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Schleswig-Holstein Illegale Menschen putzten Raststätten
Nachrichten Schleswig-Holstein Illegale Menschen putzten Raststätten
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14:45 07.03.2019
Von Thomas Geyer
Bis zu 28 Billigarbeiter sollen für den Unternehmer illegal gearbeitet haben. Quelle: dpa
Kiel

Der Inhaber eines Reinigungsunternehmens muss sich seit Freitag wegen Einschleusens von mindestens 26 Menschen aus Balkanländern wie Serbien, Montenegro und Mazedonien verantworten.

Billigarbeiter schufteten bis zu 100 Stunden pro Woche

Die meisten Arbeitskräfte fand der Angeklagte, der selbst die bosnische und serbische Staatsangehörigkeit hat, seit 2014 in seiner Herkunftsregion. Vor allem Ungelernte aus ärmeren Nicht-EU-Staaten sollen für die Arbeit mit weniger als der Hälfte des deutschen Mindestlohns abgespeist worden sein. Auf dem Rasthof hätten die in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Betroffenen die Klos geputzt und das "Tellergeld" eingesammelt – laut Anklage bis zu 100 Stunden pro Woche.

Die Pässe wurden den Illegalen abgenommen

Die auf Deutsch verfassten Arbeitsverträge konnten sie mangels Sprachkenntnissen nicht verstehen, berichtete die Polizist. Ihre Originalpässe mussten sie abgeben. Die Papiere wurden in einem Bankschließfach in Kaltenkirchen verwahrt – zusammen mit 10.000 Euro Bargeld. Als Ersatz seien falsche kroatische Identitätskarten ausgehändigt worden, so der Ermittler weiter. Die professionell angefertigten "Totalfälschungen" waren Grundlage für die Arbeitserlaubnis. Laut Arbeitsvertrag, der eine Laufzeit von bis zu drei Jahre hatte, hätten die "Angestellten" dem Chef 3000 Euro für den Rückkauf ihres Originalpasses zahlen müssen. "Die Zeugen waren froh, als endlich eine Kontrolle kam", so der Beamte.

Im Mai hatte die Kieler Staatsanwaltschaft die Bundespolizei und die Zollbehörden auf zunächst drei illegale Beschäftigte des Angeklagten angesetzt. "Bald zeichnete sich eine größere Dimension ab", berichtete der Oberkommissar. Eine dreimonatige Telefonüberwachung und die Auswertung von Internet-Chats führten im Sommer zu Durchsuchungen und zur Festnahme des Mannes.

Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft würde den Unternehmer gerne für mindestens vier Jahre hinter Gittern sehen. Als Gegenleistung für ein Geständnis stellte die 6. Wirtschaftskammer in Vorgesprächen dreieinhalb Jahre in Aussicht. Die Verteidigung winkte ab, will maximal drei Jahre akzeptieren.

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