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Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein, ein Männerland?
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17:49 02.09.2019
Von Karen Schwenke
Männer, Männer, Männer! In einem offiziellen Werbevideo der Landesregierung zum Einheitstag in Schleswig-Holstein machen nur Männer und Jungs spannende Jobs, Frauen sind "schmückendes Beiwerk", lautet die Kritik. Quelle: Screenshots aus https://youtu.be/tRelDEZUPAA
Kiel

 "Ich bin entsetzt. Wer bitte hat diesen Film gemacht?", fragt Dr. Iris Werner, Gleichstellungsbeauftragte der Christian-Albrechts-Universität. Der Videoclip unter dem Titel „Tag der Deutschen Einheit: SH lädt ein“ zeigt für das Land typische Branchen und Orte sowie Szenen aus Kultur und Sport. In den allermeisten Sequenzen werden Männer gezeigt.

"Der Film symbolisiert, dass in Schleswig-Holstein nur Männer aktiv sind, und dass nur Männer spannende Sachen machen, führen und leiten. Es kommen quasi keine Frauen oder Mädchen vor, nicht in der Kultur, nicht im Sport, nicht in der Wirtschaft, nicht in der Wissenschaft -  in keinem einzigen Bereich."

Iris Werner ist überzeugt, dass das Video keine Nachlässigkeit ist: "So etwas wird niemals blauäugig gemacht. Das ist sehr professionell."

"Mut verbindet" ist Motto der Einheitsfeier in Kiel

Zu den nationalen Feierlichkeiten zum Einheitstag lädt in diesem Jahr Ministerpräsident Daniel Günther in seiner Funktion als amtierender Bundesratspräsident unter dem Motto "Mut verbindet" nach Schleswig-Holstein ein.

Die Landesregierung Schleswig-Holstein müsse den Film "abgesegnet" haben, meint Iris Werner. "Daniel Günther ist der Auftraggeber. Man müsste ihn fragen, wie so etwas zustande kommt. Ich bin vollkommen fassungslos."

Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack sieht das anders: „Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Es handelt sich um einen wunderbaren Imagefilm, der Schleswig-Holstein, seine Vielfalt und seine Menschen hervorragend repräsentiert und Lust macht auf die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. “

Karola Schneider: Schleswig-Holstein transportiert überholte Rollenbilder

Karola Schneider, stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrates, äußerte sich ebenfalls kritisch: "Das mutet sehr seltsam an, als sei Schleswig-Holstein ein reines Männerland. Man transportiert hier völlig überholte Rollenbilder. Männer arbeiten, Männer gestalten, Männer sind die Helden, Männer treiben Sport. Und die Frauen sind nur das schmückende Beiwerk", sagte Schneider in Anspielung auf eine Szene mit einer strahlenden jungen Frau vorm Lübecker Holstentor.

Dabei seien Frauen in der schleswig-holsteinischen Bevölkerung in der Mehrzahl und nur in diesem Film völlig unterrepräsentiert. Diese Werbebotschaft sei eine Verzerrung der Realität, völlig klischeehaft und führe dazu, dass sich überholte Rollenbilder manifestieren würden, so Schneider.

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"Der Film ist unüberlegt und sehr unsensibel. Und ja, schreiben Sie: Er ist skandalös. Es hätte nicht passieren dürfen, man fühlt sich verschaukelt, zumal wir in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht und 70 Jahre Grundgesetz gefeiert haben."

Dr. Iris Werner meidet Feierlichkeiten am 3. Oktober 2019

Die CAU-Gleichstellungsbeauftragte Werner zieht ihre Konsequenzen aus dem Video: "Ich gehe nicht zu den Feierlichkeiten. Ich würde dazu aufrufen, dass die Männer den 3. Oktober gerne alleine feiern können."

Neben dem protokollarischen Teil findet am 2. und 3. Oktober 2019 in Kiel ein Bürgerfest statt. Alle 16 Bundesländer, zahlreiche gesellschaftliche Organisationen, der Schleswig-Holsteinische Landtag und die Verfassungsorgane präsentieren sich den Besuchern.

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