Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Wie viele Lehrer braucht Schleswig-Holstein?
Nachrichten Schleswig-Holstein Wie viele Lehrer braucht Schleswig-Holstein?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:43 21.11.2019
Von Christian Hiersemenzel
Rein rechnerisch sind nur noch 130 von 23.345 Lehrerplanstellen in Schleswig-Holstein unbesetzt. Das entspricht einer Quote von über 99 Prozent. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam
Kiel

Noch immer falle Unterricht „an allen Ecken und Enden“ aus, beklagte sich am Donnerstag Thorsten Muschinski, Vorsitzender des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen. „Für unsere Kinder, die möglichst gut gebildet ins Leben starten sollen, ist das hochproblematisch.“

Am Morgen hatte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) im Landeshaus von einem bundesweit einmaligen, datengestützten Instrument berichtet, das die Fachhochschule Kiel in ihrem Auftrag mit dem Statistikamt Magdeburg entwickelt hatte. Kostenpunkt: 70.000 Euro. Mit dem sogenannten Tool berechne man ab sofort den Lehrerbedarf über einen Zeitraum von neun Jahren. Andere Länder hätten daran bereits Interesse signalisiert.

Prien: Nur noch 130 von 23.345 Planstellen unbesetzt

„Wir alle konnten in den vergangenen Jahren erleben, dass die Schülerzahlen deutlich über den Erwartungen lagen“, sagte Prien mit Blick auf die Zuwanderung von Flüchtlingen. Auch solch einen außerplanmäßigen Zuwachs könne man ins neue Prognosesystem einspeisen. „Es ist für uns wichtig, zukünftig mit verlässlicheren Zahlen zu arbeiten.“

Die Ministerin betonte indes, dass man sich schon jetzt „auf einem sehr guten Weg“ befinde: Rein rechnerisch seien nur noch 130 von 23.345 Planstellen unbesetzt – was einer Quote von über 99 Prozent entspreche. Zu Beginn des Schuljahres seien 259 Stellen frei gewesen. Wären alle besetzt, entspräche das einer Unterrichtsversorgung von 101 Prozent.

Vor allem im ländlichen Raum herrscht Lehrermangel

Grau sei alle Theorie, räumte die Ministerin dann selbst ein. „Das bedeutet nicht, dass nicht irgendwo Unterricht ausfallen wird. Vor Ort fehlen uns mehr Lehrkräfte als nur für 130 Planstellen.“ Mitarbeiter erkrankten mitunter längerfristig, sie gingen in Elternzeit oder nähmen sich eine unbezahlte Auszeit. Auch seien viele Lehrer in Teilzeit tätig.

Im vergangenen Schuljahr seien an den allgemeinbildenden Schulen zwei Prozent des Unterrichts ersatzlos gestrichen worden, bei weiteren 7,6 Prozent sprangen entweder Vertretungslehrer ein oder die Schüler wurden zur eigenverantwortlichen Arbeit aufgefordert.

Lesen Sie auch: Beflaggung an Schulen - das sagen Politiker aus Schleswig-Holstein

Man könne man beim Lehrermangel regionale Unterschiede erkennen, sagte Prien. Während in Uni-Städten wie Kiel und Flensburg, aber auch in den Ballungszentren besonders viele Pädagogen eine Stelle suchten, sei es in ländlichen Regionen weitaus schwieriger, für offene Planstellen geeignete Bewerber zu finden.

2019 hatte die Landesregierung erstmals Referendaren in Segeberg, Dithmarschen, dem Herzogtum Lauenburg und Steinburg einen Aufschlag von 250 Euro gewährt. Mit mäßigem Erfolg: Gerade mal 20 angehende Lehrer bissen an. Weitere 43 gingen zwar in die Kreise, lehnten das zusätzliche Geld aber lieber dankend ab, weil sie sich nicht für fünf Jahre in der Region verpflichten wollten.

6000 nahmen zum Wintersemester ein Lehramtsstudium auf

Ob der Köder nicht appetitlich genug sei? Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien lehnte Spekulationen ab und sprach lieber von einem ersten Versuch. Man müsse jetzt darüber nachdenken, mit welchen sonstigen Anreizen man Bewerber in die Regionen locken könne.

An den Unis in Schleswig-Holstein hätten zum Wintersemester jedenfalls über 6000 junge Leute ein Lehramtsstudium aufgenommen. Das sei eine Rekordzahl, auch wenn es kurzfristig nicht helfe. Das Land setze deshalb neben den „grundständig ausgebildeten“ Lehrkräften auf die Beschäftigung von derzeit 589 Quer- und 336 Seiteneinsteigern.

Kritik der GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf Prien ein Versteckspiel vor. „Viele Schulen im Land bekommen ihre Stellen nicht besetzt“, stellte die Landesvorsitzende Astrid Henke fest. Noch drastischer: „Es gibt zahlreiche Schulen, da ist jede vierte Lehrkraft nicht voll ausgebildet.“

Um den Beruf attraktiver zu machen, müsse die Arbeitsbelastung von Lehrern reduziert und das Gehalt von Grundschullehrern zügig auf A13 aufgestockt werden. Prien hat Letzteres flächendeckend zum Schuljahr 2025/26 zugesagt. Martin Habersaat (SPD) warf ihr vor, die Anhebung auf die lange Bank zu schieben.

Weitere aktuelle Nachrichten aus Schleswig-Holstein finden Sie hier.

Mit einem Informationstag für Patienten wollen am Sonnabend, 23. November, in Kiel das Netzwerk Osteoporose Paderborn und das UKSH auf die wachsende Bedeutung der Knochenschwund-Krankheit Osteoporose hinweisen. Vorgestellt wird dabei auch der in Kiel entwickelte Schnelltest. Er hilft, die Krankheit bereits früh zu erkennen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 22.11.2019

Im Januar 2019 tobten Stürme über Schleswig-Holstein und hinterließen an den Küsten Schäden in Millionenhöhe. Sandstrand wurde weggespült, Uferbefestigungen zerstört. Das Land stellt nun aus dem Programm "Soforthilfen Sturmflutschäden Ostsee" knapp eine Million Euro für betroffene Gemeinden bereit.

Sibylle Haberstumpf 21.11.2019

Die Grundrente kommt 2021. Betriebsrentner sollen ab 2020 mehr in der Tasche haben. Gewerkschaften und Sozialverbände loben die Große Koalition für das Paket. Bei vielen Rentnern in Schleswig-Holstein macht sich jedoch Ernüchterung breit, weil sie davon gar nicht oder nur wenig profitieren.

Heike Stüben 21.11.2019