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Schleswig-Holstein Nur die Grünen sind dagegen
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06:00 14.02.2019
Von Anne Holbach
Die Kieler Universität duldet keine Verschleierung, die nur einen Augenschlitz zulässt, in Vorlesungen oder Prüfungen. Quelle: Aboud Hamam
Kiel

„Eine freiheitlich demokratische Gesellschaft darf Menschen nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen und Ausdrucksweise von staatlichen Bildungseinrichtungen ausschließen.“ Die Möglichkeit, religiöse Symbole zu tragen, zeichne eine weltoffene Gesellschaft aus.

In der Jamaika-Koalition sehen das nicht alle so: Vollverschleierung sei kein Ausdruck von Weltoffenheit, sondern ein Zeichen der Unterdrückung von Frauen, so Christopher Vogt (FDP).

Vollverschleierung kein einheitlich religiöses Gebot

Nachdem eine Studentin der Ernährungswissenschaften mit einer Niqab verschleiert zu einem Tutorium erschienen war, hatte ein Dozent die zum Islam konvertierte Deutsche zurechtgewiesen und den Fall an die Hochschulleitung weitergegeben. Das Präsidium erließ daraufhin ein Verbot: Das Tragen von Burka (Vollschleier) oder Niqab (Augen bleiben frei) in Lehrveranstaltungen, Prüfungen oder Beratungsgesprächen ist nicht erlaubt, wohl aber auf dem Campus.

„Die Frage ist: Was ist Ausdruck der Religion?“, sagt Professorin Anja Pistor-Atam. Die Islamwissenschaftlerin und CAU-Vizepräsidentin betont, dass in der islamischen Lehre die Meinung vorherrsche, dass das Gesicht nicht bedeckt werden müsse. „Im Grundsatz sollte jede Frau das Recht haben, sich so zu kleiden, wie sie möchte.“ Aber an diesem Punkt müsse die Uni eine Grenze ziehen. „Wir sehen die Verschleierung als Hindernis für die Kommunikation an der Universität.“

Ähnlich argumentiert der Zentralrat der Muslime (ZMD). In Deutschland gebe es kaum vollverschleierte Frauen, dies sei kein einheitlich religiöses Gebot. „Bereits vor einem Jahrzehnt hat der ZMD klargemacht, dass im Unterricht – ob in Schule und oder Uni – das Gesichtzeigen pädagogisch und lerntechnisch unverzichtbar ist.“

Prien will Gesetzesinitiative für Schulen

Landes-Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat eine Gesetzesinitiative gegen das Tragen von Gesichtsschleiern auch in Schulen angekündigt. „Im wissenschaftlichen Diskurs muss man Gesicht zeigen“, so die Ministerin. Pädagogische Arbeit baue auf Kommunikation mit Gesicht und Mimik. Kritik gab es vom SSW: Prien schaffe eine Lösung für ein Problem, das es an den Schulen gar nicht gebe.

Die AfD will die Debatte dagegen breiter führen. „Sollen bei uns Burka und Niqab per Gesetz aus der Öffentlichkeit verbannt werden?“, fragt Frank Brodehl. Die AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Alice Weidel hielt den Grünen vor, „sich als Lobbyisten eines fundamentalistischen Islam“ zu betätigen.

Beifall für das Vorgehen der Kieler Uni gab es von den Sozialdemokraten. „Ein Kopftuch lässt das Gesicht frei und behindert Kommunikation nicht. Das ist bei Niqab und Burka anders“, sagt Serpil Midyatli – selbst Muslima. Es sei richtig, klare und verbindliche Richtlinien für Studenten zu erlassen. „Vollverschleierung widerspricht unseren Gepflogenheiten und den Regeln des Umgangs miteinander“, sagt der Vizevorsitzende der Bundes-SPD, Ralf Stegner.

Studentin will sich weiter verhüllen

In einem persönlichen Gespräch habe die betroffene Studentin signalisiert, dass sie nicht auf die Niqab verzichten werde, sagt Pistor-Atam. Die Lehrenden seien gebeten worden, Verschleierte zum Verlassen der Veranstaltungen aufzufordern.

Die Uni will das Verbot aber nicht mithilfe des Ordnungsdienstes oder der Androhung einer Exmatrikulation durchsetzen. Allerdings könne der Studentin die Teilnahme an einer Prüfung verboten werden, weil der Schleier die Identifikation der Person nicht ermögliche. Das würde mittelbar dazu führen, dass das Studium nicht beendet werden könnte.

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