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Schleswig-Holstein Sauerstoffmangel verursacht Todeszonen
Nachrichten Schleswig-Holstein Sauerstoffmangel verursacht Todeszonen
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11:27 24.07.2019
Von Heike Stüben
In der Kieler Förde zeigt sich eine deutliche Sauerstoffarmut bereits ab acht bis zehn Metern Tiefe. Quelle: Ulf Dahl
Kiel/Eckernförde

„Die anhaltend starke Überdüngung ist eine wesentliche Ursache für den dramatischen Artenschwund vor der Ostseeküste“, erklärte Manfred Santen von Greenpeace, der den Ostseereport vorstellte.

In der Eckernförder Bucht fällt der Meeresgrund steil auf 20 bis 24 Meter ab. Alle Bereiche mit einer Wassertiefe ab 15 Metern zeigten deutliche Sauerstoffarmut. Bei der flacheren Kieler Bucht war dies bereits ab acht bis zehn Metern der Fall.

20 von 33 untersuchte Stellen sind Todeszonen

Am Meeresgrund, bei etwa zwölf Metern und tiefer, lagen die Sauerstoffkonzentrationen unter einem Milligramm pro Liter – zu wenig für bodenlebende Organismen. Insgesamt wurden an 20 von 33 untersuchten Stellen Todeszonen gefunden. An acht weiteren Stellen war der Sauerstoff reduziert.

Gemessen wurde nicht nur in der Ostsee, sondern auch in den Zuflüssen. An der Schwentine-Mündung und der Einfahrt zum Nord-Ostsee-Kanal zeigten die Messungen von Nährstoffen wie Nitrat und Phosphat im September 2018 und Januar 2019 keine auffällig erhöhten Messwerte. Laut Greenpeace könnte dies an der langen Trockenheit liegen, durch die kaum Nährstoffe von Feldern in die Gewässer geschwemmt wurden.

Erhöhte Nitratbelastungen wurden hingegen in der Trave, der Kopendorfer Au auf Fehmarn, der Füsinger Au an der Schlei sowie der Mühlenau in der Hohwachter Bucht gemessen. Nachgewiesen worden seien auch eine große Zahl landwirtschaftlich genutzter Chemikalien.

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Multiresistente Keime in Flüssen und Seen

In knapp einem Drittel der untersuchten Proben aus Flüssen und Seen seien auch multiresistente Keime festgestellt worden – eine Folge von Antibiotika-Einsatz. Auch wenn es sich um Momentaufnahmen handele, seien es Alarmzeichen.

Multiresistente Keime in der Umwelt müssten dringend systematisch erfasst werden. „Multiresistente Keime und Nitrat gelangen bei der Ausbringung von Gülle in die Umwelt“, erklärte Santen und forderte einen strikteren Umgang mit Gülle.

„In belasteten Gebieten dürfen Stickstoff- oder Phosphor-Überschüsse im Boden nach der Düngung nicht mehr erlaubt sein. Insgesamt müssen Stickstoff-Überschüsse begrenzt, muss die Zahl der Tiere an die landwirtschaftlichen Betriebsflächen gekoppelt werden. EU-Agrarsubventionen dürfen nur noch an Betriebe fließen, die klima-, umwelt- und gewässerverträglich wirtschaften.“

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