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Füer un Flamm för Platt-Filme
Nachrichten Schleswig-Holstein Füer un Flamm för Platt-Filme
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12:00 20.12.2019
Von Heike Thode-Scheel
Dat Filmplakat vun den plattdüütschen Film "Brandnest" maakt Lust op't Ankieken.
Dat Filmplakat vun den plattdüütschen Film "Brandnest" maakt Lust op't Ankieken. Quelle: pilotlicht
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Nu hebbt se sotoseggen Hitten ünner’n Mors – de dree Mannslüüd vun’e Filmemaker-Crew ut Dithmarschen. Dat sünd Regisseur un Dreihbookschriever Mathias Schulz un de Bröder Chris un Timm Kaatz. Ehr Spezialität sünd plattdüütsche Filme ut Dithmarschen, över Dithmarschen un mit Dithmarscher. Twee hebbt se all tosamen maakt: 2016 den Film „Landeier - Plattdeutsch für Fortgeschrittene“ - dor dreih sik all’ns üm Geld un Drogen un plietsche Dörpslüüd. Een Johr later keem denn all de tweete: „Landfrauen – do wat du wullt, de Lüüd snackt doch“. Dor güng dat üm windige Geschäfte mit Windkraft un opsternaatsche Landfruuns. Nu gifft dat veel Rook, en Masse Füerwehrlüüd,  en Barg Water un natürli Füer un Flammen in den niegen Film „Brandnest – wat mutt, dat mutt“. Jümmers na Fieravend un an’t Wuchenenn heet dat: „Achtung: Film af, Kamero löppt!“

Egens wull Mathias Schulz en Historien-Drama dreihn

Dorbi harr Mathias Schulz egens wat ganz anners in‘ Kopp. Wat ganz Groots: „Die Schlacht bei Hemmingstedt. Wir wollten das Historien-Drama mal auf die Leinwand bringen. Nur: Das ist ja ein immenser Aufwand und mit Bordmitteln gar nicht umzusetzen.“ Tja, un so sünd denn dor so ganz blangenbi de dree plattdüütschen Filme bi rutsuert. De eersten beiden weern echte plattdüütsche Blockbuster, as dat so niemoodsch heten deit. „Stratenfeger“ würrn de Plattdüütschen seggen.

Aver dat weer de Lüüd nich nuch.  De hebbt enfach keen Roh geven, wenn Mathias Schulz mit de Filme dörch de Dörper tourt is: „Es kamen immer wieder Nachfragen: Wann kommt denn endlich der nächste plattdeutsche Film? Wir stehen bereit.“ Denn seten Timm un Chris Kaatz mit em mol wedder tosamen un dor keem miteens dat Thema Füerwehr in’t Speel. Dat weer 2018: „Die eine Seite ist: Es muss in die Region passen“, verklaart de Drehbook-Schriever, „und die Story muss umsetzbar sein. Wir sind natürlich auch bemüht, Themen anzupacken, die aktuell sind. Und das Thema Feuerwehr steht ja eigentlich immer im Raum.“ Kloor -  jüst hett dat jo groot Berichte in’t Fernsehn geven vunwegen Nachwuchssorgen: „In den Nachbardörfern, da sollten sogar Leute zwangsverpflichtet werden. Und da haben wir gesagt: Mensch, das passt.“

Ok an’e Klischees warrd hier nich spoort – wat mutt, dat mutt

 As de eerste Idee dor weer, fung ok all de Recherche an. Wat he sölben in’e Füerwehr beleevt hett un „dann eben Geschichten, die man mal gehört hat bei der einen oder anderen Wehr. Ich hab‘ die auch immer gefragt, was denn da mal Außergewöhnliches oder Skurriles passiert ist. Und denn natürlich die Klischees“, smüüstert de Kameromann, „also ich will nicht die Alkohol trinkende Wehr darstellen, aber trotzdem: Da wird ja auch ordentlich gefeiert und getrunken, das ist ja ganz normal.“ Un natürli warrd dor ok örnli fachsimpelt. Dat Klischee vun‘e doren  Klookschieter, dat dörft ok nich fehlen. Dor schenkt en den annern ok mol so richtig in. „Ich hab‘ mich natürlich schlau gemacht, wie da die Bezeichnungen sind von den einzelnen Gewerken bei der Feuerwehr. Da ist eine Szene im Film, da sagt einer: „Pass auf die Muffen auf!“ Und der aus der Jugend-Feuerwehr mault zurück: Dat sind keine Muffen, dat sind Kupplungen.“

Dor kann man sik örnli verdoon, wenn man keen Ahnung hett: „Genau, das ist die Gefahr. Aber ich denke mal, ich hab‘ das alles gut recherchiert und wenn nicht, dann haben die wenigstens was zum Lachen. Oder was zum Schnacken“, smüüstert de Dithmarscher Jung.

