Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein 110 Schüler bekamen die Traumnote 1,0
Nachrichten Schleswig-Holstein 110 Schüler bekamen die Traumnote 1,0
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:38 28.06.2019
Von Christian Hiersemenzel
Endlich Ferien! In Schleswig-Holstein gab es am Freitag Zeugnisse. Quelle: Ina Fassbender/dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Kiel

 "Ich finde das zu viel", sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbands, Jens Finger. "Ich gönne den Schülern diese Bestnote. Ich bezweifle aber, dass sie mit dem Abschluss genauso gut auf die Universität vorbereitet sind wie 1,0-Schüler vor 30 oder 40 Jahren." Es gelte, zwischen Studierbefähigung und -berechtigung zu unterscheiden."Studierberechtigung allein nützt gar nichts. Es ist also kein Qualitätsmerkmal, wenn heute mehr Abiturienten eine Eins vor dem Komma haben." Finger verwies darauf, dass jeder dritte Studierende sein Studium abbricht. Auch der Numerus Clausus als Zugangsvoraussetzung zu besonders gefragten Studiengängen sei immer weniger aussagekräftig. "Fragen Sie doch mal einen Personalmanager bei Audi, ob er lieber einen 1,0-Kandidaten aus Bremen oder aus Bayern einstellt. Im Zweifel nimmt er lieber den aus Bayern."

Bildungsministerium verweist auf andere Bundesländer

Schleswig-Holsteins Quote der Abi-Bestnote liegt in diesem Jahr bei 0,8 und bleibt damit weitgehend auf dem Niveau der Vorjahre. Im Jahr 2007 hatte sie noch bei 0,5 gelegen. Allerdings liegen die Quoten in den übrigen Bundesländern zum Teil deutlich höher. Das Bildungsministerium verwies gestern auf Zahlen aus dem Schuljahr 2016/17. In Baden-Württemberg hatten damals 1,6 Prozent der Abiturienten die Traumnote 1,0, in Bayern waren es sogar 2,0 Prozent. Der Norden lag auf dem letzten Platz.

Anzeige

Abschlussjournal am 29. Juni 2019 in der Zeitung

Am Sonnabend in den Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung: Das Abschluss-Journal 2019 mit allen Fotos und Namen der diesjährigen Abschlussschülerinnen und -schüler aus der Region. Ab sofort auch im Lesershop: kn-online.de/lesershop

FDP spricht von einem anhaltenden Trend zu besseren Noten

Die FDP-Bildungsexpertin Anita Klahn stellte gleichwohl fest, dass der seit Jahren anhaltende Trend zu immer besseren Noten nach wie vor ungebrochen sei. "Es wäre fatal, wenn eine Absenkung des Leistungsniveaus die Ursache für die Noteninflation wäre", sagte sie. Noten seien nur sinnvoll, wenn sie einen objektiven Leistungsnachweis darstellten. "Wenn aber irgendwann alle eine Eins vor dem Komma stehen haben, könnte man die Noten auch abschaffen."

Martin Habersaat (SPD) ließ die Kritik am aktuellen Abitur nicht gelten. Jeder der angesprochenen 110 Einser-Absolventen aus Schleswig-Holstein sei auf die Hochschule gut vorbereitet. "Wir sollten nicht die Hürden senken, aber vielen über die Hürde helfen. Das Abitur eröffnet individuelle Lebensmöglichkeiten."

Abi-Schnitt im Norden bei 2,54

Im Mai hatten Schüler deutschlandweit erbost auf die zentral geschriebene Mathematik-Prüfung reagiert. Die Aufgabenstellung sei zu schwer und zu umfangreich gewesen, hieß es in Online-Petitionen. Hamburg hatte daraufhin seinen Bewertungsschlüssel angepasst und den Schülern die Möglichkeit einer mündlichen Nachprüfung eingeräumt. In Schleswig-Holstein hielt sich der Protest in Grenzen, es kam zu keinen nachträglichen Maßnahmen. Der landesweite Abi-Durchschnitt blieb gegenüber dem Vorjahr gleich und lag insgesamt bei 2,54.

Knapp 23.000 Jugendliche legten ihre Prüfungen zum ersten allgemeinbildenden (Landesdurchschnitt in Englisch, Deutsch und Mathematik: 3,6) beziehungsweise mittleren Schulabschluss (Durchschnitt: 3,4) ab.

Ulf Billmayer-Christen 28.06.2019
27.06.2019
Christian Hiersemenzel 27.06.2019