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Schleswig-Holstein Steht im Norden der erste Wolf bald zum Abschuss?
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13:28 19.01.2019
Ein Wolf steht in seinem Gehege im Wildpark Eekholt. Quelle: Carsten Rehder/dpa (Symbolbild)
Bilsen/Kiel

 Schäfer Stefan Johannsen hat nachgerüstet. Zusätzlich zu seinem wolfssicheren Zaun hat er eine zusätzliche stromführende Litze in Höhe von 1,20 Metern bis 1,30 Metern gespannt. Sie soll einen Wolf davon abhalten, über den Zaun zu springen. Johannsen ist leidgeprüft. Zweimal in den vergangenen Wochen wurden hinter seinen wolfssicheren Zäunen in Bilsen (Kreis Pinneberg) und Umgebung Schafe gerissen. „Der Wolf ist über die Netze gegangen und hat zwei Schafe schwer verletzt, dass wir sie einschläfern mussten. Ein anderes haben wir behandelt“, sagt Johannsen. „Und beim zweiten Mal hatten wir zwei, drei tote Schafe.“

Ob tatsächlich ein Wolf der Verursacher der Risse war oder ein Hund, ist noch nicht zweifelsfrei erwiesen. Dies lässt das zuständige Umweltministerium derzeit untersuchen. Zweifelsfrei nachgewiesen wurde bisher nur in einem Fall, dass ein Wolf einen wolfssicheren Zaun überwand - Ende November in Westerhorn, rund 20 Kilometer von Bilsen entfernt. Der Verursacher ist bekannt: Ein männliches Tier, das aus Dänemark gekommen ist. Der Rüde hat bereits mehrfach Schafe außerhalb von wolfssicheren Zäunen gerissen. Im Schnitt legen Wölfe pro Nacht zwischen 20 und 50 Kilometer zurück.

Schutzzaun entspricht den Standards

Der Schutzzaun, den Johannsen gespannt hat, entspricht den Standards. „Wir haben hier eine Höhe von 1,05 beziehungsweise 1,08 Meter, die eigentlich ausreicht, um einen Wolf abzuhalten“, sagt der Koordinator der Wolfsbetreuer in Schleswig-Holstein, Jens Matzen. Er steht mit Johannsen in Bilsen am Zaun. Dahinter weiden rund 130 Schafe. Auch wenn die Höhe von einem Wolf locker überwunden werden könnte: „Normalerweise springt ein Wolf nicht über einen Zaun. Er versucht immer unten drunter durchzukommen“, erklärt Matzen. Wichtig sei aber, dass die Zäune immer Strom führen, damit der Wolf nicht üben kann, sie zu überwinden. Denn der Strom schrecke in der Regel ab.

Ein elektrisch geladener Wolfszaun steht an einer Schafweide. Hier gelang es einem Wolf bereits zweimal den Zaun zu überwinden und Tiere zu töten. Quelle: dpa

Wenn durch einen DNA-Nachweis nachgewiesen wird, dass ein Wolf im Kreis Pinneberg für weitere Risse hinter wolfssicheren Zäunen verantwortlich ist, hält Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) den Abschuss des Tieres für wahrscheinlich – es wäre der erste eines Wolfes in Schleswig-Holstein. Durch das Töten eines Problemwolfs solle im Sinne des Artenschutzes verhindert werden, dass „bestimmte Verhaltenspraktiken“ Einzug in die Population halten.

Derzeit leben nur zwei Wölfe in Schleswig-Holstein

Dass das falsche Tier getötet werden könnte, hält der Minister für unwahrscheinlich. Es gibt laut Ministerium ausreichende Hinweise, dass sich in dem Gebiet nur ein Wolf aufhält. Derzeit leben demnach nur zwei Tiere in Schleswig-Holstein. Der aus Dänemark stammende Wolf, der laut Matzen vor allem in den Kreisen Pinneberg und Steinburg unterwegs ist und ein weiterer, der öfters auch per Foto oder Video nachgewiesen wird, im Kreis Segeberg.

Jens Matzen (l), Koordinator der Wolfsbetreuung in Schleswig-Holstein, und Schäfer Stefan Johannsen stehen an einem elektrischen Wolfszaun an einer Schafweide. Quelle: dpa

„Dieses Tier ist völlig unauffällig,“ sagt Matzen. „Das ist noch für keinen Nutztierriss verantwortlich.“ Er vermutet, dass dieser Wolf aus dem Süden hochgewandert ist und vielleicht schon die Elterntiere negative Erfahrung mit Zäunen gemacht haben und diese an ihren Nachwuchs weitergegeben hat. Der Wolf aus Dänemark hatte dies von seinem Rudel wohl nicht gelernt. Der hatte „schon einiges auf dem Kerbholz“, bevor er nach Deutschland kam, sagt Matzen.

Schäfer nutzt seit fünf Jahren wolfssichere Zäune

Um zu verhindern, dass er sein Verhalten anderen Wölfen beibringt, dürfte das Einzeltier – sollte es für die Risse verantwortlich sein – geschossen werden, sagt Matzen. Stellen können einen solchen Antrag betroffene Tierhalter und möglicherweise auch Verbände. Schäfer Johannsen selbst würde das nie machen: „Ich bin doch nicht lebensmüde.“ Sein Enkel sei in der Schule mal verprügelt worden, weil er gesagt habe „der Scheiß-Wolf hat bei uns die Schafe gegessen“.

Johannsen benutzt seit fünf Jahren die wolfssicheren Zäune. Sie bestehen aus einem Netz und stromführenden Litzen. Damals war ein vorüberziehender Wolf schon einmal in seiner Herde, die hinter einem üblichen Litzenzaun stand. So ein Zaun hält zwar die Schafe davon ab, die Weide zu verlassen, bietet aber keinen Schutz gegen Hund und Wolf. „Damals hab ich ihm gesagt, ich glaub, es ist besser, du stellst das um“, sagt Matzen. Zunächst war Johannsen skeptisch, die erlernte Methode zu ändern, hat sich dann aber überzeugen lassen.

Schäfer denkt nicht ans Aufgeben

Er findet die stromführenden Netzzäune mittlerweile besser als die einfache Litze. „Du hast auch weniger Ärger mit den Hunden, und so viel mehr Arbeit ist das auch nicht“, sagt der Schäfer, der sich vor 38 Jahren als Zwölfjähriger die ersten Schafe kaufte. Später lernte er Schäfer und machte das Hobby zum Beruf. Rund 600 Mutterschafe hat er. Sie weiden auf verschiedenen Koppeln. Ans Aufgaben denkt er trotz der Risse nicht. „Wir wollen nichts anderes.“

Matzen hofft, dass sich viele weitere Schäfer und Schafhalter wolfssichere Zäune besorgen - trotz der Rückschläge. Und er hofft, dass die Diskussion irgendwann weniger schwarz-weiß geführt wird. Die über Jahrhunderte gewachsene Angst vor Wölfen wieder aus den Köpfen zu bekommen, werde aber wohl dauern. Dabei sei der Wolf an sich für Menschen nicht gefährlich. „Der Wolf ist ein Schisser.“ Er lasse sogar seine Welpen im Stich, wenn ein Mensch sich nähere.

RND/dpa

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