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Schleswig-Holstein Sturm "Barbara" fordert eine Tote
Nachrichten Schleswig-Holstein Sturm "Barbara" fordert eine Tote
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15:46 27.12.2016
Von Tanja Köhler
Am Westensee erschlug ein Baum eine Autofahrerin. Quelle: Daniel Friederichs
Kiel

Den Rettungskräften hat Sturmtief "Barbara" am zweiten Weihnachtsfeiertag viel Arbeit beschert: Bis um 20 Uhr liefen bei der Regionalleitstelle Kiel sturmbedingt 30 Einsätze im Bereich Kiel, Neumünster, Plön und Rendsburg-Eckernförde auf. Im Kieler Stadtteil Schilksee drohte in der Straße Langenfelde ein Baugerüst umzukippen. Dieses konnte jedoch nach Auskunft der Berufsfeuerwehr Kiel gesichert werden. Hinzu kamen umgestürzte Bäume, Bauzäune sowie lose Dachpfannen. Bereits am Mittag hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor orkanartigen Böen mit Geschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer pro Stunde gewarnt.

Vor eine Herausforderung wurden die Rettungskräfte am Westensee gestellt. Hier war um 19.06 Uhr ein Baum auf das Dach eines Autos gefallen. Zwei Personen befanden sich zum Unglückszeitpunkt im Wagen. Die Autofahrerin wurde von dem Baum erschlagen. Der 24 Jahre alte Freund der 34-Jährigen wurde lebensgefährlich verletzt, wie ein Feuerwehrsprecher am Dienstagmorgen sagte.

Insgesamt gab es in Schleswig-Holstein rund 200 Einsätze der Feuerwehr, in Hamburg über 80. Weitere Verletzte gab es den Angaben der Polizei zufolge nicht.

In Hamburg-Langenhorn drohte ein Baugerüst umzustürzen und andere Häuser zu beschädigen. Den Angaben der Polizei zufolge lösten sich am Montagabend Teile des Gerüstes und flogen herum. Demnach mussten 14 Bewohner vorsorglich ihre Wohnungen verlassen.

Einen weiteren Einsatz gab es an den Hamburger Messehallen. Wegen des starken Windes waren dort am Montagnachmittag etwa 40 Zentimeter große Betonteile von Stützpfeilern des Messegebäudes abgebrochen und auf den Gehweg gefallen, wie der Sprecher sagte. Der Bereich wurde mit einem Bauzaun abgesichert.

In Harmsdorf fiel eine Linde auf ein Wohnhaus. Quelle: Arne Jappe

Große Linde zerstört Dach

Diesen zweiten Weihnachtstag wird die Familie Behrens aus Harmsdorf (Kreis Ostholstein) nicht so schnell vergessen. Am Abend stürzt eine große Linde mitten auf ihr Wohnhaus. Der orkanartige Westwind von Tief „Barbara‘“ hatte die Linde zu Fall gebracht. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass ein dicker Ast direkt im Sofa der Familie stecken blieb. Detlef Behrens war sichtlich geschockt über das Geschehene. Zum Glück befand sich die Familie zu diesem Zeitpunkt in der anderen Hälfte des Hauses von 1780. Die Feuerwehr konnte mittels der herbei gerufenen Drehleiter aus Oldenburg den Baum so weit zerlegen, dass später ein Kran den Baum aus dem Dach heraus hob. Hier zeigte sich das ganze Ausmaß, das Dach wurde an einigen Stellen stark zerstört. Die Feuerwehr flickte das Dach notdürftig mit einer Plane, damit nicht noch mehr Schaden durch den Regen entstand.

Über die Schadenshöhe können keine Angaben gemacht werden.

Notschlepper sicherte Frachter auf der Nordsee

Die Besatzung von Deutschlands größtem Notfallschlepper musste in der Nacht auf der Nordsee ran. Mitten im Orkan hatte am Montagabend der große Massengutfrachter „Allegra“ in der Zufahrt zur Wesermündung einen Maschinenausfall. Als das 180 Meter lange Frachtschiff  in Richtung einer Sandbank trieb, schickte das Havariekommando  in Cuxhaven den deutschen Notfallschlepper „Nordic“ zu der Position. Bei meterhohen Wellen und Orkanböen positionierte die Besatzung der „Nordic“ sich nah an der Westseite des Havaristen und unterstützte die Besatzung der „Allegra“ beim Halten der Position, teilte Havariekommando am Morgen mit. Der 34000-Tonnen-Frachter liegt weniger hundert Meter westlich einer Sandbank, schwimmt aber  stabil in der See. Eine Gefahr der Strandung besteht nicht mehr. Die in Malta registrierte  „Allegra“ soll dort noch so lange auf der Position gehalten werden, bis der Wind abflaut. Erst bei weniger als sechs Windstärken sollen weitere Schlepper zur Unterstützung kommen und das Schiff dann sicher in die Wesermündung ziehen. Dort soll das Schiff dann untersucht werden. Der erst 2011 gebaute Massengutfrachter gehört einer griechischen Reederei und kam aus England.

