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Schleswig-Holstein Buchholz sagt Funklöchern den Kampf an
Nachrichten Schleswig-Holstein Buchholz sagt Funklöchern den Kampf an
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10:00 10.08.2019
Von Ulf Billmayer-Christen
Bernd Buchholz (57) hat gut zu tun. Der Jurist und Ex-Vorstandschef von Gruner + Jahr ist seit 2017 Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Im Kampf gegen die zahlreichen Funklöcher in Schleswig-Holstein meldete Bernd Buchholz einen ersten Erfolg. „Die Mobilfunkanbieter haben sich auf meine Bitte bereit erklärt, ihre Mastendaten an das Kompetenzzentrum Breitband zu übermitteln.“ So erfahre die Regierung erstmals, wo es im Funknetz Überschneidungen oder eben Löcher gebe.

Herr Buchholz, Apple oder Microsoft?

Bernd Buchholz: Microsoft. Ich habe auch mit Apple-Rechnern zu tun gehabt, bin jetzt aber bei einem Microsoft-Surface gelandet. Das ist deutlich kompatibler, dafür gibt’s eindeutig mehr Apps. Aber das ist keine Religion bei mir. Diese Ansicht, entweder das eine oder das andere, ist ja Gott sei dank auch ein Stück überwunden. Aber designmäßig liegt Apple häufig vorn.

Wie digital leben Sie?

Ich bin kein „digital native“, sondern ein „digital immigrant“. Jahrgang 1961, da ist man nicht derjenige, der digital aufgewachsen ist. Aber man hat alle Entwicklungsstufen mitgemacht. Vom Commodore C64 über Floppy Disks. Aber obwohl mir mein Sohn vor eineinhalb Jahren ein Amazon Echo mit Alexa geschenkt hat, fremdle ich mit dem Gefühl, dass irgendwo immer einer zuhört. Datenschutz und die Hoheit meiner Daten sind mir sehr wichtig.

Facebook, Twitter, Instagram?

Facebook ja, Twitter nein. Instagram wird gemacht. Facebook auch nur auf der politischen Ecke, nicht privat. Und: Alles was auf meinem Account steht, schreibe ich selbst.

Vom Privaten zum Politischen. Wie ist der Stand des Glasfaserausbaus in Schleswig-Holstein?

Stand ist, dass in Schleswig-Holstein derzeit 40 Prozent der Haushalte Zugriff auf einen Glasfaseranschluss haben. Im Bundesschnitt sind es nur 8,5 Prozent. Bei den Flächenländern sind wir führend. Auf Platz zwei liegt Bayern mit 11,3 Prozent. Das ist ein schöner Erfolg, der aber nicht nur auf mein Konto geht. Schon die Vorgängerregierungen haben entschieden, auf Glasfaser zu setzen.

Fotostrecke: So kommt Glasfaser schneller in die Erde

Wie viele Haushalte haben nicht nur Zugriff auf Glasfaser, sondern nutzen den Anschluss auch?

Fast jeder dritte Haushalt in Schleswig-Holstein nutzt Glasfaser. Diese schon sehr gute Quote wird in den nächsten Jahren steigen. Wir haben im Land bislang 12000 Kilometer Glasfaser verbaut, 15000 Kilometer sind derzeit in der konkreten Planung. In 611 Gemeinden sind die Projekte abgeschlossen, in 110 sind sie in der Umsetzung und in 134 weiteren Gemeinden sind konkrete Ausbauplanungen vorhanden. Das heißt: In 1055 der insgesamt 1106 Gemeinden wird aktiv am Glasfasernetz gebaut. 2025 soll es ein nahezu flächendeckendes Glasfasernetz in Schleswig-Holstein geben.

Gibt es noch weiße Flecken?

Ja, weil natürlich noch nicht in jedem Ausbaugebiet alles komplett umgesetzt ist. Aber: Wir wollen nahezu jede Milchkanne anschließen. Da brauchen wir als Land auch die Bereitschaft, mehr Geld für den Ausbau von Glasfaser auszugeben. Ich versuche gerade, im Kabinett 60 bis 70 Millionen Euro einzuwerben, und bin da zuversichtlich.

Bei Glasfaser hat das flache Land die Nase vorn. Einige Städte hinken hinterher.

Das liegt auch daran, dass wir aus europarechtlichen Gründen den Ausbau von Glasfasernetzen etwa in Kiel nicht staatlich fördern dürfen. In Flensburg versuchen die Stadtwerke, ein wirtschaftliches Angebot zu machen. Lübeck ist auch kräftig unterwegs. In Kiel ist das Ganze auch wegen der Konstruktion der Stadtwerke bisher noch nicht so vorangekommen wie ich mir das vorstelle. Wenn wir da nicht aufpassen, werden unsere großen Städte die weißen Flecken von morgen. Zumindest graue Flecken.

Lesen Sie auch: Kreis Plön - 255 Kilometer Glasfaser verlegt 

Von unterirdisch zu oberirdisch: Wie ist der Stand beim mobilen Netz 5G?

In Nordfriesland wird demnächst der erste Mast aufgestellt. Grundvoraussetzung für 5G ist übrigens, dass wir an jedem Mast ein Glasfaserkabel liegen haben. Bei 5G wird es vermutlich aber leider so laufen, dass der Ausbau von den urbanen Zentren in die Außenbereiche geht. Die ländlichen Räume werden erst später erschlossen, obwohl sie am besten geeignet wären, etwa, um autonomes Fahren zu testen.

Der Ausbau des 5G-Netzes dürfte Proteste auslösen.

Das kommt bei mir teilweise heute schon an. Natürlich gibt es viele Leute, die Sorgen haben, dass Strahlungsthemen dabei eine Rolle spielen. Stand der Wissenschaft ist aber, dass dieser Strahlungsbereich keine negativen Auswirkungen hat. Es ist streng genommen auch falsch, von 5G-Masten zu sprechen. Benötigt werden armlange Antennen, diese allerdings im Abstand von 300 bis 500 Metern. Über den Bedarf in Schleswig-Holstein gibt es nur grobe Schätzungen. Für eine landesweite Abdeckung dürften wir aber weit mehr als 50 000 Antennen brauchen.

Zurück zu den Alltagsproblemen. Wie häufig hängen Sie eigentlich im Funkloch?

Auf der Strecke zwischen Ahrensburg und Kiel täglich mehrfach, etwa auf der A21 bei Daldorf. Das geht natürlich nicht. Ich will die Funklöcher stopfen. Auf diesem Weg gibt es einen ersten Erfolg. Die Mobilfunkanbieter haben sich auf meine Bitte hin bereit erklärt, ihre Mastendaten an das Kompetenzzentrum Breitband zu übermitteln. So erfahren wir erstmals, wo es im Funknetz Überschneidungen oder eben Löcher gibt. Die Ergebnisse werde ich mit den Anbietern besprechen. Es kann doch nicht sein, dass man im Urlaub in Norwegen selbst in der entlegensten Ecke der Lofoten ein stabiles Netz hat und in Schleswig-Holstein mancherorts im Funkloch hängt.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Wer wartet eigentlich Ihr Smartphone?

Das mache ich selbst. Wenn mal was richtig kaputtgeht, gibt es im Ministerium IT-Leute. Beim Telefon bevorzuge ich übrigens Apple. Ich bin mit einem iPhone unterwegs.

Weitere Nachrichten aus Schleswig-Holstein lesen Sie hier.

Von Ulf Christen und Gunnar Müller

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