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Schleswig-Holstein Polizei kauft Schuh-Datenbank
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18:05 07.08.2019
Ermittler können für den Sohlenvergleich von Schuhabdrücken nun auf Informationen zu rund 28 000 Modellen zurückgreifen. Quelle: Dirk Schneider (Symbolbild)
Kiel

Schuhspuren sind für die Aufklärung von Straftaten enorm wichtig, sind sie doch oftmals der einzige Beweis dafür, dass zumindest der Schuh eines Verdächtigen am Tatort war“, sagt Carola Jeschke, Sprecherin des Landeskriminalamts.

Ob Einbruch, Raub oder Gewaltverbrechen: Kriminelle gehen stets professionell vor, wenn es um das Verwischen von Spuren geht. Sie verhüllen sich mit Masken und Mützen, um nicht erkannt zu werden. Und sie tragen Einweghandschuhe, um keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren am Tatort zu hinterlassen. Die Polizei stellt ist dies vor ein Problem. Für die Täterverfolgung bleibt oft nur ein Fußabdruck.

Fußabdrücke werden häufig hinterlassen

Nicht selten hinterlassen Kriminelle auf den Grundstücken, auf Fensterbänken oder in Räumen ihre Spuren. „Der deutlich sichtbare und vollständige Abdruck im Blumenbeet ist allerdings eher die Seltenheit“, betont die Behördensprecherin. Oft seien es nur Fragmente mit Kringeln, Quadraten oder Zickzacklinien, die von den Experten der Kriminaltechnik gesichert werden könnten. Mit speziellen schwarzen Gel-Folien oder Gips würden diese Abdrücke genommen, im Computer erfasst und verglichen.

Tatsächlich verraten die Schuhsohlen mehr über Straftäter, als diesen lieb ist: „Mitunter geben die Modelle wichtige Hinweise auf die Herkunft der Täter, speziell wenn es sich um Modelle handelt, die nur in bestimmten Ländern oder von bestimmten Anbietern vertrieben worden sind“, sagt Rainer Stork. Der LKA-Sachbearbeiter im Bereich sogenannter Formspuren ist spezialisiert auf die Bestimmung von Schuhen. Um bei der Jagd nach Kriminellen noch effizienter sein zu können, macht das Landeskriminalamt jetzt gemeinsame Sache mit dem LKA in Niedersachsen und nutzt eine spezielle Referenz-Datenbank, in der 28000 verschiedene Schuhe gespeichert sind. Das Register soll in Kooperation mit Niedersachsen laufend aktualisiert werden. Bislang umfasste die Spurensammlung des LKA nur 11 000 Modelle.

„Die Sachverständigen vergleichen die am Tatort gesicherten Schuhspuren mit den Modellen in der Datenbank“, erläutert Behördensprecherin Jeschke. Es gilt, Marke, Modell oder Plagiate zu identifizieren: Die Fotos in der Datenbank zeigen jeweils eine Abbildung der Sohle und des kompletten Schuhs. „Vom Laufschuh über Gummistiefel bis zum Arbeitsschuh ist alles dabei – 28000 handelsübliche Schuhmodelle“, erläutert Karin Bruder, Leiterin des Fachbereichs Formspuren.

Schuhspuren klärten Mordfall auf

Gibt es einen Treffer, informieren die Schuhspur-Forensiker die Dienststelle, die den Fall bearbeitet. Sie erstellen außerdem eine Tatort-Liste, an denen das gleiche Grundmuster gesichert worden ist. Im Idealfall können die Fahnder sogar anhand kleiner Defekte wie dem Abdruck eines Risses in der Sohle einen Zusammenhang von Einzeltaten herstellen.

Wie erfolgreich die Schuhspuren-Jäger sind, zeigt ein Mordfall von 2013: Der Täter hatte das Opfer – einen pflegebedürftigen Mann – getötet, den Leichnam vom Tatort entfernt und an einem Kanal abgelegt. „Der Täter hatte den Tatort gründlich gereinigt, aber nicht gründlich genug: Mit besonderen Chemikalien konnten Kriminaltechniker Fragmente eines Schuhabdruckes sichtbar machen“, berichtet die LKA-Sprecherin. Die besonderen Fragmente konnten schnell einem Referenzmuster zugeordnet werden. Das Pech des Täters: Er hatte einen selten verkauften Schuh getragen, dessen Muster in der Datenbank enthalten war. Die Mordkommission ermittelte anschließend, dass der Lebensgefährte der Pflegekraft im Besitz solcher Schuhe war.

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Von Bastian Modrow

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