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Schleswig-Holstein 360-Grad-Film für den Gottorfer Globus
Nachrichten Schleswig-Holstein 360-Grad-Film für den Gottorfer Globus
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12:23 30.05.2019
Von Kristiane Backheuer
Faziniert von der damaligen Technik und Handwerkskunst: Ulrich Schneider (links), Leiter von Gottorfer Globus und Barockgarten, und Ulf Eberspächer von der Berliner Projektgesellschaft Triad im Innern des Globus‘. Im Landesmuseum in Schleswig stellten beide jetzt den neuen 360-Grad-Film für das Wunderwerk aus dem 17. Jahrhundert vor. Quelle: Backheuer, Kristiane
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Schleswig

Per Virtual-Reality-Brille können die Besucher künftig abtauchen in die Welt des 17. Jahrhunderts und in die Zeit, als Herzog Friedrich III. für eine Sensation sorgte.

Während einer landesweiten Digitalisierungskonferenz des Landeskulturverbandes im Schloss in Schleswig wurde das Projekt jetzt mit viel Beifall aufgenommen.

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Gottorfer Globus hat einen Durchmesser von über drei Metern

Wer den originalgetreuen Nachbau des Gottorfer Globus‘ (das Original steht seit 1717 in St. Petersburg) kennt, wird sich vielleicht ein wenig wundern. Denn das begehbare Wunderwerk mit einem Durchmesser von über drei Metern zeigt bereits Außergewöhnliches: In seinem Innern erlebt man in einer achtminütigen Fahrt die Sternenbilder und erfährt alles über die Funktionsweise des frühesten Planetariums der Welt.

Nun noch ein Film? „Die Digitalisierung kann uns Museen enorm helfen“, ist sich Guido Wendt sicher. Der kaufmännische Geschäftsführer der Landesmuseen Schloss Gottorf sieht in der neuen Technik eine Möglichkeit, den Besuchern einen Mehrwert zu bieten.

„Klar ist der Globus an sich schon eine Sensation“, sagt Wendt. „Aber wir können nun auch die Geschichte hinter der Geschichte erzählen.“ Was hat sich der Herzog damals dabei gedacht? In welcher Zeit lebte er? Woran glaubten die Menschen?

Astronomisches Wunderwerk

„Der Globus entstand, als die Menschen noch ein völlig anderes Weltbild hatten. Wer mit dem Segelboot zu weit aufs Meer fuhr, hatte Angst, dass er von der Erdscheibe kippt“, sagt Guido Wendt. „In dieser Zeit hat Friedrich III. dieses astronomische Wunderwerk bauen lassen.“

Zusammen mit seinem Hofgelehrten Adam Olearius hatte der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf vor allem die Reisebeschreibungen der Seefahrer und Entdecker als Grundlage benutzt. Dazu kam ein Roman („Die Chymische Hochzeit des Christiani Rosencreuz“) aus dem Jahre 1616, in dem ein Planetarium beschrieben wird.

Insgesamt 14 Jahr lang werkelten die unterschiedlichsten Handwerker an dem Mammutprojekt, das 1664 eingeweiht wurde.

Mit der VR-Brille auf virtueller Zeitreise

Von all dem erfährt der Besucher nun schon im Vorwege im Untergeschoss des Globushauses. Bequeme Sessel, moderne Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen) und übersichtliche Grafiken laden zur Zeitreise ein.

„Das Projekt war eine echte Herausforderung“, erzählt Ulf Eberspächer, Kreativdirektor der Berliner Firma „Triad“. „Der Globus ist an sich schon so unglaublich, dass wir aufpassen mussten, das Ding nicht zu ersetzen oder in den Schatten zu stellen.“ 

Sonst gestalten sie digitale Präsentationen für Fußball-Museen

So kamen er und sein Team, die sonst unter anderem digitale Präsentationen für die größten Fußball-Museen der Welt entwickeln, auf die Idee, „eine Art roten Teppich“ für den Globus zu kreieren.

Nach dem Prinzip des Barocktheaters wurden Datenbanken mit Tausenden Kulissenelementen erstellt, um eine Geschichte im 3-D-Effekt zu erzählen. Der fünfminütige 360-Grad-Film beginnt mit dem Dreißigjährigen Krieg, als in Europa der Kampf um die religiöse und politische Vorherrschaft ausgebrochen war, und endet beim fertigen Globus.

„Auf diese Weise haben wir versucht, das Bauwerk noch attraktiver zu machen“, so Eberspächer. „Denn so wird deutlich, wie absolut revolutionär Friedrich III. war.

Nur ein paar hundert Kilometer weiter südlich wurden die Menschen noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn sie behaupteten, dass die Sonne und nicht die Erde im Mittelpunkt des Kosmos steht.“

Mit 120.000 Euro hat das Land das Projekt gefördert. Geplant ist, dass der neue Film auch im Schloss Gottorf selbst gezeigt wird, um Lust auf den Globus zu machen.

„Wir möchten ab Herbst mit einer kleinen Globus-Dependance in unserem historischen Rundgang mehr Schloss-Besucher für den Gang zum Barockgarten begeistern“, sagt Pressesprecher Frank Zarp. „Viele wissen gar nicht, was wir seit 2005 dort für ein Wunderwerk bereithalten.“

Dank der neuen Technik ist auch eine vorherige Anmeldung ist nicht mehr nötig. Geöffnet ist der Globus von April bis Ende Oktober, dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen finden Sie hier

KN-online (Kieler Nachrichten) 30.05.2019
Christian Hiersemenzel 29.05.2019