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Schleswig-Holstein Immer weniger Schulen sind zu retten
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10:39 24.04.2019
Von Christian Hiersemenzel
Die Gemeinde Flintbek empfindet die Sanierungs- und Erweiterungskosten der Schule am Eiderwald als unverhältnismäßig hoch. Allerdings: Ein Neubau an anderer Stelle würde mit bis zu 36 Millionen Euro zu Buche schlagen. Quelle: Sven Janssen
Kiel

In Rendsburg ist die Statik der Herderschule gefährdet, Flintbek erscheint die Sanierung der Schule am Eiderwald unverhältnismäßig teuer, und Altenholz prüft, das 50 Jahre alte Schulzentrum neu zu bauen. Ähnliches erwägt Büdelsdorf mit seiner Astrid-Lindgren-Schule, in Heikendorf wurde bereits eine neue Gemeinschaftsschule eingeweiht. In Neumünster feierten die Handwerker gerade das Richtfest der Grundschule an der Schwale. Die Freiherr-vom-Stein-Schule und die Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld wurden komplett neu errichtet.

Kasseler Modell

Beim Landes-Gemeindetag ist dieser Trend bekannt. Sein Chef Jörg Bülow verweist darauf, dass eine Reihe von Schulen aus den 1960er und 1970er Jahren stammt und nach dem sogenannten Kasseler Modell geschaffen wurde. Die Konstruktionen aus Stahlbeton-Fertigteilen galten damals als das Nonplusultra, weil sie günstig und schnell hochgezogen werden konnten. „Jetzt sind die Gebäude stark sanierungsbedürftig und energetisch hochproblematisch“, sagt Bülow. Erschwerend kämen die geänderten Raumbedürfnisse für Fachunterricht, Nachmittagsbetreuung und Mensa-Betrieb hinzu.

Im vergangenen Jahr hatte das CDU-geführte Bildungsministerium die Schulträger aufgefordert, ihren Bedarf anzumelden. Laut Bülow beträgt das Volumen insgesamt 1,3 Milliarden Euro. „Das ist eine Riesensumme, der Nachholbedarf ist enorm. Die Kommunen waren lange unterfinanziert und mussten Sanierungsmaßnahmen vernachlässigen.“

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Derzeit Investitionsprogramme von 140 Millionen Euro

So viel Geld steht nicht einmal ansatzweise zur Verfügung. 140 Millionen Euro sind es derzeit aus dem kommunalen Investitionsprogramm des Bundes und Schleswig-Holsteins Infrastrukturprogramm Impuls, hinzu kommt Geld für die Sanierung von Schultoiletten. Um die vorhandenen Zuschüsse möglichst gerecht auf die Kreise zu verteilen und dabei auch die Schülerzahlen zu berücksichtigen, entwickelte das Landesgebäudemanagement (GMSH) mit Ministerium, Kommunen und Investitionsbank einen objektiven Kriterienkatalog. „Schluss ist, wenn das Geld ausgegeben ist“, sagt ein Sprecher des Bildungsministeriums. „Wichtig ist uns jedoch, das Geld nicht nach Gutsherrenart auszugeben. Es geht um Dringlichkeit.“ Die Entscheidung zwischen Sanierung und Ersatzbau könnten die Träger nunmehr im Zuge des Antragsverfahrens bei der Investitionsbank selbst treffen.

Beim Gemeindetag bleibt eine Sorge. „Ziel muss es sein, Strohfeuer zu vermeiden“, betont Jörg Bülow. Im Wesentlichen gebe es nur noch zwei Programme in der Abwicklung. „Wir brauchen aber auch noch in den nächsten Jahren Investitionszuschüsse des Landes. Sonst fallen viele Projekte unter den Tisch.“

SPD verweist auf weitere Kosten

Nach Auffassung der SPD dürften schulpolitische Vorhaben der Landesregierung weitere Baukosten nach sich ziehen. Der Bildungspolitiker Martin Habersaat verwies neben der geplanten Ausweitung von Ganztagsangeboten auf die Oberstufenreform mit ihrem Kurssystem. „Unterricht in Klassen spart Platz, Unterricht in kleineren Kursen kostet Platz.“ Auch stehe Lehrern mehr als ein halber Quadratmeter am Lehrerzimmertisch zu. Und bei Sport- und Schwimmstätten sollte es Förderungen geben, die am Bedarf orientiert sind. „Bisher orientieren sie sich an der Höhe der zur Verfügung gestellten Mittel.“ SPD-Finanzexpertin Beate Raudies verwies auf die Reform des kommunalen Finanzausgleichs. Die Landesregierung habe versprochen, für Schulbauten Lösungen zu finden. „An diesem Versprechen werden wir sie messen.“

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