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Schleswig-Holstein Hilfe für Marinesoldaten im Norden
Nachrichten Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein: Marinebund und Hotels wollen Marinesoldaten helfen

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15:25 16.09.2020
Mit der Aktion «Tapetenwechsel» will der Deutsche Marinebund (DMB) durch Auslandseinsätze stark belasteten oder post-traumatisierten Marinesoldaten helfen. 40 Hotels in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen böten diesen kostenlose Aufenthalte an, sagte DMB-Präsident Heinz Maurus in Kiel. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa (Archiv)
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Kiel

Die mit den Hotel- und Gaststättenverbänden in den Ländern gestartete Initiative solle «einen kleinen Beitrag zur Unterstützung» leisten.

Die Aktion soll belasteten Soldaten nach der Rückkehr aus Auslandseinsätzen eine kleine Auszeit in einem Hotel in Norddeutschland ermöglichen. Laut Maurus ist das Gros der Hotels (28) in Schleswig-Holstein. Die Angebote reichen von Wochenendaufhalten bis hin zu vier Tagen unter der Woche, teilweise mit Partnerin und Vollpension.

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Belastungen durch Corona-Beschränkungen

Nach Angaben des Kommandeurs der Einsatzflottille 1, Admiral Christian Bock, waren Ende August zeitgleich allein 2888 Soldaten in Auslandseinsätzen mit Mandat des Bundestags. Hinzu kämen weit mehr Soldaten in Nato-Einsätzen. In der Regel seien Bootsbesatzungen etwa 160 Tage pro Jahr im Einsatz, sagte er. «Und dort erleben sie Geschichten, die man normalerweise nicht erlebt.»

Hinzu kämen aktuell weitere Belastungen durch die Corona-Beschränkungen, sagte Bock. Bevor Soldaten zum Start ihres Einsatzes an Bord gingen, seien sie zwei Wochen in Quarantäne. Auf den Schiffen würden die Besatzungen in Kohorten aufgeteilt. «Während Seefahrten entfallen die Hafentage, die sonst für einen gewissen Ausgleich sorgen, teilweise völlig: 85 Tage auf einem Minenjagdboot ohne einen Fuß an Land zu setzen, ist eine besondere Herausforderung.»

Aktion «Tapetenwechsel»: Bewerbung per Mail

Marinebund-Präsident Maurus betonte, das Sozialwerk unterstütze auch Soldaten mit post-traumatischen Belastungen, die keine weitere staatliche Hilfe erhielten. Als Beispiel nannte er den Fall einer Soldatin, die im Feldlazarett im afghanischen Kundus als Intensivschwester zehn US-Soldaten nach einem Raketenbeschuss betreute. Sie sei mit der Pflege und der Belastung nicht mehr klargekommen und brauche eine weitergehende Therapie.

Für die Aktion «Tapetenwechsel» können sich Soldaten per E-Mai (welcome@marinebund.de) bewerben. Voraussetzung ist eine Bescheinigung des Vorgesetzten, des Truppenarztes oder des Sozialdienstes der Bundeswehr.

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Von dpa/RND

Christian Hiersemenzel 16.09.2020
Anne Holbach 16.09.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 16.09.2020