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Schleswig-Holstein Der Raps in Schleswig-Holstein kränkelt
Nachrichten Schleswig-Holstein Der Raps in Schleswig-Holstein kränkelt
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08:01 20.05.2018
Von Anne Holbach
Laura (15) und Elsa (12) staunen über das intensive Gelb des Rapsfeldes bei Flüggendorf im Kreis Plön. Quelle: Frank Peter
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Belau/Rendsburg

Für 2018 wird laut Statistikamt Nord im Land nur eine Anbaufläche von nur 74100 Hektar erwartet. „Das sind locker ein Viertel weniger als im Vorjahr und ist für Schleswig-Holstein wahnsinnig wenig“, sagt Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer. Weil es im Herbst so viel geregnet hatte, konnten weniger Felder bestellt werden. In den vergangenen Jahren habe die Anbaufläche immer zwischen 90000 und 100000 Hektar gependelt.

Geringer Erntemenge zeichnet sich ab

Somit zeichne sich auch eine geringere Erntemenge für 2018 ab. „Das wäre dann das dritte schwierige Rapsjahr in Folge“, so Rixen. 2017 und 2016 lag der Flächenertrag nur zwischen 3 bis 3,6 Tonnen pro Hektar. In guten Jahren wie 2015 ernteten die Landwirte dagegen 4,2 t/ha, ein Spitzenwert erreichten die Bauern 2009 mit fast 4,7 t/ha.

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Nicht überall im Land stehe der Raps zwar schlecht, so Rixen, in großen Teilen ließen sich aber Lücken in den Beständen erkennen. Auf Gut Rögen in Barkelsby beispielsweise, wo normalerweise auf rund 350 Hektar die gelbe Pflanze steht, wird Winterraps diese Saison nur auf 200 Hektar angebaut.

„Bei uns hat der Raps sehr schlecht angesetzt, die Pflanzen sind nicht gut aus dem Winter gekommen und sind schwach“, sagt Landwirt Eckhard Clausen. Es hätten sich nur wenige Schoten gebildet, entsprechend mau seien die Ernteaussichten. „Wir befürchten 30 bis 50 Prozent weniger Ertrag als sonst.“

Knospenwelke hinterlässt Spuren

Jetzt schlug auch noch die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (Ufop) Alarm, weil nach der Hitzewelle im Mai eine sogenannte Knospenwelke auf den Feldern ihre Spuren hinterlässt. „Rapsbestände blühen nicht oder nur kurz, Blüten fallen vorzeitig ab, der Schotenansatz unterbleibt“, teilte die Ufop mit.

Auch in Schleswig-Holstein haben die Landwirte laut der Kammer landesweit mit der Knospenwelke zu kämpfen. „Das ist ein Stresssymptom“, erklärt Daniela Rixen. Erst sei es zu nass gewesen, um die Felder zu bestellen, dann kam der Frost, so dass sich die Wurzeln nicht gut ausbilden konnten. Und in der empfindlichen Phase, als die Pflanzen begannen ihre Knospen zu bilden, belasteten hohe Temperaturen den Raps und die Knospen reduzierten sich. Oftmals bildeten sich keine Schoten.

Zweitwichtigste Marktfrucht in Schleswig-Holstein

„Raps ist eigentlich ein Kompensationskünstler im Vergleich zum Getreide“, so Rixen. „Aber sie müssen sich das vorstellen wie beim Menschen: Man kränkelt eh schon ein bisschen, hat seinen Schal vergessen und muss dann einen Vormittag im Regen stehen.“

Die Experten seien sich noch uneins, wie schwer die Ertragsverluste dadurch ausfallen könnten. Raps gilt als zweitwichtigste Marktfrucht in Schleswig-Holstein.

Trotz der voraussichtlich niedrigen Erträge, wird der Rapspreis aber nicht in die Höhe schießen, sondern wohl auf Vorjahresniveau bleiben. „Wir erwarten für die Ernte 330 Euro pro Tonne“, sagt Bernd Irps, Marktreferent der Landwirtschaftskammer.

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