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Schleswig-Holstein Weitere Fälle: Schockanrufer verlangen Geld am Telefon
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Schleswig-Holstein: Schockanrufer verlangen Geld am Telefon

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14:20 27.01.2021
Von Marc R. Hofmann
Die Polizei registriert am Mittwoch mehrere sogenannte Schockanrufe in Kiel und den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde.
Die Polizei registriert am Mittwoch mehrere sogenannte Schockanrufe in Kiel und den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde. Quelle: Juliane Häckermann (Symbolbild)
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Kiel

Nach Angaben der Behörde geben sich die Anrufer als Angehörige aus und teilen mit, dringend Bargeld zu benötigen.

Schleswig-Holstein: Angehörige täuschen Unfall vor

"Wie die Angerufenen angaben, haben sie Anrufe von vermeintlichen Angehörigen erhalten, die aufgelöst mitteilten, dass sie in einen schweren Unfall verwickelt gewesen seien. Sie bräuchten nun dringend Bargeld, um einer Inhaftierung zu entgehen. Nach jetzigem Kenntnisstand reagierten alle Angerufenen richtig und beendeten das Gespräch, um im Anschluss die Polizei zu informieren", so Matthias Arends von der Polizei in Kiel.

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Inzwischen soll es nach Auskunft der zuständigen Polizeidirektion Neumünster entsprechende Anrufe auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde gegeben habe. In Wattenbek habe sich ein solcher Anruf ganz ähnlich abgespielt, sagt Polizeisprecher Sönke Petersen.

Polizeibekannte Masche: Weitere Fälle jetzt auch in Lübeck und Ostholstein

Wie die Polizei aus Lübeck und Ostholstein am Mittwochmittag mitteilte, gab es in ihrem Gebiet bereits am Dienstag 20 ähnliche Anrufe. "Falsche Rechtsanwälte, Polizisten, Freundinnen, Ärzte – die Täter schöpften ihr Repertoire an Legenden aus", so Ulli Fritz Gerlach von der Pressestelle. Auch hier seien sie jedoch leer ausgegangen.

Folgende Geschichten erzählten die Betrüger: "Guten Tag, mein Name ist Rechtsanwalt Meier, ihr Sohn hat heute ein Kind überfahren und getötet, jetzt benötige ich 20.000 Euro, damit er aus der Untersuchungshaft freikommt."

Oder: "Guten Tag, die Polizei in Neustadt: Ihr Sohn hat jemanden bei einem Verkehrsunfall getötet, ich benötige 30.000 Euro, damit er aus der Haft entlassen wird."

Oder: "Hallo, ich bin es, deine alte Freundin, kennst du mich nicht mehr? Ich brauche ganz dringend Geld, kannst du mir etwas leihen?"

Oder ganz perfide: Hier ist dein Sohn, ich liege im Krankenhaus mit Corona und brauche Geld für ein neues Medikament aus Israel, ich gebe dir mal den Arzt." Falscher Arzt: "Hallo, das Medikament kostet 26.000 Euro, bitte übergeben Sie die Summe am Klinikeingang."

Das empfiehlt die Polizei

  • Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen oder finanziellen Verhältnisse, geben Sie keine personenbezogenen Daten
  • bekannt.
  • Die Polizei ruft nicht mit unterdrückter Rufnummer an, auch nicht mit der 110.
  • Ruft Sie ein angeblicher Polizist mit unterdrückter Nummer an, legen Sie auf, rufen Sie bei der richtigen
  • Polizei an.
  • Seien Sie misstrauisch, legen Sie auf, und rufen Sie Ihre Angehörigen per Eingabe der Telefonnummer und nicht mit Nutzung der Rückruftaste zurück.
  • Wichtige Telefonnummern der örtlichen Polizei und der Familienangehörigen sowie deren Arbeitsstätte sollten direkt in Reichweite neben dem Telefon stehen, damit im Zweifelsfall die Nummern sofort präsent sind.
  • Informieren Sie als Angehörige Ihre Eltern über die aktuellen Betrugsversuche und sprechen Sie intern mit Ihnen ab, wie in einem Verdachtsfall vorzugehen ist, beispielsweise mit einem Familieneigenen Passwort, welches auf der Notfallkarte notiert werden kann.
  • Lassen gegebenenfalls den Vornamen und die Adresse aus den Telefonverzeichnissen streichen bzw. herausnehmen.

So unterschiedlich die Legenden waren, so eint die Anrufer jedoch dass sie fast alle mit unterdrückter Nummer anriefen. Häufig sollen sie laut Polizei nach dem Geburtsdatum gefragt habe – angeblich für einen "Datenabgleich". Die Behörde vermutet, dass sich die Täter die Nummern aus Telefonbüchern besorgt hätten, in denen sie gezielt nach älter klingenden Vornamen gesucht haben.