Dat geev en Casting as in Hollywood – blots op Platt

As dat Dreihbook trech weer, müssen de Schauspeler her. Dat löppt so, as bi de groten Filme in Hollywood ok: De dree Jungs hebbt en Casting maakt. Dat weer in‘ März 2019. Mathias Schulz ist hüüt noch verbaast: „Wir sind am Sonntag um 11 Uhr angefangen und wollten um 1 Uhr essen und dann eine Pause machen und dann bis 16 Uhr weiter. Wir hatten keine Pause und es ging bis 17 Uhr und es war ein Andrang, das war kaum zu glauben. Die kamen aus Hamburg, aus Kiel, aus Rendsburg, aus Flensburg und natürlich aus der näheren Umgebung. Das war Wahnsinn!“ freut he sik noch ümmer. Un dat Beste: „Wir waren überrascht über die Jüngeren. Wir wollten ja auch gern die jungen Leute ansprechen und sie für die plattdeutsche Sprache begeistern.“ De beiden Hauptrullen in den Füerwehr-Film speelt Füerwehrmann Jan-Oliver Frahm un Ida Beusen. He is knapp över twintig un se eerst föfftein. En echten Glücksfall för den Regisseur, denn de beiden schnackt nich blots wunnerbor Platt, de hebbt ok Schauspeel-Talent.

Dat is örnli Aggewars, all de Lüüd op’n Hupen to kriegen

 „Als wir dann alle Typen von jung bis alt hatten, sind wir im August mit den ersten Dreharbeiten angefangen – bis in den Oktober“, vertellt de Regisseur. De weern denn ok nich ganz so enfach: Denn dat is örnli Aggewars, all de Lüüd op’n Hupen to kriegen: „Das ist dann nicht so’n entspanntes Filmedrehen, sondern organisieren, organisieren, organisieren.“ De Lüüd mööt jo ok Tiet hebben: „Genau“, nickköppt Mathias Schulz, „wir konnten nur am Wochenende drehen, und dann müssen die ja auch noch Zeit haben. Und dann müssen die Requisiten da sein. Und dann muss das mit dem Drehort stimmen.“

Dat hett nu nich jümmers so hinhaut. De en müss Maisföhrn, de anner müss häkseln, de drütte to’n Koffiklatsch: „Das sind so die Schwierigkeiten, die man da hat. Das ist ja ein gegenseitiges Geben und Nehmen“, sineert Schulz. Denn Geld kriegt de Lüüd nu nich för dat Schauspeelern. Un wenn dat denn mol so richtig slecht lopen deit un blots de Hälfte vun’e Lüüd dor sünd, denn „muss ich das so umsetzten, dass der Zuschauer denkt, die ganze Mannschaft wäre da“, smüüstert de Kameromann. Dor kümmt denn Trick 17 to’n Insatz: Dat sonöömte „close-up“. Mathias Schulz verklaart dat so: „Man filmt Gesichter ziemlich nah ran. Und dann musste ich das mit denen so drehen, dass das im Schnitt nachher so aussieht, als ob die beim Dreh dabei gewesen wären.“

De Füerwehr hett em jümmers ünner de Arms grepen

Bi all de Malesche hebbt em aver de Lüüd vun‘e Füerwehr jümmers düchtig ünner de Arms grepen un sogor noch en Füerwehr-Auto organiseert: „Das war ein echter Glücksgriff“, swöögt Mathias Schulz. Un noch wat hett em so richtig Stütt un Stöhn geven: „Ich muss auch sagen, ich bin bei den Feuerwehren auf offene Türen gestoßen. Die Wehr in Linden hat mir zum Beispiel sofort Klamotten geliehen und Helme.“ Un denn harrn se ok noch en Dreih merrn in’e Nacht. „Da sind wir nach Delve gefahren und da hat der Wehrführer einfach mal die Straße gesperrt“, vertellt de Filmemaker begeistert.  Kloor, dat geev ok mol Daag, wo he höört hett: „Wat schall de Schiet hier egentli?“

Bi de Premiere weern alle Füer un Flamm

Aver an’t Enn, dor is dat all’ns vergeten. Dor is de Film in‘ Kassen un dor heet dat bi de Premiere blots noch: Top oder Flop? „Ich sag immer vor den Aufführungen: Wer jetzt einen Hollywood-Film in Hochglanz erwartet, der wird enttäuscht sein“, smuustergrient Schulz, „und wer jetzt denkt, ich habe ein Theaterstück verfilmt, der wird überrascht sein.“ In‘ Gasthoff „Zur Eiche“ in Dellstedt, dor  güng dat jedenfalls hooch her. Dat hett nämli standing ovations geven: „Das geht dann runter wie Öl, wenn man sich an die Tische setzt und von den Feuerwehrleuten ein Lob hört wie: „Ich bin hellauf begeistert. Du hast meinen größten Respekt. Das ist ja Wahnsinn. Dass da sowas bei rausgekommen ist . . . Das ist natürlich immer schön zu hören“, freut sik de Dithmarscher. De Toschauers weern Füer un Flamm för den plattdüütschen Füerwehr-Film.

KN-online (Kieler Nachrichten) 20.12.2019
Christian Hiersemenzel 20.12.2019
20.12.2019