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Schleswig-Holstein Kliniken in SH bereiten sich auf Covid-Patienten aus Thüringen vor
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Schleswig-Holstein bereitet sich auf Corona-Patienten aus Thüringen vor

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18:41 25.11.2021
Von Tilmann Post
Covid-Intensivstation in der Inneren Medizinischen Klinik I am UKSH in Kiel: Auch Schleswig-Holsteins Uniklinik bereitet sich darauf vor, Corona-Patienten aus anderen Bundesländern aufzunehmen.
Covid-Intensivstation in der Inneren Medizinischen Klinik I am UKSH in Kiel: Auch Schleswig-Holsteins Uniklinik bereitet sich darauf vor, Corona-Patienten aus anderen Bundesländern aufzunehmen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Das Land Schleswig-Holstein muss sich darauf einstellen, Covid-19-Patienten aus anderen Bundesländern in seinen Kliniken aufzunehmen. Nachdem das Kleeblatt-System zur überregionalen Verlegung aus überlasteten Corona-Gebieten aktiviert wurde, wird nun daran gearbeitet, wo genau die Patienten unterkommen sollen. Zuletzt war von zehn Covid-Erkrankten aus Thüringen die Rede.

Laut Kieler Gesundheitsministerium gingen die Anfragen am Mittwoch in Schleswig-Holstein ein. Sie kamen aus Bayern, Sachsen und Thüringen. „Die Kliniken in Schleswig-Holstein sind derzeit dabei, entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten zu prüfen und einzuleiten. Die konkrete Zahl der zu übernehmenden Patienten wird derzeit abgestimmt“, hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium.

„Wir gehen davon aus, dass auch wir Verlegungen bekommen und bereiten uns darauf vor“, sagte Oliver Grieve, Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Die genaue Patientenzahl und der Zeitpunkt der Verlegung seien jedoch noch unklar.

Kleeblatt-System etwa von Bayern, Thüringen und Sachsen angefordert

Die Bundesländer Bayern, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin hatten am Dienstag Verlegungen über das Kleeblatt-System angefordert. Vorrangig sollen in den kommenden Tagen 54 Patienten auf andere Bundesländer verteilt werden – 30 aus Bayern, zehn aus Thüringen und 14 aus Sachsen.

Nach einem Treffen des zuständigen Arbeitskreises der Innenministerkonferenz am Donnerstag war die Rede vom „bisher größten Intensivverlegungseinsatz in Deutschland“. Dafür werden neben für den Transport von Intensivpatienten ausgerüsteten Fahrzeugen auch Rettungshubschrauber und Flugzeuge der Bundeswehr angefordert.

Die Thüringer Covid-Patienten sollen für Schleswig-Holstein vorgesehen sein. Weitere Anfragen in Richtung Hamburg, Bremen und Niedersachsen seien gestellt worden, hieß es zuletzt aus dem Erfurter Gesundheitsministerium.

Hintergrund für die Aktivierung ist eine dramatische Corona-Lage im Südosten Deutschlands, wo vielen Krankenhäusern die Überlastung droht, weil dort aktuell viele Patienten mit Covid-Symptomen eingeliefert werden.

Schleswig-Holstein ist nicht stark von Corona betroffen und deshalb Kleeblatt-Zielland

Um solche Situationen abzufedern, ist Deutschland in fünf „Kleeblätter“ aufgeteilt worden. In diesen Gebieten, die zumeist aus mehreren Bundesländern bestehen, sollen sich Kliniken leichter gegenseitig helfen können. Weniger ausgelastete Kliniken übernehmen dann Patienten aus überlasteten Krankenhäusern. Reicht das nicht mehr aus, werden Verlegungen auch kleeblattübergreifend organisiert.

Aufteilung Kleeblatt-Prinzip: SH gehört zum Kleeblatt Nord

Deutschland ist in fünf Kleeblätter unterteilt worden, die je an einer zentralen Stelle koordiniert werden:

  • Nord: Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
  • Ost: Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin
  • West: Nordrhein-Westfalen
  • Südwest: Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen
  • Süd: Bayern

Wenn es zu einer Überlastung kommt und Krankenhäuser keine Intensivpatienten mehr aufnehmen können, greift das Kleeblattprinzip. Sobald Intensivpatienten nicht mehr in benachbarte Regionen verlegt werden können, erfolgt eine überörtliche Verlegung von Patienten in weniger belastete Regionen.

Das ist jetzt der Fall. Schleswig-Holstein ist derzeit von Corona relativ wenig betroffen und gilt deshalb als Zielland. Laut Landesmeldestelle befinden sich derzeit 167 Corona-Patienten in den Krankenhäusern. Davon befinden sich 42 auf der Intensivstation, 26 müssen künstlich beatmet werden.

105 von 710 Betten auf den Erwachsenen-Intensivstationen Schleswig-Holsteins sind laut Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) frei. Das sind 15 Prozent. Ähnlich ausgelastet sind nur Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz – in allen anderen Bundesländern sind weniger Betten frei.

Gesundheitsminister: Planbare Operationen verschieben

Unterdessen sollen planbare Operationen nach dem Willen der Gesundheitsminister vom Bund und von den Ländern bundesweit verschoben werden. In vielen Bundesländern ist das schon der Fall. Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), berichtete nach einer Schaltkonferenz am Donnerstagmorgen, darüber seien sich die Länder einig gewesen.

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Es brauche zudem Freihaltepauschalen für die Kliniken, wenn sie Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten frei halten. „Uns ist allen sehr klar, dass es sehr, sehr ernst ist“, sagte Holetschek nach den Beratungen. Es herrsche eine große Solidarität zwischen allen Bundesländern, betonte der CSU-Politiker. Holetschek dankte den Ländern, die nun Patienten aus anderen Landesteilen aufnehmen.