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Schleswig-Holstein Schnüffeln nach vermissten Personen
Nachrichten Schleswig-Holstein Schnüffeln nach vermissten Personen
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11:55 20.11.2013
In luftiger Höhe: Rettungshunde wie Tammy müssen alle Situationen meistern. Quelle: hfr
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Altenholz

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Rettungshundestaffel zu gründen?

 Ursprünglich habe ich in der Altenpflege in einem Altenheim gearbeitet, in dem zirka 95 Prozent Demenzkranke lebten. Diese Menschen hatten einen starken Drang dazu, wegzulaufen. Einmal wurde eine Person nicht rechtzeitig wiedergefunden. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschloss, diesen Menschen zu helfen und Suchhunde auszubilden. Ich schloss mich zunächst der Hundestaffel der Johanniter in Schleswig an und machte mich parallel dazu als Hundetrainerin in Eckernförde selbstständig. Etwas später lernte ich dann Alexandra Grunow kennen, die eine spezielle Methode entwickelt hat, um Suchhunde auszubilden – sowohl für den Sport-, als auch für den Rettungsbereich. So kam es, dass ich das „K9-Suchhundezentrum“ hier im Norden parallel zu ihrem in Bayern aufmachte. Im Februar 2008 wurde dann der Verein „Rettungshunde-Nord e.V.“ gegründet.

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 Wie lange braucht ein Hund für die Ausbildung?

 Dazu muss man wissen, dass es zwei Typen von Suchhunden gibt. Flächensuchhunde suchen eine unbekannte Person auf einem Gelände und Personensuchhunde – auch Mantrailer genannt – verfolgen die Spur einer ganz bestimmten Person. Ein Flächensuchhund braucht für die Ausbildung zirka zwei Jahre, wenn er zwei Mal pro Woche trainiert, ein Mantrailer braucht drei Jahre, wenn er zwei bis drei Mal in der Woche trainiert.

 Wie viele ausgebildete Hunde haben Sie?

 Ich habe fünf einsatzfähige, geprüfte Rettungshunde. Drei geprüfte Mantrailer und zwei geprüfte Flächensuchhunde. Das ist relativ viel und daher auch ungewöhnlich.

 Welche Voraussetzungen sollten die Hunde haben?

 Die Hunde sollten sehr eigenständig sein, ihren eigenen Kopf und einen starken Finderwillen haben. Eine gute Nase haben alle Hunde. Für die Rettungsarbeit sollte der Hund nicht zu klein sein, wie zum Beispiel ein Chihuahua, da sehr kleine Hunde oft sensibel sind und sich nicht gegen ihre Besitzer durchsetzen. Oder ein Mops könnte zum Beispiel nicht so gute Chancen haben, wenn er es von der Kondition nicht schafft. Ganz wichtig ist auch der Hundeführer – Hund und Mensch müssen ein Team sein.

 Wie oft haben Sie Einsätze und wann sind die meisten?

 Das kommt immer sehr darauf an. Im Winter und Herbst haben wir mehr Einsätze als im Sommer. Wir werden dann ungefähr alle zwei Wochen von der Polizei alarmiert. Es kommt aber auch vor, dass wir sechs Wochen gar keine Einsätze haben und dann zwei hintereinander. Allerdings kann man schon sagen, dass fast alle Einsätze nachts sind. Im Oktober hatten wir an acht Tagen drei Alarmierungen.

 Haben Ihr Beruf beziehunsweise Ihr Ehrenamt auch Nachteile?

 Hauptberuflich bin ich Hundetrainerin und Leiterin des K9-Suchhundezentrums Nord. Das macht mir eigentlich immer sehr viel Spaß, obwohl ich bei jedem Wetter draußen bin. Und das Ehrenamt? Ein Nachteil ist, dass ich 24 Stunden am Tag erreichbar sein muss, aber wenn es keinen Spaß machen würde, würde ich es nicht machen. Alle Mitglieder der Rettungshundestaffel arbeiten ehrenamtlich.

 Was war Ihr größter Erfolg?

 Einmal wurde ich alarmiert, da ein alter Herr abends aus einem Altenheim verschwunden war. Die Feuerwehr hatte das komplette Gelände bereits im Dunkeln erfolglos durchsucht. Mein Hund fand den Herrn dann lebendig! Er war einen Abhang herab gerutscht und konnte nicht selbstständig wieder hinauf. Das war ein tolles Erlebnis.

 Von Carlotta Klos, Klasse 8d, Gymnasium Altenholz