Bei den Fährlinien hat sich die Lage fast wieder normalisiert. Lediglich die Route Rostock-Gedser zwischen Deutschland und Dänemark ist weiter wegen des Sturms  außer Betrieb. Die beiden Fährschiffe „Berlin“ und „Copenhagen“ liegen in den Häfen. Den Passgieren und Autofahrern wird empfohlen die Vogelflugroute über Fehmarn zu nehmen. Dort pendeln die Fähren weiter nach Fahrplan.   Die Fährlinie Rostock-Gedser hatte bereits am Sonntagabend den Dienst eingestellt.

Der Nord-Ostsee-Kanal ist nach stundenlanger Sperrung am Dienstagmorgen auch wieder für die Schifffahrt geöffnet worden. In Brunsbüttel mussten die Schleusen  am Montagabend gesperrt werden. Fast sieben Stunden konnte kein Schiff in den ein- oder ausschleusen.  

Blitzeis nach Hagelschauer

Im Bereich der Regionalleitstelle Nord in Harrislee liefen knapp 35 Einsätze bis 20 Uhr auf. Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand. In Flensburg wurde ein Hydrant beschädigt, so dass Wasser auf die Straße austrat. Auf der A7 bildete sich durch Hagelschauer kurzzeitig Blitzeis.

Glück hatten die Reisenden eines Regionalexpresses auf der Strecke von Kiel nach Lübeck. Nach Auskunft eines Bahnsprechers war gegen 19.30 Uhr ein Baum auf die Gleise bei Malente (Kreis Ostholstein) gefallen. Der Lokführer bemerkte den Schaden rechtzeitig und brachte den Zug sicher zum Stehen. Der Regionalexpress kehrte in den Bahnhof Preetz zurück. Die Strecke wurde auf Schäden überprüft. Den Sylt-Shuttle über den Hindenburgdamm stellte die Deutsche Bahn aus Sicherheitsgründen bereits am Nachmittag ein.

Fährverkehr wurde eingestellt

Sturmtief „Barbara“ behinderte auch den Schiffsverkehr auf der Nord- und Ostsee. Zahlreiche Fährfahrten zu den Nordseeinseln sowie zwischen Deutschland und Dänemark wurden eingestellt.

Die großen Fähren der Stena- und Color Line fuhren trotz Sturmwarnung nach Fahrplan. Auch die Scandlines-Schiffe auf der Vogelflug-Route hielten am Montagabend noch den Fahrplan aufrecht. Anders die Fährlinie zwischen Rostock und Gedser. Aufgrund der starken Winde mussten sie den Dienst bereits am Sonntagabend einstellen.

Sturm „Barbara“ legt Schleuse lahm 

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal hat die Wetterlage zu einem hohen Verkehrsaufkommen geführt. Alleine am Montagabend hatten 18 Schiffe auf der Kieler Förde und beim Leuchtturm Ankerplätze aufgesucht. Die Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft (SFK) musste mehrfach auslaufen, um größere Frachtschiffe sicher in die Holtenauer Schleuse zu bringen.

Aus Sicherheitsgründen wurden die Tore der Schleuse Brunsbüttel seit 20 Uhr nicht mehr geöffnet. Fünf Schiffe liegen bis auf weiteres in den beiden großen Schleusen, darunter eine Frachtfähre der Reederei Stena RoRo aus Schweden. Da das Hochwasser gegen Mitternacht um 1,5 bis 2 Meter über Normal auflaufen wird, wird die Schleuse bis Dienstagmorgen geschlossen bleiben. Im Kanal warten derzeit vier weitere Schiffe.  

Wasserstände sollen steigen

Eine Sturmflut hat in Hamburg verschiedene Hafenbereiche an der Elbe unter Wasser gesetzt. Dem Lagezentrum der Polizei zufolge lag der Scheitelpunkt des Hochwassers in der Nacht zum Dienstag 2,73 Meter höher als das mittlere Hochwasser. Straßen im Hafengebiet und unter anderem auch der Fischmarkt wurden dadurch überflutet. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gab es auch an der Nordseeküste Pegel von teilweise über zwei Metern. Dem Seewetterdienst zufolge kam es dort mancherorts - etwa auf der Insel Sylt - zu nächtlichen Windböen der Stärke 11, an der Ostseeküste vereinzelt sogar zu Böen der höchsten Stufe 12 mit bis zu 120 Stundenkilometern

Der Sturm brachte am Wochenende zudem Gewitter und Hagelschauer nach Schleswig-Holstein. Einem Autofahrer (32) wurde dies zum Verhängnis. Er überschlug sich an Heiligabend auf der glatten A 215 bei Blumenthal und wurde schwer verletzt. Mit Hagelschauern hatten auch die Autofahrer auf der A1 bei Eutin zu kämpfen. Sie kamen ins Schleudern, verletzt wurde niemand.

Von Tanja Köhler und Frank Behling

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