Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Schneechaos legt den Norden lahm
Nachrichten Schleswig-Holstein Schneechaos legt den Norden lahm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 10.03.2013
Von Bastian Modrow
Auf dem Trenthorster Berg zwischen Plön und Preetz fegte der stürmische Wind den Schnee über die Bundesstraße 76 sorgte streckenweise für hohe Verwehungen. Quelle: Dirk Schneider
Kiel/Hamburg

Zugeschneite Autos, glatte Straßen und Schneeverwehungen: In Schleswig-Holstein und Hamburg hat es am Wochenende rund 20 Zentimeter geschneit. Dadurch seien mehrere Glätteunfälle verursacht worden, teilte die Polizei in Hamburg und Kiel mit. In Hamburg krachte es in der Nacht und am Morgen rund 50 Mal, meist sei es bei Blechschäden geblieben. Auch im Raum Kiel hat der Wintereinbruch für Behinderungen im Verkehr gesorgt. So zählte die Polizeileitstelle in den Nacht- und Morgenstunden in Kiel und den angrenzenden Kreisen 46 Unfälle. Alle endeten glimpflich. Kein Mensch wurde verletzt.

Der Winter ist zurück: In Schleswig-Holstein und Hamburg hat es in der Nacht zum Sonntag bis zu 16 Zentimeter geschneit. Alleine im Kieler Umland kam es zu 46 witterungsbedingten Unfällen. In Hamburg krachte es rund 50 Mal.

Allein im Bereich der Polizeidirektion Bad Segeberg gab es bis zum Mittag rund 40 Unfälle, mehrere Menschen seien dabei leicht verletzt worden. In Neumünster und im Kreis Rendsburg-Eckernförde krachte es am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag rund 30 Mal.

Lage im Kreis Ostholstein spitzt sich zu

Die Region Ostholstein und der Kreis Herzogtum-Lauenburg sind besonders stark vom Wintereinbruch betroffen. Die Autobahn 1 nördlich von Lübeck ist bereits nicht mehr befahrbar. Gegen Mittag ereignete sich dort eine Massenkarambolage. Schneepflüge und Radlader im Einsatz.  Die Polizei Lübeck ruft bereits zusätzliche Beamte zum Dienst. "Wir kommen mit dem Abarbeiten der Einsätze nicht mehr hinterher", so ein Sprecher der Regionalleitstelle Lübeck gegenüber KN-online.

Der Landrat des Kreises Ostholstein, Reinhard Sager, hatte zwischenzeitlich ein generelles Fahrverbot prüften lassen. Nach Informationen von KN-online wäre das die Vorstufe für einen Katastrophenalarm gewesen. Er beließ es aber vorerst bei dem Aufruf, aufs Autofahren zu verzichten. Das sieht auch Stefan Muhtz, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck so: „Viele Landes- und Kreisstraßen sowie Nebenstraße im gesamten Kreisgebiet Ostholstein sind durch Schneeverwehungen unpassierbar und teilweise bereits gesperrt. Autofahrer werden aufgefordert, vermeidbare Fahrten nicht durchzuführen und das Fahrzeug entsprechend nicht zu nutzen“. Er appelliert: „Sie halten dadurch die Straßen für Räumdienste frei und begeben sich nicht unnötig in Gefahr.“

Schnee, Eis und Kälte - der Winter dreht noch einmal richtig auf. In Hamburg sind bereits die ersten Zentimeter Schnee gefallen. Auch im Süden von Schleswig-Holstein schneit es. Im Laufe des Sonnabends soll sich die Schneefront immer weiter gen Norden ausbreiten. Meteorologen rechnen damit, dass der Schneefall in Kiel am Abend einsetzen wird.

Zwischen Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) und Bad Segeberg musste die Nordbahn am Vormittag bereits den Betrieb einstellen. Grund: Schneeverwehungen Der eingerichtete Schienenersatzverkehr der Autokraft wird aufgrund der Witterungslage gegen 15 Uhr eingestellt, teilte eine Bahn-Sprecherin auf KN-online-Anfrage mit. Mit Behinderungen und leichten Verspätungen ist aber auch auf den übrigen Bahntrassen zu rechnen. Bislang laufe der Betrieb aber, so die Deutsche Bahn.

Unterricht an Schulen fällt eventuell aus

Thomas Schunck vom Kieler Bildungsministerium kann bislang nicht sagen, ob am Montag der Unterricht an den Schulen im Land wie geplant stattfinden kann. Grundsätzlich gilt: „Eltern, die für ihr Kind eine besondere Gefährdung auf dem Schulweg durch die Witterungs- und Straßenverhältnisse befürchten, können ihr Kind zu Hause behalten oder es vorzeitig vom Unterricht abholen“, so der Sprecher. Abgesehen davon kann bei besonders gefährlichen Wetterlagen landesweit oder in einigen Regionen Unterrichtsausfall angeordnet werden. Für diese Fälle hat das Bildungsministerium eine spezielle Winter-Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr unter der Rufnummer 0800 1827271 erreichbar ist.

Wetter bleibt winterlich

Von einem kurzen Gastspiel kann nicht die Rede sein. Frank Böttcher, Meteorologe am Institut für Wetter- und Klimakommunikation, kündigte weiteren Schneefall im Laufe des Tages an. „Durch regionale Schneeschauer kann es stellenweise weitere zehn Zentimeter Neuschnee geben.“ Besonders Richtung Küste kann es bei starkem Wind mit Sturmböen der Windstärke 9 teils starke Verwehungen geben. Tief „Yorick“ schwächt sich zwar am Sonntag deutlich ab, aber für Nachschub ist gesorgt. Vom Atlantik rückt Tief „Xaver“ heran. „Neue Schneefälle sind also auch in den nächsten Tagen im Programm“, sagt Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst.

Der Winter meldet sich in Schleswig-Holstein zurück. KN-online-Leser haben uns einige Fotos vom Schneegestöber zugeschickt!

Der letzte ähnlich starke Schneefall liegt bereits drei Jahre zurück: Ende Dezember 2010 habe laut Institut für Wetter- und Klimakommunikation zuletzt so viel Schnee gelegen. Grund für das aktuelle Wetterphänomen sei ein Zusammentreffen von kalten Luftmassen aus Nordosteuropa und milder Luft aus Südwesten. Ein Umschwung zu Frühlingswetter ist laut Böttcher noch nicht abzusehen.

Wenn Sie Fotos vom Schneegestöber in Schleswig-Holstein gemacht haben, können Sie uns diese gerne per Mail an onliner@kieler-nachrichten.de zukommen lassen. Wir stellen Ihre Bilder (max. 2 MB pro Foto) dann zur Fotostrecke.

Weitere Informationen zum Wetter erhalten Sie hier auf KN-online.