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Schleswig-Holstein Geflügelpest auf Süderoog festgestellt
Nachrichten Schleswig-Holstein Geflügelpest auf Süderoog festgestellt
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18:25 27.03.2018
Von Imke Schröder
57 Tiere müssen getötet werden. Quelle: Dahl, Ulf
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Kiel

Der hochpathogene Geflügelpesterreger H5N6 ist erstmals in einer Geflügelhaltung in Deutschland nachgewiesen worden. Betroffen sei eine Haltung mit 57 Tieren auf der Hallig Süderoog (Kreis Nordfriesland). Alle 57 Hühner, Puten, Enten und Gänse wurden getötet und fachgerecht entsorgt, wie das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte.

Eine Bestätigung über den Nachweis hat das Ministerium seinen Angaben zufolge vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza, erhalten. Dieser Subtyp weist demnach große genetische Ähnlichkeit zum Erreger H5N8 auf, der seit Winter 2016/2017 in Europa zirkuliert.

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Sperrbezirk wurde eingerichtet

Gemäß der Geflügelpest-Verordnung sind die Hallig Süderoog zum Sperrbezirk und die Insel Pellworm zum Beobachtungsgebiet erklärt worden. Hier gelten beispielsweise ein Aufstallungsgebot sowie ein Verbringungsverbot für lebendes Geflügel.

In den vergangenen Monaten habe es in mehreren Ländern Europas verschiedene Nachweise von hochpathogenen H5-Erregern bei Wildvögeln gegeben. Dabei seien auch H5N6-Viren gefunden worden, in diesem Jahr vor allem in England, den Niederlanden und Schweden, aber auch in Bulgarien, Dänemark, Irland und Italien.

Der bislang einzige Fall in Deutschland wurde bei einer Wildente in Bayern im Januar 2018 nachgewiesen. Bislang sind keine Infektionen des Menschen mit dem in Europa vorkommenden Geflügelpesterreger H5N6 bekannt.

Nach bisherigen Untersuchungen handelt es sich bei dem in Europa festgestellten H5N6-Virus nicht um das gleiche wie derzeit in Südostasien auftretende H5N6-Virus, das zu Humaninfektionen geführt habe, sagte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Institus (FLI) auf der Ostseeinsel Riems bei Greifswald. Im Vergleich zu H5N8 seien zudem bislang deutlich weniger Fälle gemeldet worden. Nähere Vergleichsuntersuchungen zu H5N8 lägen aber bislang nicht vor.

Ausbruch Frage der Zeit

Zu dem in Bayern Anfang Januar 2018 erwiesenen Fall von H5N6 bei einem Wildvogel und dem Fall jetzt auf der Hallig Süderoog sagte die FLI-Sprecherin: „Die Fälle ändern nichts an der Risikolage bezüglich der Geflügelpest.“ Die Gefahr, dass die Tierseuche in Deutschland auftritt, werde seit längerem als groß eingeschätzt.

Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck war der Ausbruch nur eine Frage der Zeit. „Jetzt bewegen sich die großen Zugschwärme und machen auf den Halligen am Nationalpark Futterstopp“, sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Deswegen gebe es bis etwa Ende April eine gewisse Gefahr, dass noch mehr erkrankte Tiere durchziehen. Da Süderoog und die Nachbarinsel Pellworm keine großen Agrarkomplexe seien, handele es sich „noch um einen überschaubaren Vorgang“. Es bestehe aber latente Gefahr, dass die Geflügelpest auf das Festland übergreift. „Das Virus ist in der Natur.“

Stephan Ures 27.03.2018
Uwe Straehler-Pohl 27.03.2018