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Schleswig-Holstein Katharina K.: Ich bin keine Salafistin
Nachrichten Schleswig-Holstein Katharina K.: Ich bin keine Salafistin
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16:07 01.03.2019
Der Streit über das Schleierverbot an der Kieler Uni geht weiter. Quelle: Ian Langsdon
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Kiel

Demnach soll der Bildungsausschuss „eine ausführliche Anhörung zum Tragen eines Gesichtsschleiers in Lehrveranstaltungen“ durchführen. Unterdessen rechtfertigte die Kieler Niqab-Studentin Katharina K. ihre Zusammenarbeit mit einem Verein, dessen Köpfe laut Verfassungsschutz dem „politischen Salafismus“ zuzurechnen sind.

Bei den Grünen, die im Gegensatz zu CDU und FDP ein Schleierverbot im Hochschulgesetz ablehnen, wurde der Jamaika-Antrag auch wegen der Eingangsformulierung fast wie ein Sieg gefeiert. Demnach soll der Landtag „zur Kenntnis“ nehmen, dass die öffentliche Debatte über das von der Kieler Uni verhängte Schleierverbot „mit nachvollziehbaren Argumenten, die für und gegen einen Regelungsbedarf sprechen, geführt wird“.

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Grüne beharren auf ihrer Position

Zugleich beharrten Spitzen-Grüne darauf, dass eine Frau selbst entscheide, ob sie Burka oder Niqab anlege oder nicht. Anträge für eine Kurskorrektur der Grünen auf einem Parteitag Ende März gebe es nicht, sagte Partei-Chef Steffen Regis.

Für CDU und FDP ist das eine bittere Nachricht: Sie hatten dem Anhörungsantrag auch in der Erwartung zugestimmt, dass die Grünen in den nächsten Wochen ihre Pro-Schleier-Position überdenken. Diese Hoffnung stützte sich auch auf Hinweise, dass Katharina K. offenbar keine unbedarfte Studentin ist, sondern von der Föderalen Islamischen Union (FIU) aus Hannover und damit einem Verein unterstützt wird, den der niedersächsische Verfassungsschutz im Blick hat.

"Ich bin ganz klar eine Muslima"

„Der Verfassungsschutz ist kein vor Fehlern geschütztes Organ“, antwortete Katharina K. schriftlich auf Fragen unserer Redaktion. Sie habe nichts Verwerfliches oder Gesetzeswidriges bei der FIU entdeckt. Katharina K. ließ zugleich keinen Zweifel daran, dass sie die weit verbreitete Kritik am Salafismus nicht teilt. „Die Mehrheitsgesellschaft hat ein falsches Bild vom Salafismus, das der wissenschaftlichen Sichtweise widerspricht.“ Die Studentin bezog sich dabei auf einen Islamwissenschaftler, der im zeitgenössischen Salafismus eine „spirituelle Bewegung“ sieht. Als Salafistin sieht sich Katharina K. nicht. „Ich bin ganz klar eine Muslima, eine Gottergebene.“

Einige Studentinnen stehen Salafisten nahe

Mit diesen Gedanken steht die Studentin an der Kieler Uni nicht allein. Einige Vorkommnisse ließen darauf schließen, „dass es an der Universität eine kleinere Gruppe von Studentinnen gibt, die zumindest dem salafistischen Gedankengut nahestehen“, sagte der Leiter der Präventions- und Beratungsstelle gegen religiös begründeten Extremismus in Schleswig-Holstein, Tobias Meilicke. Diese Gruppe hat angeblich Kontakt zu ultra-konservativen Kreisen. Es gebe in Kiel eine Moschee-Einrichtung, die von salafistischen Akteuren dominiert werde, so Meilicke.

Von Ulf B. Christen & Jürgen Küppers

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