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Schleswig-Holstein Die Vergessenen aus Schleswig-Holstein
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10:00 18.11.2018
Der Friedhof in Davenport: Hier ruhen nun die vergessenen Männer aus Schleswig-Holstein. Quelle: Marion Hanfeldt
Davenport

Charles Stuehmer ist keine 19 Jahre alt, als er sich in Hemmerwurth in Schleswig-Holstein auf den Weg macht, um in Amerika ein neues Leben zu führen. Er strandet in Davenport, Iowa, er arbeitet als Tischler, er gründet eine Familie, und gerade, als er beginnt, dem Sein mit so etwas wie Routine zu begegnen, bricht der amerikanische Bürgerkrieg aus. Oder Hans Christian Horstmann. Geboren 1825 in Schierensee, Schleswig-Holstein. 1852 wandert er nach Amerika aus, er nimmt die beschwerliche Route über New Orleans, an der 716. West Third Street in Davenport eröffnet er eine Schmiede. Wenige Jahre später zieht er in den Krieg, er meldet sich freiwillig, er ist knapp 7000 Kilometer von seiner alten Heimat entfernt.

Kory Darnall war selbst nie Soldat

Dass man sich heute ihrer erinnert, ist vor allem dem Engagement von Kory Darnall zu verdanken. Er selbst ist nie Soldat gewesen. Und dennoch entwickelte er mit den Jahren ein Gefühl dafür, was es bedeutet, sein Leben für die große Sache zu riskieren, am Ende aber von der Welt vergessen zu werden. Er sagt, er findet das ungerecht, er sagt, er sei den Toten etwas schuldig. Er fragt: „Wenn ich nicht an sie erinnere, wer tut es dann?“

Der 58-Jährige ist der Präsident der Davenport Schützenpark Gilde, ein Verein, dessen Schatten weit zurückreicht ins 19. Jahrhundert und der zu besten Zeiten mehr Einfluss in der Stadt hatte als jede andere Institution. Zugleich ist er Mitbegründer des German American Heritage Center in Davenport. Begonnen hatte alles vor etwas mehr als 20 Jahren: Er recherchierte und fand heraus, dass auf dem Stadt-Friedhof genau jene Männer beerdigt liegen, der Davenport große Teile der Historie verdankt und sehr viel mehr. Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Stadt am Mississippi als deutscheste Stadt im Mittleren Westen, ein Drittel der Einwohner waren Deutsche, viele der sogenannten 1848er waren dorthin ins Exil geflohen.

Das Erbe der deutschen Einwanderer

Wer in diesen Tagen nun durch die Stadt geht, stößt immer wieder auf das Erbe der Einwanderer. Das German American Heritage Center etwa, ein Museum, das sich mit großem Engagement der Geschichte der Immigranten widmet, und dort nun auch ist den Kämpfern aus dem fernen Deutschland ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Ort selbst ist historisch. Viele der zumeist aus Schleswig, Lauenburg und Holstein stammenden Aussiedler fanden hier nach ihrer Übersiedlung ihre erste Bleibe, damals war das Haus ein Hotel, es hieß „The Germania“ oder „The German Inn“.

Vier Jahre dauerte der Bürgerkrieg (1861-1865), und am Ende zählte man 700000 tote Soldaten. Es waren vor allem die Mitglieder der deutsch-amerikanischen Turner- und Schützenvereine, die zu den ersten Freiwilligen zählten, allein aus dem Staat New York rückten zehn ausschließlich deutsche Regimenter an, sie glühten für die Sache. Weil sie sich einig waren in der Ablehnung der Sklaverei. Weil sie es als Ehre empfanden. Weil sie sich verpflichtet fühlten. Insgesamt stellten die Turner mehr als 200000 Deutschamerikaner im Unionsheer, und so ist es kein Zufall, dass auch der erste Soldat, der für Iowa im Bürgerkrieg fiel, ein Deutscher war: Offizier Augustus Wentz, gefallen am 7. November 1861 in Belmont, Iowa.

Friedhof in sehr schlechtem Zustand

Als er mit seiner Arbeit für die Historie begann, befand sich der Friedhof in einem bedauernswerten Zustand. Zusammen mit Gleichgesinnten sammelte er Geld, sie räumten den Friedhof auf, sie ließen die Gräber restaurieren, sie gaben den Toten ihre Ehre zurück. 90 Prozent der Toten auf dem Friedhof sind Deutsche, von diesen 90 Prozent stammen 70 Prozent aus Schleswig-Holstein, und ein Großteil von ihnen kämpfte im Bürgerkrieg.

Von Marion Hahnfeldt

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