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Schleswig-Holstein Das Warten aufs Kitageld
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09:45 30.07.2019
Von Heike Stüben
Sandra Scheel mit Henri, Kathrin Staack mit Meiko, Nils Staack und Hinnerk Scheel mit Hannes (von links) warten aufs Kitageld. Die Familien aus Klein Kühren und Lehmkuhlen hatten die 100 Euro im Monat fest einkalkuliert.
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Kühren

„Im Mai haben wir den Betreuungsvertrag mit der Tagesmutter unterschrieben. Dann habe ich die übrigen Unterlagen von der Gemeinde und dem Kreis besorgt und zusammen mit dem Antragsformular auf Kitageld am 8. Juli beim Landesamt für soziale Dienste in Neumünster eingereicht“, berichtet Kathrin Staack aus Klein Kühren bei Preetz. Nur wenige Tage später kam die Eingangsbestätigung. Darin las das Ehepaar: „Die derzeitige Bearbeitungszeit beträgt mindestens sechs Monate, so dass wir Sie noch um etwas Geduld bitten müssen. Wir können Ihnen leider nicht mitteilen, ob die Unterlagen vollständig sind. Das wird erst geprüft, wenn Ihr Antrag zur Bearbeitung ansteht.“ Sobald man den Antrag bearbeitet habe, melde man sich schriftlich. Und weiter: „Wir bitten Sie daher, von Anfragen abzusehen.“

Kitageld in Schleswig-Holstein: Keine gute Familienpolitik

Sie habe natürlich nicht erwartet, dass der Antrag von heute auf morgen genehmigt werde, betont Kathrin Staack. „Aber sechs Monate? Und wenn dann etwas fehlen sollte, können noch mal Monate ins Land gehen.“ Auch wenn sie irgendwann das Kitageld rückwirkend erstattet bekommen, müssten sie erst mal über Monate in Vorleistung gehen. „100 Euro sind für uns spürbar“, sagt Niels Staack, der sich zurzeit in Elternzeit um Meiko kümmert.

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Ab 2020 gilt der Deckel für Elternbeiträge

In einem Jahr läuft das Kitageld aus. Ab August 2020 soll ein landesweiter Deckel für Elternbeiträge gelten. Die Ganztagsbetreuung eines Kindes unter drei Jahren soll dann maximal 288 Euro und die eines älteren Kindes in einer Kita höchstens 233 Euro im Monat kosten. So lange hat jedes Kind in öffentlich geförderter Betreuung bis zum dritten Geburtstag Anspruch auf bis zu 100 Euro Kitageld. Insgesamt wurden nach der letzten Statistik von März 2018 in Schleswig-Holstein 25648 Unter-Dreijährige betreut. Das sind 33,7 Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe – so viele wie in keinem anderen westdeutschen Flächenland.

Dass sich die Situation im Landesamt offenbar verschärft hat, zeigt ein zweiter Fall. Sandra Scheel aus Lehmkuhlen bei Preetz hat einen Sohn in der Kita und den jüngeren seit einigen Monaten bei einer Tagesmutter. Für ihn hat sie Anfang Februar Kitageld beantragt. Auch sie hat eine maschinelle Eingangsbestätigung bekommen – allerdings mit dem Verweis auf eine viermonatige Bearbeitungszeit. „Aber es ist nichts passiert. nach fünf Monaten habe ich dann doch einmal nachgefragt. Da hieß es: Man bearbeite noch die Anträge von Mitte Januar.“Also wartet auch die junge Familie aus Lehmkuhlen weiter. „Das ist keine gute Familienpolitik“, findet Sandra Scheel.

Landesamt für soziale Dienste: Zu viele Anträge, zu wenig Personal

Im Sozialministerium bestätigt man auf Anfrage, dass die Bearbeitung zurzeit „in der Regel (mehr als 50 Prozent) in einem Zeitraum von sechs Monaten abgeschlossen wird“. Für einen erheblichen Teil dauert es also noch länger. Das sei allerdings auch davon abhängig, wie schnell Eltern fehlende Unterlagen nachreichen würden. Grundsätzlich aber, so betont der Pressesprecher Christian Kohl, habe das Landesamt das Problem erkannt. Hauptursache sei eine hohe Fallzahl, gepaart mit Personalfluktuation. Neue Mitarbeiter müssten erst eingearbeitet werden. Rund 300 neue Anträge würden pro Woche in Neumünster eingehen.

Nun soll die Personalkapazität kurzfristig erhöht werden: „Ziel ist es, die Wartezeiten innerhalb der nächsten drei Monate deutlich zu reduzieren.“ Die Familien Staack und Scheel sind gespannt. Sie vermuten, dass die gegenwärtige Situation auch mit der bevorstehenden Änderung zu tun hat. „Vielleicht will man nicht mehr Personal einstellen, weil das Kitageld ohnehin bald abgeschafft wird“, sagt Sandra Scheel.

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