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Schleswig-Holstein Fragen und Antworten zum Containern
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15:59 07.06.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Ein Großteil der Lebensmittelgeschäfte und Bäckereien in Kiel gibt die Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber bedenkenlos verzehrt werden können, an die Kieler Tafel. Quelle: Christoph Soeder

Warum kann man Händler wie in Frankreich nicht zwingen, Reste zu spenden?

Die Gesetzeslage sieht es in Deutschland noch nicht vor, Lebensmittel aus Müllbehältern herauszunehmen. Menschen, die containern, begehen hierzulande im schlimmsten Fall sogar eine Straftat und können dafür belangt werden. Es kann als Diebstahl und Hausfriedensbruch gewertet werden, da die Müllcontainer in der Regel auf Privatgelände stehen.

Frankreich hatte derweil bereits 2015 beschlossen, dass der Großhandel solche Nahrung abgeben darf. Unverkaufte Ware wird gespendet, als Tiernahrung genutzt oder als Kompost für die Landwirtschaft verwendet. Supermärkte mit einer Fläche von über 400 Quadratmetern wurden verpflichtet, ein Abkommen mit einer karitativen Organisation für Lebensmittelspenden zu schließen. In der Schule wurde zudem Unterricht gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in den Lehrplan aufgenommen. In Tschechien müssen Supermärkte Lebensmittel an Wohltätigkeitsorganisationen spenden.

Zahlreiche Lebensmittel landen im Müll

Nach Berechnungen der Universität Stuttgart landen in Deutschland jährlich fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Umweltorganisation WWF geht sogar von mehr als 18 Millionen Tonnen aus. Die Linken-Bundestagsfraktion hat die Bundesregierung deshalb bereits im April dazu aufgefordert, das Einsammeln weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern straffrei zu stellen.

Können Supermärkte die Ware nicht in einem Kasten neben dem Container anbieten?

Offiziell ist auch das verboten. Kielerinnen und Kieler, die containern, berichteten aber gegenüber KN-online, dass einige Supermärkte die Lebensmittel vorsortieren und Gemüsekisten vor oder auf die Tonnen stellen.

Was tun Händler in Schleswig-Holstein noch, damit die Lebensmittel erst gar nicht im Container landen?

Für viele Supermarktketten in Schleswig-Holstein sind noch zu viele offene, politische Fragen hinsichtlich des Mindesthaltbarkeitsdatums und der Haftung bei möglichen Lebensmittelvergiftungen zu klären.

Rewe stellt frische und unverpackte Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber bedenkenlos verzehrt werden können, schon jetzt den lokalen Tafeln zur Verfügung. Tafeln ohne Kühlmöglichkeiten dürfen allerdings keine Lebensmittel annehmen. Zudem setzt sowohl Rewe als auch Aldi Nord nach eigenen Angaben auf moderne Technik und geschulte Mitarbeiter, die die Verlustquote mittels „ausgefeilter Logistik“ auf ein Minimum reduzieren sollen...

Marten Freund, Inhaber von Schlemmermarkt Freund in Kiel, spendet seit Jahren alle abgelaufenen oder nicht verkauften Waren an die Kieler Tafel. „Einige Lebensmittel verarbeiten wir aber auch noch vor Ablaufdatum selbst in der Küche. Alles eine Frage des Managements“, sagt er. Deshalb komme er mit dem Containern nicht wirklich in Berührung. „Ich verstehe gar nicht, warum sich einige Händler erst jetzt mit dem Thema beschäftigen. Die Kieler Tafel hat immer zu wenig und freut sich über jede Spende.“

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