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Schleswig-Holstein Wo ist der Wolf GW 1430-M geblieben?
Nachrichten Schleswig-Holstein Wo ist der Wolf GW 1430-M geblieben?
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07:10 03.02.2020
Von Bastian Modrow
Wo ist GW 1430-M hin? Im Dezember tötete er viele Schafe in Dithmarschen. Seit dem Jahreswechsel ist der Wolf nicht mehr in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Quelle: Jörn Perske/dpa + google.com/mymaps (Kieler Nachrichten)
Kiel

Wochenlang bescherte ein junger Wolf den Weidetierhaltern an der Westküste von Schleswig-Holstein schlaflose Nächte. Immer wieder riss GW 1430-M Schafe, beinahe täglich mussten Landwirte und Züchter neue Verluste beklagen. Seit dem Jahreswechsel hat es keine neuen Vorfälle mehr in Dithmarschen gegeben. Experten gehen davon aus, dass das Tier entweder weiter nach Dänemark gezogen oder tot ist.

Die Spur von GW 1430-M verliert sich am 27. Dezember. Bei Wohlde hatte der junge Wolf zum letzten Mal nachweislich ein Schaf gerissen. Ob ein weiterer Fall weiter nördlich in Gotteskrog, wenige Kilometer von der deutsch-dänischen Grenze entfernt, ebenfalls auf sein Konto geht, ist noch ungewiss. Das Ergebnis einer DNA-Probe liegt noch nicht vor.

Welcher Wolf riss 2019 Nutztiere in Schleswig-Holstein? (Zuordnung über Genetik)

Wildschweinzaun an dänischer Grenze ist für Wolf kein Hindernis

„Sollte es der junge Wolfsrüde gewesen sein, wäre dies ein Indiz dafür, dass er gen Norden gezogen ist“, sagt Jens-Uwe Matzen. Der Wolfsbetreuer des Landes Schleswig-Holstein hält es für möglich, dass sich GW 1430-M trotz des Wildschweinzauns entlang der Grenze in Dänemark aufhält.

„Der Zaun hat Lücken, beispielsweise an Straßen und Wegen“, argumentiert Matzen. Auch die Höhe von 1,5 Metern sei kein Hindernis für einen Wolf. „Da kann er entweder drüberspringen – oder er klettert daran hoch, was problemlos möglich ist, da der Zaun ja keinen Strom führt“, sagt der Experte.

Schützen dänische Landwirte ihre Schafe besser?

Marcell Kaminsky von der Bürgerinitiative „Wolfsfreie Dörfer“ in Dithmarschen würde sich „freuen, wenn es so wäre“. Allerdings hat der Schafhalter arge Zweifel: „Ich glaube nicht daran, dass GW 1430-M in Dithmarschen wochenlang seinen Jagdinstinkt voll auslebt und in Dänemark plötzlich gar nicht mehr auffällig geworden ist und sich nun vegetarisch ernährt.“ Tatsächlich hätten weder Behörden, noch befreundete Schafbesitzer aus dem Nachbarland über eine plötzliche Häufung von Rissen seit Jahresfrist berichtet.

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Der Wolf ist wieder da - was nun?

Möglich ist, dass Weidetierbesitzer in Dänemark ihre Herden besser vor Wölfen schützen – oder sich GW 1430-M und seine Artgenossen von Wildtieren ernähren. Vielleicht gibt es aber auch in den kommenden Tagen Gewissheit über den Verbleib des Dithmarscher Wolfes: In Westjütland wurden nämlich am vergangenen Wochenende 18 tote Schafe gefunden. DNA-Proben würden zurzeit in Deutschland untersucht, berichten dänische Medien.

Wolfssichtungen und Tierrisse seit 2007 in Schleswig-Holstein

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Ist der Wolf GW 1430-M erschossen worden?

Kaminsky und Matzen schließen aber nicht aus, dass der junge Wolf möglicherweise auch tot ist. „Die plötzliche Ruhe ist merkwürdig“, sagt der Schafzüchter und zieht mögliche Parallelen zum sogenannten Problemwolf GW 924-M, für den es 2019 sogar eine Abschussgenehmigung für mehrere Kreise in Schleswig-Holstein gegeben hatte.

„Das Tier war nach Mecklenburg abgewandert, wurde noch einmal durch einen Riss südlich von Schwerin auffällig – und seither scheint der Wolf verschwunden zu sein“, sagt Matzen. Bundesweit gebe es vergleichbare Fälle verschwundener Wölfe, die Dunkelziffer sei „nicht zu klein“, betont der Landesbeauftragte. Er will nicht ausschließen, dass Wolfsgegner „Selbstjustiz“ betreiben und nach dem Motto „Schießen, Schaufeln, Schweigen“ verfahren.

Ein Szenario, von dem Marcus Börner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands, nichts wissen will. „Abgesehen davon, dass ein Schütze eine Straftat begehen würde, müsste er um seinen Jagdschein fürchten und würde einen gewaltigen Imageschaden für die gesamte Jägerschaft verursachen“, sagt Börner. Er geht eher davon aus, dass das Tier abgewandert ist. Dass der Wolf möglicherweise eines natürlichen Todes gestorben ist, daran glaubt der Jagd-Chef nicht.

GW 1430-M kam aus Niedersachsen nach Schleswig-Holstein

GW 1430-M ist ein noch junges Tier, das laut Ministerium im Frühsommer 2019 erstmals genetisch nachgewiesen wurde. Laut Bürgerinitiative stammt er aus einem Rudel der Göhrde – einem niedersächsischen Waldgebiet. Laut Kaminsky ist dieses Rudel für die Auslöschung der Mufflon-Bestände in der Region verantwortlich: Binnen drei Jahren verschwanden dort 300 Wildschafe.

Zahlen und Fakten

Wolf in Schleswig-Holstein: Zahlen und Fakten 2019

2019 wurden dem Melund Schleswig-Holstein insgesamt 251 Fälle von Nutztierrissen und Wolfs-Sichtungen gemeldet – 126 mehr als 2018 (Zum Vergleich: 2016 waren es drei Risse und eine Sichtung, 2017 wurden drei Fälle gemeldet).

  • In 156 Fällen (62,15 Prozent) wurde eindeutig der Nachweis erbracht, dass die Schafe von Wölfen gerissen wurden. Die Genetik stammt von acht verschiedenen Wölfen, 63 Fälle konnten keinen bestimmten Wolf zugewiesen werden.
  • 39 Fälle brachten kein Ergebnis bzw. waren nicht analysierbar.
  • Bei 27 Rissen steht das Untersuchungsergebnis noch aus.
  • In 26 Fällen schnappte die Fotofalle zu bzw. konnte die Sichtung über andere Wege bestätigt werde.
  • In 3 Fällen konnten Hunde als Verursacher nachgewiesen werden.

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