, und wedelte heftig mit beiden Armen in der Luft: Geschüttelt habe er das Baby nicht. Er habe den kleinen Noah nur etwas doller auf seinem Bein geschaukelt, und auf den Rücken geklopft. Weil dieser sich beim Trinken verschluckt habe. Doch der Säugling machte kein Bäuerchen. Stattdessen wurde er "rot, schlaff, und sein Kopf knickte zur Seite", sagte der Mann am Montag. Das Baby habe aufgehört zu atmen. Mit Herzmassage und Mund zu Mund Beatmung habe er dann auf das Eintreffen der Rettungskräfte gewartet.

Jetzt sitzt der 35-Jährige in Untersuchungshaft. Er soll den kleinen Jungen tot geschüttelt haben, will die Staatsanwaltschaft beweisen. Sie hat den Schaustellergehilfen wegen Totschlags angeklagt. Ob er sich zu Unrecht im Gefängnis fühle, will der Staatsanwalt wissen. "Ja", sagte der Angeklagte. "Ich tue keiner Fliege etwas zuleide."

Angeklagter war nicht der Vater von Noah

Noah war nicht sein eigenes Kind. "Er heulte, als er das Ergebnis des Vaterschaftstests erfuhr", sagte Noahs Mutter vor Gericht. Er habe die Vaterschaft jedoch anerkennen wollen. Weil er seinen anderen Sohn mit einer anderen Frau kaum sah. "Der wird jetzt acht." Er habe das Kind nur dreimal im Jahr getroffen, wenn mit seinem Kinderkarussell auf dem Hamburg Dom war. Das sollte jetzt anders werden. Auch wenn er nicht von seinem Blut war, sollte Noah ein "Papa"-Kind werden, bestätigte auch Noahs Mutter.  Er wachte nachts auf, um dem Baby die Flasche zu geben, wechselte die Windeln, ließ Noahs Mutter kaum an ihr Kind heran.

"Ich wusste nicht, dass es lebensgefährlich ist, ein Baby kräftig zu schütteln", sagte er. Und immer wieder: "Ich habe das Kind nicht geschüttelt." Woher der Säugling blaue Flecken an Kopf und Brust hatte, wisse er nicht. Und eine Erklärung, wieso die Rippen des kleinen Babys gebrochen waren, habe er auch nicht, sagte der Angeklagte.  

Mutter verließ das Haus nur für kurze Zeit

Auch die Mutter wusste es nicht. "Noah konnte schon lächeln, aber nicht den Kopf selbst halten", erinnerte sie sich. Sie war keine zwei Stunden weg, als ihr kleiner Sohn am 16. November 2018 zu Tode geschüttelt wurde. Sie wollte gemeinsam mit ihren Kameraden vom Spielmannszug andere Kinder beim Laterne-Laufen begleiten. Als sie nach Hause kam, erwarteten sie die zuckenden Blaulichter von Notarzt und Rettungswagen. Während die Ärzte im Krankenhaus um das Leben des kleinen Noah kämpften, habe sie geweint. Der Angeklagte nicht. "Er saß da, als hätte er etwas Schlimmes gemacht", sagte sie vor Gericht. Am 20. November war ihr Sohn tot.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil könnte am 27. Juni fallen.

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Von dpa

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